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15. Juni 2001, 10:35 Uhr

Leif Eriksson

Der Wikinger entdeckte um die Jahrtausendwende im Westen des Weltozeans einen neuen Kontinent. Er nannte ihn Vinland und ließ ihn links liegen.

Der Wikinger entdeckte um die Jahrtausendwende im Westen des Weltozeans einen neuen Kontinent. Er nannte ihn Vinland und ließ ihn links liegen. STERN: Herr Eriksson, mal ehrlich - haben Sie nicht mitunter die Nase voll von Sturm, Gischt und Kälte?

ERIKSSON: Davon kann man nie genug haben. Ein schlankes Boot, ein kräftiger Nordost und wagemutige Freunde - nichts auf der Welt ist schöner als ein wilder Wellenritt und eine Wettfahrt mit den Kumpels. Unsere Frauen lassen uns nicht unters Eisbärfell, wenn unsere Bärte nicht nach Salz schmekken. Die Gischt ist das Lebenselixier von uns Nordmännern.

STERN: Apropos Nordost: Als Sie Vinland entdeckten ...

ERIKSSON: Na ja, entdeckt hat es Bjarni Herjolfsson vor gut 18 Wintern. Aber weil er wie ein Weib ist, wagte er nicht, das neugefundene Land zu betreten, und hat beigedreht. Ich habe ihm sein Schiff abgekauft und bin dann mit 35 mutigen Männern nach Westen aufgebrochen. In vier Tagen von Grönland ...

STERN: ... das Ihr Vater als erster in Besitz nahm ...

ERIKSSON: ... an die Ufer von Vinland. In einer Knarre!!

STERN: Bitte, was ist eine Knarre?

ERIKSSON: Ein offenes Boot, ohne Kajüte, ohne Kombüse. Alles ist offen, man kann sich nicht vor den Elementen verstecken.

STERN: Und wie schlafen Sie an Bord unter freiem Himmel?

ERIKSSON: Wenn überhaupt, dann wärmen wir uns gegen-seitig und schlafen zu zweit in großen Säcken aus Leder.

STERN: Was bringt jemanden dazu, ins Unbekannte zu fahren, dorthin, wo noch keiner war? Haben Sie keine Angst, vom Rand der Welt herunterzufallen?

ERIKSSON: Was hält einen davon ab, neue Ufer zu ent-decken? Angst habe ich nur davor, an Land ackern zu müssen oder träge zu werden.

STERN: Wie ist es Ihnen möglich, in unbekannten Gefilden zu segeln, Kurs zu halten und sogar wieder nach Hause zurückzufinden?

ERIKSSON: Nachts leitet uns der Schiffsstern, und für den Tag haben wir die Peilscheibe, die uns den Weg weist. Außerdem - Nordmänner fühlen im Hintern, auf welchem Teil des Weltozeans sie sind.

 
 
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