In den 90er Jahren war der Franke Deutschlands bekanntester Motivationsguru. 2003 wurde er wegen Untreue zu drei Jahren Haft verurteilt.

Jürgen Höller, 41, im Büro von "Life Learning"; die Firma gehört seiner Frau Kerstin. Höller ist nach vorzeitiger Haftentlassung als Trainer angestellt.© Werner Otto/imago
Das Interview mit Gerd Roggensack führte Christoph Wirtz
Das Zitat ist immer aus dem Zusammenhang gerissen worden, aber damit muss ich leben. Ich habe die Geister selbst gerufen, mich ziemlich weit aus dem Fenster gelehnt. Also muss ich die Häme ertragen - kübelweise! Auch wenn ich manche Sätze heute nicht mehr so sagen würde.
Nicht mehr: "Ich bin der Beste", sondern "Ich gebe mein Bestes."
Es gibt vermutlich nicht viel außer schwerer Krankheit und Tod, was mehr in ein Leben eingreift, als das, was meine Familie und ich durchgemacht haben. Wenn Sie 23 Stunden am Tag in eine Zelle gesperrt werden, mit der Zahnbürste den Dreck des Vorgängers aus der Toilette schrubben - da lernen Sie Demut.
Das habe ich sicher auch empfunden. Aber dafür muss ich mich nicht schämen. Ich bin verantwortlich für das, was ich getan habe, und gestehe das auch ohne Wenn und Aber ein. Man darf sich bemitleiden, aber man muss wieder aufstehen - das habe ich getan.
Nur Tage nach meiner Entlassung hielt ich mein erstes Seminar in Österreich. Da waren 150 Leute! Bei einem Seminarpreis von oft mehr als tausend Euro kommt keiner, der skeptisch ist - das sind Überzeugte. Anders ist es, wenn ich bei Firmen auftrete, wo die Leute mehr zufällig da sind.
Manche sicher. Ich spreche dann offen über meine Geschichte und meinen Umgang mit ihr. Nach 90 Minuten kommen manchmal Leute, haben Tränen in den Augen: "Wir haben Sie für einen Hochstapler gehalten ..."
Sarkastisch! Aber vielleicht haben Sie Recht. Ich glaube fest daran, dass ich es wieder schaffe. Möglicherweise war der Absturz auch gut für mich. Ich habe damals nur noch für mich gearbeitet, nicht mehr für meine Seminarteilnehmer. Ich hatte einfach die Dollarzeichen in den Augen. Was wäre passiert, wenn der Börsengang geklappt hätte? Was für ein Mensch wäre ich geworden?
Vielleicht. Als Mensch bin ich sicher gewachsen.
Das ist eine falsche Sichtweise. Natürlich wägen die Leute in schlechten Zeiten stärker ab, wofür sie ihr Geld ausgeben. Aber das führt dazu, dass am falschen Ende gespart wird. Wenn die Rezession kommt, muss man investieren. An der Weiterbildung wird zuerst gespart. Erfolgreiche Firmen machen das genau umgekehrt.
Nicht jeder kann der Beste sein, aber jeder kann besser werden. Das habe ich dazugelernt. Und auch das: Wenn Sie Ihr ganzes Leben nach Anerkennung gehungert haben und dann alles verlieren - das macht frei.
Übernommen aus ...
Stern
Ausgabe 07/2005
Zur Person: Jürgen Höller 1963 in Schweinfurt geboren, Lehre als Speditionskauf-mann, ab 1982 eigenes Fitnessstudio. 1989 gründete er eine Unternehmensberatungsfirma, 1991 begann er mit Motivationsseminaren. Zur besten Zeit füllte er die Westfalenhalle mit 14000 Fans, kassierte Tagesgagen von 25000 Mark. Der Plan, seine auf 550 Millionen Mark geschätzte Firma an die Börse zu bringen, platzte 2001. Wegen Konkursvergehens wurde er 2002 verhaftet, später zu drei Jahren Haft verurteilt; im April 2004 auf Bewährung entlassen.