Die Königin von Kastilien empfängt nur selten Besuch in der Festung von Tordesillas, wo sie seit 46 Jahren zurückgezogen lebt
JOHANNA: Erstaunlich, dass es Euch überhaupt gelungen ist. Man hält mich gefangen. Claro - die Welt soll nicht erfahren, dass ich bei wachem Verstand bin. Offiziell hat man mich ja für irre erklärt. 'Juana la Loca' nennt man mich draußen.
JOHANNA: Genau. Nichts als Verschwörung: Meine eigene Familie hat mich aus dem Weg geschafft, um sich mein Königreich unter den Nagel zu reißen.
JOHANNA: Zu spät ging mir auf, dass alle es immer nur auf mein mütterliches Erbe Kastilien abgesehen hatten - mein Ehemann Philipp der Schöne von Burgund, mein Vater Ferdinand von Aragonien, schließlich sogar mein Sohn, Kaiser Karl V.
JOHANNA: Reisende Leichen sind doch nichts Ungewöhnliches! Schon meine Mutter Isabella hatte auf dem Totenbett verfügt, durch ganz Kastilien getragen zu werden. Und Philipp wollte nun mal partout in Granada begraben werden. Etwas chaotisch wurde der Leichenzug nur, weil wir vor der Pest fliehen mußten.
JOHANNA: Üble Nachrede! Glaubt Ihr wirklich, es hat mir Lust bereitet, Philipp verwesen zu sehen? Und dann der Gestank! Allerdings war es meine Pflicht, immer wieder nachzuschauen, ob uns die königliche Leiche abhanden gekommen ist. Nicht auszudenken, wenn man sie gestohlen oder vertauscht hätte.