Der Brasilianer, in den Siebzigern spöttisch "der Mann mit den schnellsten Koteletten" genannt, gewann zweimal die Formel-1-Weltmeisterschaft

© Paulo Fridman
In Brasilien sind wir total scharf auf alternative Antriebe, wollen schnell weg vom Erdöl. Sie haben doch bestimmt schon von Ethanol gehört. Ich glaube, das könnte die Zukunft sein, zusammen mit der Hybridtechnologie. Es gibt vor allem im Bundesstaat São Paulo riesige Zuckerrohrplantagen - bald wird dieser Treibstoff überall gefragt sein.
Schon, sie ist aber auch immer dran an der aktuellen Autotechnologie. Vielleicht fahren irgendwann selbst Formel-1-Autos mit alternativen Kraftstoffen. Im Moment scheint das unvorstellbar, aber das haben wir schon von vielen Dingen gedacht. Denken Sie nur daran, wie viel sicherer die Boliden geworden sind. Im Formel-Wagen ist alles technisch möglich, was wir für das Straßenauto entwickeln.
Ich als Brasilianer würde natürlich Felipe Massa gern ganz oben auf dem Treppchen sehen. Aber für ihn wird es schwer. Sicher ist: Diese Saison ist die umkämpfteste der vergangenen Jahre.
Rivalität zwischen Teamkollegen gehört zur Formel 1 wie Benzingeruch und Motorheulen. Wichtig ist doch nur, dass trotzdem ein Grad an Kameradschaft bleibt. Der Teamgeist darf nicht vom Egoismus aufgefressen werden. Zu meiner Zeit wurde genauso gekämpft.
Auf jeden Fall ist er unter den Besten, zusammen mit Fangio, Clark und Senna – um nur einige zu nennen. Es ist immer schwer, Fahrer aus unterschiedlichen Epochen zu vergleichen. Aber die Deutschen können stolz auf Schumacher sein.
Ja, wir waren sehr ehrgeizig – aber auch zu ungeduldig. Wir wussten nicht, wie lange es dauern würde, bis wir konkurrenzfähig sind. Und als es endlich so weit war, ging das Geld aus.
Er war eines der vielen Talente, die ihre Karriere bei uns begannen. Ich glaube, bei uns hat er manches gelernt. Weltmeister wurde er leider mit anderen Teams.
Jeder Titel war einzigartig: die Formel-1- Weltmeisterschaften, Indy-Car, zweimal Indy 500. Man kann nicht mal sagen, dass es schwieriger war, die Formel 1 zu gewinnen. Ich hatte immer starke Konkurrenten.
Ich hatte verdammt viel Glück! In meiner Zeit war Sicherheit in der Formel 1 einfach noch nicht so wichtig. Wir hätten alle draufgehen können damals – oder uns schwer verletzen. Ich danke Gott jeden Tag für mein Glück.
Ich bin ein erfolgreicher Mann, ja. Ich investiere nicht nur in Ethanol-Raffinerien, sondern auch in Immobilien und Orangenplantagen. Und ich produziere Zigarren.
Und wo holen Sie sich heute den Kick? Am meisten fordert mich meine Familie. Ich bin zum dritten Mal verheiratet, habe sechs Kinder. Kinder und Kurven – beides können Schikanen sein.
Interview: Christoph Wöhrle
Übernommen aus ...
Stern
Ausgabe 34/2007
Zur Person Emerson Fittipaldi, am 12. 12. 1946 in São Paulo geboren, fuhr mit fünf sein erstes Rennen – auf dem Fahrrad. Später folgten Motorrad, Gokart und Rennboot. 1970 nahm ihn Colin Chapman neben Jochen Rindt und John Miles ins Lotus-Team auf, für das er 1972 die Formel-1-Weltmeisterschaft gewann, zwei Jahre später holte er den Titel dann für McLaren. Er überlebte einen schweren Autounfall 1996 und einen Flugzeugabsturz im Jahr darauf. Fittipaldi hat sechs Kinder. Mit seiner dritten Frau Rosanna lebt er in São Paulo und Miami.