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22. Juli 2007, 10:00 Uhr

... Alexander Niemetz?

Der Schweizer Journalist moderierte von 1991 bis Ende 2000 das ZDF "Heute-Journal". Seine Nachfolgerin wurde eine Frau - Marietta Slomka.

Die Liebe zu hellen Sakos ist geblieben: Alexander Niemetz im Züricher Restaurant "Wirtschaft zum Doktorhaus"© Stefan Walter

"Will es einmal das Geschick, dass ich Pfarrer werde"...

...ja, das wollte ich - in grauer, grauer Vorzeit ...

... das ist das Lied der Anachoretia, einer Verbindung, die Sie 1961 mitgegründet haben.

Ach, mein Gott, richtig, ja! Das liegt so lange Zeit zurück. In der Schweiz gibt es auch an Schulen Verbindungen. An unserem katholischen Gymnasium waren sie verboten. Deshalb der Name Anachoretia - die Verborgene.

Wie wichtig sind Verbindungen in Ihrem Leben?

In Deutschland waren gute Beziehungen für meine Karriere sehr wichtig - die meisten stammten aus der Unizeit in Berlin.

Und wo haben Beziehungen ihre Grenzen?

Eigentlich nirgends. Das muss ja nicht heißen, dass man sich miteinander ins Bett legt. Es geht um ein Netzwerk, in dem man sich informiert, in dem man weitergereicht wird, wo man aufgefangen wird, wenn man es nötig hat. Solche Dinge sind wichtig und prägen.

Sie haben mal gesagt: "Frauen werden vom Publikum als Moderatorinnen von News-Sendungen nicht akzeptiert." Sind Sie frauenfeindlich?

Es ging damals um "10 vor 10" in der Schweiz. Eine Moderatorin hatte zwei Parteien verwechselt. Das ist in einer politischen Hintergrundsendung etwas schwierig. Sie sollte abgeschossen werden. Die Leiterin der Sendung hat damals gesagt: "Es kommt ausschließlich eine Frau für die Nachfolge infrage." Daraufhin habe ich gesagt: "So ein Schwachsinn. Es ist nicht wesentlich, ob es eine Frau oder ein Mann macht. Es kommt auf Kompetenz und Glaubwürdigkeit an." In US-Nachrichtensendungen gab es lange Zeit keine Frau in der Anchorwoman- Rolle. Dort hat man in Umfragen festgestellt, dass Männer in Nachrichtensendungen glaubwürdiger sind als Frauen. In der deutschen Presse hieß es dann: "Der Clint Eastwood des ZDF".

Caren Miosga wäre demnach nicht die optimale Besetzung der "Tagesthemen"!

Ohne ein Tandem geht es heute nicht mehr. Selbstverständlich konnte nur eine Frau Nachfolgerin von Anne Will werden, obwohl es eigentlich eine Frage von Kompetenz und Glaubwürdigkeit ist, ich bleibe dabei.

Ist Marietta Slomka glaubwürdig?

Den eigenen Sender kommentiere ich nicht und Nachfolger schon gar nicht.

Dieter Kronzucker und Ruprecht Eser, Ihre Vorgänger beim "Heute-Journal", haben es nicht lange ohne das Fernsehen ausgehalten. Wollen Sie auch zurück auf den Bildschirm?

Mein derzeitiger Job als Medienberater schließt eigentlich eine Arbeit vor der Kamera aus. Auch das ist eine Frage der Glaubwürdigkeit.

Im Sommer 2005 haben Sie Angela Merkel auf das Fernsehduell mit Gerhard Schröder vorbereitet. Was gab es denn zu verbessern?

Vergleichen Sie die Zeit davor mit ihrem Auftritt beim Duell, dann werden Sie sehen, was besser geworden ist. Es ging um Kommunikation, um das Vermitteln von Botschaften und darum, wie man sie formuliert. An diesen Dingen haben wir gefeilt: Viele Anwälte und auch Naturwissenschaftler haben eine sehr erklärende Art. Aber es sind die kurzen, knappen Botschaften, die hängen bleiben. Da muss man ihnen diesen Erklärstil abgewöhnen.

Und Sie sind zufrieden?

Wer zu mir kommt, muss sehr kritikfähig sein. Das ist ein hartes, sehr offenes Training. Angela Merkel ist hart im Nehmen und ist eine super Umsetzerin.

Auch politisch?

Ich habe mir zwar eine andere Koalition gewünscht, aber Angela Merkel hat sich sehr schnell in ihre Rolle eingefunden. Sie kann das.

Übernommen aus ... Stern Stern
Ausgabe 29/2007

Zur Person Alexander Niemetz, 1943 im Schweizer Kanton Solothurn geboren, studierte in Berlin Politik. Nach dem Studium schrieb er als Korrespondent für Schweizer Zeitungen, später wurde er Sprecher von Bundesminister Christian Schwarz-Schilling. 79 ging er zum ZDF, 91 zum "Heute-Journal". Im April 2000 wurde er suspendiert: Niemetz soll für 1000 Mark einen Beitrag in einer Sendung platziert haben. Die Vorwürfe erwiesen sich als haltlos. Niemetz ist verheiratet und hat zwei Kinder. Er lebt in Zürich.

Interview: Matthias Thiele
 
 
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