Die Schwedin spielte zwischen 1968 und 1970 in der Verfilmung der Romane von Astrid Lindgren die Rolle der Pippi Langstrumpf. Weltweit wurde sie damit zum Kinderstar.

Inger Nilsson, 49, bei Dreharbeiten am Set in Schweden© Wolfgang Langenstrassen/DPA
Ich bin mit einer Theatertruppe auf Tournee durch Schweden. Wir spielen eine Komödie, na, es ist eher ein Schwank. Es geht um zwei Schwestern, die sich um das Erbe ihres Vaters streiten, ziemlich derb.
Wohl eher wegen des Stücks. Aber ich hatte lange Probleme, Rollen zu bekommen, egal ob beim Theater oder beim Fernsehen. Um über die Runden zu kommen, habe ich immer mal als Sekretärin in Krankenhäusern gearbeitet. Aber ich hatte eine Klausel in meinem Vertrag, dass ich Urlaub nehmen konnte, wenn ich Rollenangebote bekam.

Und 1968 als Pippi Langstrumpf mit Äffchen "Herr Nilsson" auf der Schulter© Cinetext
Alle hatten immer nur Pippi im Kopf, wenn sie meinen Namen hörten. Niemand wollte mir ernsthafte Rollen geben, schon gar nicht sollte ich böse oder auch nur unfreundliche Frauen spielen. Man fürchtete, das würden die Zuschauer nicht akzeptieren. Am schlimmsten war es während einer Theatertournee, als ich eine Mörderin spielte. Die Kritiken waren sehr gut, aber die Zuschauer wollten das nicht sehen und pfiffen! Erfüllen konnte man die Erwartungen ohnehin nicht, am Ende sagte jeder: "Als Pippi fand ich sie aber besser."
Oh ja. Und es wird viel getuschelt: "Ist die aber groß geworden, und dicker ist sie auch." Manchmal ist es schwer, freundlich zu bleiben, wenn alle ewig über die alten Zeiten reden möchten. Ich will aber eine normale Person sein, nicht wie irgendein Ex-Fußballspieler, der noch Jahrzehnte später ständig auf den einen verschossenen Elfmeter angesprochen wird.
Nein, ganz und gar nicht! Nicht im sozialdemokratischen Schweden, wo man Kinderarbeit nicht so gern sah. Das hat zu der absurden Situation geführt, dass Schauspieler, die damals erwachsen waren, heute noch bei jeder Ausstrahlung Tantiemen erhalten, die damaligen Kinder aber nicht.
Zunächst sollte ich nur die Mutter eines Mordopfers spielen. Aber dann beschloss man, mir die Rolle der Gerichtsmedizinerin zu geben, eine toughe Frau. Das finde ich sehr spannend, weil ich noch nie so eine Frau gespielt habe. Und ich genieße das sehr, wieder Teil eines Filmteams zu sein, nicht nur der Gast, der für ein paar Stunden und nur eine Szene vorbeischaut.
Wir haben uns vor einigen Jahren zum ersten Mal seit 25 Jahren gesehen. Das war schön und auch seltsam, weil Maria Persson, die die Annika spielte, immer noch so anders ist als ich. Sie war damals schon, ganz im Gegensatz zu unseren Rollen, viel mutiger und frecher als ich.
Ja, heute geht das manchmal wieder, sogar auf DVD. Vor 20 Jahren war ich viel genervter, dass alle immer nur die gealterte Pippi in mir sahen. Jetzt kann ich die Filme sehen und auch lachen.
Meistens Glück.
Übernommen aus ...
Ausgabe 17/2009