Der studierte Orchestermusiker, Hochschullehrer und Manager - unter anderem von Rock-Festivals oder Rock-Messen - gründete 1993 den deutschen Musiksender Viva.

Prof. Dieter Gorny, 54, auf der spektakulären Rolltreppe der Zeche Zollverein in Essen, einem stillgelegten Steinkohlebergwerk, heute Zentrum für Kunst, Kultur und Design - und Unesco-Weltkulturerbe© Andreas Teichmann
Ich habe den großen Luxus, dass, immer wenn ich in mein Hotelzimmer in Berlin komme, dort automatisch Viva läuft. Ich muss da also noch nicht mal reinzappen, ich bin da immer zwangsweise und gehe heraus irgendwann.
Es fängt an zu rauschen, weil es auch Relevanz verloren hat - Musik wird kaum noch gespielt. Was sich zu meinem Erstaunen positiv in den Quoten niederschlägt.
Das war eine emotionale Sache, die allerdings zu dem gehört, was man Börsenleben nennt.

Dieter Gorny 1996 bei "seinem" Musiksender Viva© Jürgens/Pandis
Das stimmt nicht so ganz, aber das sind Dinge, die man in so einem Job ertragen muss. Unterm Strich sind einige Kollegen bei MTV gelandet, auch in leitenden Positionen, von den anderen sind die meisten ebenfalls in den Medien untergekommen.
Ich habe mich um die strategische Entwicklung gekümmert: Wie macht man aus der digitalen Revolution ein Zukunftsgeschäft? Ich habe immer gesagt: Eigentlich hätte MTV den iPod erfinden müssen ...
In solchen Konzernen erhält man keine Posten, um ruhiggestellt zu werden. Normalerweise bekommt man eine Abfindung und geht.
Ja, ich wollte den Schritt raus aus der Industrie, rein in den politisch-kulturellen Bereich. Nun bin ich Vorstandsvorsitzender im Bundesverband Musikindustrie, Aufsichtsratsvorsitzender der Filmstiftung NRW und künstlerischer Leiter beim Projekt Kulturhauptstadt 2010 in Essen.
Mein Karrierependel schwingt augenblicklich halt stark auf diese Seite. Ich will mitwirken, dass das Ruhrgebiet bis 2010 kulturelle und künstlerische Erlebnisse bieten kann, die mit New York vergleichbar sind. Dazu muss man die Kreativen hierher locken. Auch muss man die Wirtschaft mobilisieren: Immer wenn aus Kultur Kunst wird, ist auch der Markt mit im Spiel.
Ministerpräsident Jürgen Rüttgers hat sofort begriffen, was in dem Projekt Kulturhauptstadt steckt. Das ist ein schönes Arbeiten mit ihm.
Ich sag’s mal so: Ich bin im Mediengeschäft stets mit Politik konfrontiert gewesen. Es ging immer darum, Mehrheiten zu organisieren, Ideen zu kommunizieren. Die Vorstellung, ausschließlich Politik zu machen, könnte bei mir Neugierde entfachen.
Da habe ich nie einen Hehl draus gemacht. Ich wohne über 40 Jahre hier. Ich bin da wirklich patriotisch.
Hier, bei mir zu Hause in Essen, drei weitere stehen in Berlin. Vielleicht lege ich mir noch einen Fünftbass zu, der kommt dann ins Kulturhauptstadtbüro.
Interview: Oliver Creutz
Übernommen aus ...
Stern
Ausgabe 09/2008
Zur Person Prof. Dieter Gorny, im August 1953 im westfälischen Soest geboren, studierte nach dem Abitur Musik - Kontrabass, Klavier und Komposition -, wurde Musiklehrer und Orchestermusiker. 1989 rief er die Popkomm ins Leben, Deutschlands größte Musikmesse. 1993 gründete er den Musiksender Viva, der nach gut zehn zunächst hocherfolgreichen Jahren vom US-Konzern Viacom geschluckt wurde, zu dem auch Konkurrent MTV gehört. Gorny ist verheiratet und hat vier Kinder. Die Familie lebt in Essen.