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Heidi Fleiss - von der Puffmutter zur Vogelmutti

Sie gründete den erfolgreichsten Callgirl-Ring Hollywoods: Heidi Fleiss versorgte in den 90er Jahren Filmstars und Superreiche mit Prostituierten. Heute lebt sie zurückgezogen auf einer Ranch - mit 20 Papageien.

Heidi Fleiss

Vor Heidi Klum die bekannteste Heidi Hollywoods: Heidi Fleiss

Heidi Fleiss, 1965 in Los Angeles geboren, jobbte als Kellnerin und Floristin, ehe sie mit Anfang 20 bei einem Callgirl-Ring anheuerte. Schnell wurde sie zum gefragtesten Mädchen und hatte fünf Jahre später ihren eigenen Service aufgebaut. Fleiss versorgte Superstars und Milliardäre mit Prostituierten. 1996 wurde sie wegen Steuerhinterziehung zu drei Jahren Gefängnis verurteilt (kl. Foto, 1994 vor Gericht). Nach 21 Monaten wurde sie vorzeitig entlassen. 2004 verkaufte sie ihre Geschichte an die Paramount Studios, die ihr Leben verfilmten. Heute lebt die 51-Jährige auf einer Ranch in Pahrump, Nevada - mit 20 Papageien.

Mit zwölf haben Sie in Ihrer Nachbarschaft einen Babysitter-Service aufgebaut. Später gründeten Sie den erfolgreichsten Callgirl-Ring . Bei Ihrem Geschäftssinn: Was machen Sie heute?

Ich habe mein altes Leben komplett aufgegeben und setze mich für Aras ein. Aufgrund ihrer Schönheit legen sich viele Leute diese Papageienart zu, sperren die aber in einen Käfig, obwohl sie extrem alt werden. Manche Aras leben 60 oder mehr Jahre isoliert hinter Gittern. Schrecklich.

Von der Puffmutter zur Papageienmutter - wie kam es dazu?

Als mir das Schicksal der Aras bewusst wurde, musste ich ihnen einfach helfen! Vielleicht sollte ich einen Züchter erschießen, dann gäbe es ein Gerichtsverfahren, das würde die Aufmerksamkeit auf die Aras lenken. Aber ich habe keine Lust, im Gefängnis zu landen. Also versuche ich, die Leute für die unwürdigen Haltebedingungen zu sensibilisieren.

Verrückte Geschichte. Immerhin waren Sie als Callgirl-Chefin so erfolgreich, dass Sie den Spitznamen "Hollywood Madam" bekamen und Ihr Leben verfilmt wurde.

Glamour und Geld interessieren mich nicht mehr. Ich habe inzwischen 20 Aras, die dürfen auf meiner Ranch frei herumfliegen und nachts in mein Bett kommen. Es ist viel Arbeit, denn sie schmeißen alles auf den Boden. Einmal kam ich heim und mein Liebling Ruby hatte eine Lithografie von Roy Lichtenstein im Wert von 100.000 Dollar zerhackt. Ich liebe Ruby trotzdem!

Heidi Fleiss

Heidi Fleiss mit ihren Aras

Charlie Sheen gab zu, rund 50.000 Dollar für Ihre Begleitdienste bezahlt zu haben. Auch Jack Nicholson oder Sylvester Stallone sollen zu Ihren Kunden gehört haben. Gibt es Ihr legendäres schwarzes Büchlein mit all den Namen noch?

Ja. Als ich noch jünger war, wurden mir einige Seiten gestohlen. 2015 hat jemand versucht, sie auf zu versteigern. Zum Glück habe ich es mitbekommen und Ebay gemeldet. Die Auktion sollte neun Tage laufen, wurde daraufhin aber nach einem Tag abgebrochen. Da lagen die Gebote schon bei 130.000 Dollar.

Wie viel hat man Ihnen früher geboten, damit Sie auspacken?

Mehr als eine Million Dollar. Das bedeutet mir aber nichts. Ich könnte die Leute nicht verraten. Außer, wenn es den Aras helfen würde. Für sie würde ich alle Namen verschleudern.

Früher sollen Kunden schon mal für drei Mädchen ein Trinkgeld von einer Million Dollar gegeben haben. Was mussten sie dafür tun?

Das fragen die Leute immer, aber ganz ehrlich: Die Männer wollten nur eine gute Zeit voll heißer Leidenschaft. Einige meiner Klienten waren so reich, dass eine Million Dollar Trinkgeld für sie so viel war wie für andere zehn Cent. Ich habe meinen Mädels immer eingebläut: Mach, dass er wieder anruft. Dass er an dich denkt. Dass er sich in dich verliebt. Wenn du erst mal in seinem Kopf bist, wird er dir alles kaufen!

Was sprang für Sie außer dem Vermittlungshonorar heraus?

Einer schickte mir mal eine Palette Silberbarren. Viele davon habe ich zu Weihnachten verschenkt. Den Rest habe ich später als Türstopper verwendet. Einmal kam jemand zu Besuch und meinte: "Heidi, weißt du eigentlich, dass jedes der Dinger 2000 oder 3000 Dollar wert ist?"

Gab es auch Schattenseiten?

Nein. Nicht in meinem Business. Wenn man zum Arbeiten in ein Luxushotel an die Riviera fliegt, gibt es keine Schattenseiten.

Interview: Sabine Hoffmann

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