Vor fünf Monaten hat der geniale russische Schachspieler - Weltmeister zwischen 1985 und 2000 - seinen Rücktritt vom Wettkampfsport erklärt.

Garri Kasparow, 42, heute.© Joris van Velzen
Ja, sie lief mit Tränen in den Augen am Publikum vorbei. Es war ein schmerzhafter Moment für sie. Sie hat sich 30 Jahre um meine Karriere gekümmert.
Sie unterstützt mich darin, dass ich etwas verändern will. Auch wenn meine Chancen in der Politik geringer sind, als ich es gewohnt bin. Politik heißt Kompromisse machen. Ich weiß noch nicht, ob ich der Beste dafür bin.
Wenn man in Paris wohnt, kann man leicht reden. Ich lebe in Moskau, ich reise herum. Russland ist vielleicht noch keine Diktatur. Aber es bewegt sich irgendwo zwischen Diktatur und Polizeistaat. Sie wollten mit anderen Oppositionellen eine Partei gründen. Das ist gescheitert. Die so genannte Opposition in Russland sieht den Kreml immer noch als potenziellen Verhandlungspartner. Ich glaube aber, dass es schadet, irgendetwas mit dem Kreml zu diskutieren. Das Ziel muss sein, dieses Regime zu demontieren.
Nein, wir wollen Protestpotenzial bündeln. Im gegenwärtigen Russland bei Wahlen anzutreten wäre sinnlos. Die Ergebnisse werden im Kreml vorherbestimmt. Wenn Sie einen guten Freund von Putin kennen - vielleicht Ihren Kanzler -, kann der sich ja schon mal erkundigen, wie die nächsten Wahlen ausgehen.
Ich hoffe sehr, dass die Deutschen nicht länger einem Mann vertrauen, der Putin einen Demokraten nennt.
Die musste ich leider engagieren. Mit Bodyguards bin ich wenigstens vor kleineren Angriffen geschützt.
Das war eine inszenierte Provokation. Die Szene wurde gleich aus zwei Winkeln fotografiert. Sicher nicht zufällig.
Es gibt Gruppen, die uns unterstützen, unglücklicherweise kann ich aber Namen nicht nennen. Niemand in Russland wäre momentan bereit, öffentlich darüber zu reden.
Die Hochzeit war schon. Wir haben das nur nicht öffentlich gemacht, weil es ein paar Probleme wegen meiner Scheidung gab. Es stört mich überhaupt nicht, Fragen nach meinem Privatleben zu beantworten.
Tolle Geschichte. Habe ich oft gelesen. Sie stimmt nur nicht. Es war so, dass einer meiner Freunde ein Autogramm von Katarina Witt haben wollte, und mein Manager hat es ihm besorgt. Ich verheimliche keine meiner Affären, und Katarina Witt ist eine attraktive Frau. Aber ich hatte nie das Vergnügen, sie kennen zu lernen.
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Ausgabe 35/2005
Zur Person Kasparow kam 1963 als Sohn eines deutsch-jüdischen Vaters und einer armenischen Mutter in Baku zur Welt. Beide Eltern waren Ingenieure und Schachspieler. Schon mit zwölf Jahren gewann er die UdSSR-Juniorenmeisterschaft, Großmeister wurde er mit 16. Legendär sein spektakulärer erster Wettkampf mit Anatolij Karpow, der nach 22 Wochen abgebrochen wurde. Die zweite Auflage gewann Kasparow; so wurde er am 9. November 1985 mit 22 Jahren jüngster Schachweltmeister der Geschichte. Kasparow lebt in Moskau.