Unter Gerhard Schröder arbeitete die Grünen-Politikerin zwei Jahre lang als Ministerin für Gesundheit und große Emotionen. 2001 beendete sie nach dem BSE-Chaos ihre Karriere.

Andrea Fischer, 48, im Manstein, ihrem Lieblingscafé in Berlin. Das Bundestagsgeschäft berührt sie heute nur noch bei der Zeitungslektüre© Thorsten Futh
Wunderbar, vielen Dank. Ich bin gerade mit meinem Leben total zufrieden - alles bestens.
Tut es ja auch nicht. Als Politiker ist man gut beraten, sich privat sehr bedeckt zu halten. Wir sind schließlich nicht als Showstars gewählt. Bei mir im Speziellen gab es außerdem immer die Erwartung, dass ich als Frohnatur nur so sprudeln und alles preisgeben müsste.
Dazu sage ich jetzt mal nichts. Ich bin schließlich viel älter und weiser geworden.
Die wartet darauf, dass ich wirklich alt werde. Seien Sie nicht so uncharmant!
Kein Kommentar! Das ist wie im Fußball: Ich bin vom Platz gestellt worden und gebe jetzt nicht ständig meinen Senf vom Spielfeldrand ab. Das unterscheidet mich von Franz Beckenbauer oder Norbert Blüm.
Überhaupt nicht. Ich hatte meine 15 Minuten Ruhm. Und ich glaube auch nicht, dass ich wirklich fehle.
Eben. Und das war doch eine deutliche Botschaft. Es ist das selbstverständliche Recht einer Partei, sich gegen einen Politiker zu entscheiden. Ich habe die Botschaft verstanden und bin gegangen. Ich habe keine Hühnchen mehr zu rupfen - ich habe aber auch nicht Männchen gemacht, um vielleicht doch noch gemocht zu werden.
Ich bin Partnerin einer großen Kommunikationsagentur und leite dort den Bereich Health Care. Wir haben insgesamt rund 500 Mitarbeiter, sind Marktführer in Europa, viele Dax-Unternehmen sind bei uns unter Vertrag. Glauben Sie mir: Die Pharmaindustrie allein ist es nicht…
Das Problem in meinem Fall ist die öffentliche Wahrnehmung, was man als Grüne tun darf und was nicht. Ökobrot backen ist okay, in der Wirtschaft tätig zu sein nicht.
Ich entwickele da überhaupt keinen missionarischen Eifer. Aber irgendwann habe ich den Wunsch verspürt, wieder zur Gemeinschaft der Christen dazuzugehören.
…ein exemplarisches Beispiel für die wundersamen Wege des Herrn. Und auch wenn ich natürlich nicht an jeder Stelle mit der aktuellen Praxis der Kirche einverstanden bin, so empfinde ich es doch als gut, dass die katholische Kirche nicht Moden hinterherläuft und sich mit Veränderungen Zeit lässt.
Ja. Weil mir aufgefallen ist, wie viel Meinung zum Thema Glauben existiert - und wie wenig Wissen. Und wie viele Klischees.
Und wie! Im Moment gehört "Grey's Anatomy" zu meinen absoluten Favoriten. Auch wenn mein Interesse da selbstverständlich vorrangig gesundheitspolitischer Natur ist.
Übernommen aus ...
Ausgabe 27/2008
Zur Person Andrea Fischer wurde 1960 in Arnsberg, Sauerland, geboren. In Berlin lernte sie Offsetdruckerin, später studierte sie Volkswirtschaftslehre. Seit 1985 Mitglied der Grünen, wurde sie 1994 in den Bundestag gewählt und übernahm 1998 unter Gerhard Schröder das Gesundheitsministerium. Ein Jahr später scheiterte ihr Entwurf zur Gesundheitsreform im Bundesrat. Am 9. Januar 2001 erklärte sie wegen der BSE-Krise ihren Rücktritt und wurde von den Grünen nicht mehr auf die Liste zur Bundestagswahl gesetzt. Andrea Fischer ist geschieden und lebt in Berlin.