Der Berliner löste vor 20 Jahren den größten Bilderskandal der Nachkriegsgeschichte aus. Der "König der Kunstfälscher" hatte rund 3000 Picassos, Liebermanns oder Noldes kopiert.

Edgar Mrugalla, 70, in seiner Scheune im schleswig-holsteinischen Fiel, in der er seine Fälschungen malte und heute seine Werke ausstellt© Suse Walczak
Achtung, das Bild ist nicht von Emil Nolde, sondern "frei nach" Emil Nolde. Von den 3000 Fälschungen, die ich damals angefertigt habe, besitze ich keine einzige mehr. Die Hälfte ist von der Kripo Düsseldorf beschlagnahmt worden.
Schwirrt in der Weltgeschichte herum.
Klar. In jedem Museum dieser Welt ist mindestens jedes zweite Bild eine Fälschung. Vor zehn Jahren habe ich ein Werk von mir in der Hamburger Kunsthalle entdeckt. Die Besitzerin hatte 600.000 Mark für den „echten“ Liebermann bezahlt. Ich konnte natürlich gleich sagen, dass das Bild von mir war. Wie eine Mutter ihr Kind erkennt, erkenne ich sofort meine Bilder. Die Aufregung war dann groß. Ich muss gestehen: Das hat mir ein wenig gefallen.
Nein. Aber ich finde, dass ich mit meinen Bildern etwas erreicht habe. Die Nationalsozialisten haben den Juden alle Kunst genommen. Nach dem Krieg verdienten dann arische Kunsthändler ein Vermögen damit. Mit meinen Fälschungen wollte ich sie ein wenig bestrafen, sie sollten mir richtig auf den Leim gehen.
Leider nicht. Ich habe für einen Picasso etwa 300 Mark bekommen, der Galerist 20.000 bis 30.000 Mark. Aber entscheidend war die Genugtuung, dass scheinbar profilierte Kunsthändler und Gutachter angeschmiert wurden.
Tja, so bin ich letztendlich aufgeflogen. Natürlich war es furchtbar, als plötzlich die Kripo vor meiner Tür stand, aber ein wenig stolz war ich auch. Endlich konnte ich allen aus der Kunstbranche zeigen, dass sie keine Ahnung hatten.
Gar nichts. Ich habe schon ewig kein Bild mehr von mir verkauft. Die Branche will mit mir nichts mehr zu tun haben. Als vergangenes Jahr das Wirtschaftsministerium in Kiel meine Bilder ausgestellt hatte, gab es Proteste von allen Seiten. Ich gelte als wertloser Künstler.
Ich bekomme 292 Euro Rente von der Künstlersozialkasse. Nicht viel, aber ich tröste mich: Viele der großen Künstler haben zu ihrer Zeit auch in Armut gelebt.
Ach, das sollte schon zweimal versteigert werden, und jedes Mal fand sich kein Käufer. Mal sehen, ob diesmal jemand Interesse hat. Aber ich will sowieso von hier wegziehen. Mit den Bauern kann man über Pferde sprechen, nicht über Kunst. Bilder sind für sie völlig wertlos. Ich werde nach Düsseldorf ziehen, zu meiner Tochter. Die Stadt hat eine große Kunstszene. Schon zu meiner Zeit als Fälscher hatte ich dort viele Galeristen, die sich um meine Werke gerissen haben. Vielleicht schaffe ich ja einen Neuanfang. Als Edgar Mrugalla.
Ja, das Alte Testament von Marc Chagall. Frei nach, versteht sich.
Übernommen aus ...
Stern
Ausgabe 51/2008
Zur Person Edgar Mrugalla, 1938 in Berlin geboren, arbeitete - nach eigenen Angaben - in 35 Berufen, darunter als Schiffsheizer, Schlosser, Preisboxer, Fernfahrer. Bei einer Entrümpelung fand er ein Gemälde und verkaufte es für 150 Mark. Es entpuppte sich als echter Caspar David Friedrich - und wurde nach Angaben Mrugallas für über eine Million Mark versteigert. Kurz danach begann Mrugalla sich das Fälschen beizubringen. Mehr als 15 Jahre lang kopierte er dann Werke von über 50 Künstlern. 1988 flog er auf und wurde unter anderem wegen Beihilfe zum Betrug und Urkundenfälschung zu zwei Jahren auf Bewährung verurteilt. Nach dem Tod seiner Frau lebt Mrugalla allein in der 100-Seelen-Gemeinde Fiel, Kreis Dithmarschen; er hat drei Kinder.