Der Sohn polnischer Juden war einer der schillerndsten Bürgermeister von New York. Im letzten Präsidentschaftswahlkampf engagierte sich der Demokrat für den Republikaner Bush.

Ed Koch, 82, heute in seinem New Yorker Büro...© Bert Spangemacher
Sehr gut. Ich stehe jeden Morgen um fünf Uhr auf, gehe dreimal die Woche zum Sport und bin seit 17 Jahren Partner in der Anwaltskanzlei Bryan Cave.
Ja. Ich berate Klienten und meine Partner, habe mehrere Radio- und TV-Shows, und mein 16. Buch, "Buzz", ist vor Kurzem erschienen. Dazu halte ich Reden und verschicke regelmäßig politische Kommentare an rund 1.500 Abonnenten. Gott segne die EMail: Das Porto könnte ich mir nie leisten.

...und 1983 mit Jacques Chirac, damals Bürgermeister von Paris (rechts ein Dolmetscher)© Diego Goldberg/ Sygma/ Corbis
Das tue ich immer noch, aber in Maßen. Die "Bürgermeister-Portionen" von früher schaffe ich nicht mehr.
... da waren 200 Leute gekommen, ehemalige Mitarbeiter aus meiner Zeit als Bürgermeister, es war sehr rührend.
Nun, es war genügend da, Wein und Bier.
Ich treffe mich mit Freunden zum Essen oder gehe ins Kino. Ich schreibe nämlich auch Filmkritiken.
"Moulin Rouge" von Baz Luhrmann, mit Nicole Kidman. Der einzige Film, den ich mehrmals sehen kann. Und welcher Film ist schlecht? Zu viele! „Alpha Dog“ mit Justin Timberlake zum Beispiel. Der war widerwärtig!
Früher kam Paul Newman dafür infrage, aber der ist zu alt. Leonardo DiCaprio!
Nein, ich habe ihn noch nie getroffen.
Sir Laurence Olivier. Ich fragte ihn: "Wie soll ich Sie ansprechen?" Er meinte: "Nennen Sie mich Larry!" Anschließend musste er seine Beine hochlegen, aber es gab nur teure, antike Möbel. Ich habe ihm gesagt: "Jeder Tisch hier würde durch Ihre Beine geadelt." Auch Anwar Sadat ist mir in guter Erinnerung. Ein außergewöhnlicher Staatsmann in sehr schwierigen Zeiten.
Leonard Bernstein: ein wunderbarer Musiker, aber als Mensch ein Flegel. Er kam angeheitert mit einem Haufen Freunden. Ich habe ihn nie mehr eingeladen.
Was Innenpolitik angeht, bin ich in allen Punkten anderer Meinung als Bush. Seine Ansichten zu Abtreibung, gleichgeschlechtlicher Ehe und Stammzellenforschung halte ich für lächerlich! Aber beim wichtigsten Thema überhaupt, internationaler Terrorismus, war Bush besser als John Kerry. Wir befinden uns in einem Krieg der Zivilisationen. Ich unterstütze Bush darin, dass er Terroristen bei denen zu Hause bekämpfen will und nicht erst, wenn sie bei uns sind. Viele verstehen das nicht und wollen weiter das Dolce Vita leben.
Na ja, nach dem Wahlsieg von Nicolas Sarkozy hat sich da zum Glück eine Menge geändert. Also kann ich auch wieder französische Weine trinken.
Interview: Severin Mevissen
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Stern
Ausgabe 43/2007