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24. Mai 2009, 02:44 Uhr

... Manfred Schell?

Fast 20 Jahre führte er die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer. Seinen Lieblingsgegner, Bahnchef Hartmut Mehdorn, bezeichnete er schon mal als "Rumpelstilzchen".

Was macht eigentlich, GDL, Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer

Autonarr Manfred Schell, 66, mit Mercedes SLK vor seinem Haus in Hofheim© Gaby Gerster

Bei Wikipedia heißt es: "Manfred Schell ist ein deutscher Lokomotivführer." Zufrieden?

Bedingt. Ich war mehr Gewerkschafter als Lokomotivführer.

Ihr Ego ist schon größer, oder?

Na, klar doch!

Nun können Sie es ja zugeben: Der Streik 2007 hat Spaß gemacht.

Selbstverständlich hat mir der Kampf gefallen. Und zweifelsohne ist meine Gewerkschaft dadurch bekannt geworden. Ich habe dabei eine maßgebliche Rolle gespielt.

Sie wollten kurz vor der Rente noch mal im Rampenlicht stehen?

Nein, das stimmt nicht. Wir wollten bereits in den Jahren 2002, 2003 einen Arbeitskampf führen, aber damals ging das nicht, weil die meisten Lokomotivführer noch Beamte waren.

Was macht eigentlich, GDL, Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer

Und im Dezember 2007 mit dem damaligen Bahnchef Mehdorn© Wolfgang Kumm/DPA

Monatelang haben Sie sich mit Ihrem Widersacher, Bahnchef Hartmut Mehdorn, gezankt.

Wenn ich mir etwas vorgenommen habe, dann bleibe ich auch dabei. Ich wollte halt einen eigenständigen Tarifvertrag für die Lokführer. Punkt.

Sind Sie zu Hause auch so stur?

Es ist ein himmelschreiender Unterschied, ob Sie die Interessen von 34 000 Mitgliedern vertreten oder ob es um was Privates geht.

Wie denken Sie über den Rücktritt Mehdorns?

Er hatte geradezu alle gegen sich aufgebracht: Presse, Politiker, Fahrgäste und die Menschen im Unternehmen. Die Rasterfahndung war nur das auslösende Moment.

Empfinden Sie Schadenfreude?

Nein, eher Genugtuung.

Sprechen Sie noch mit ihm?

Kein Wort.

Warum treten Sie nach?

Weil Sie mich nach Mehdorn gefragt haben.

Sie könnten nun auch sagen: Schwamm drüber.

Eigentlich wollte ich nach Ende unserer Auseinandersetzung mit Mehdorn ein Bier trinken. Aber dazu wird es nicht mehr kommen. Mehdorn hatte ja gesagt, dass unsere Organisation Deutschland terrorisiere. Ich habe ihn angerufen und gefragt, ob er wisse, mit wem er rede. "Schell", antwortete er. "Nein", erwiderte ich, "hier spricht der Terroristenführer."

Ihr ganzes Leben dreht sich um die Bahn. Ist das nicht langweilig?

Warum sollte es? Ich war bei der Bahn Rohrbläser, Heizer, Schlosser und habe Viehwagen gereinigt. Dann wurde ich Lokomotivführer, Oberlokomotivführer, Hauptlokomotivführer, Lokomotivbetriebsinspektor und danach Gewerkschafter. Jetzt bin ich immer noch Präsident der Europäischen Lokführervereinigung und GDL-Ehrenvorsitzender.

Können Sie gar nicht loslassen?

Meine Frau Marianne, mit der ich seit 32 Jahren verheiratet bin, möchte auch mehr freie Zeit mit mir genießen. Aber noch fahre ich zwei- bis dreimal die Woche ins Büro. Ich werde niemals ein Mensch werden, der nur zu Hause herumhockt und sich um die Gartenarbeit kümmert.

Sie spielen lieber mit Ihrer Modelleisenbahn im Keller?

Ich habe keine. Wenn schon Loks, dann die richtigen. Die großen!

Kein Hobby?

Doch. Zeitung lesen. Ich genieße es, morgens nach dem Frühstück in aller Ruhe, und wenn es drei Stunden sind, die "FAZ" zu lesen. Ich habe sogar ein Buch geschrieben: "Die Lok zieht die Bahn".

Da wären wir wieder bei Ihrem Ego.

Du meine Güte! Ein Verlag kam halt auf mich zu. Aber das Diktieren hat mir Freude gemacht. Auf das Ergebnis bin ich schon ein wenig stolz. Und wenn Sie mich jetzt noch fragen sollten, wie es mir geht, dann sage ich Ihnen, dass mein Status immer noch "arm und brav" ist.

Sie kokettieren ...

Viele glauben mir das nicht. Und ich weiß nicht, warum.

Übernommen aus ... Stern Stern
Ausgabe 21/2009

Zur Person Manfred Schell wurde am 12. Februar 1943 in Aachen geboren. Nach einer Ausbildung zum Maschinenschlosser fing er am 1. April 1960 bei der Deutschen Bundesbahn an; seine Karriere als Lokführer begann 1964: Schell wurde Reservelokomotivführer- Anwärter. 1970 trat er in die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) ein, ein Jahr später in die CDU. Direkt nach der Wende gründete Schell 1990 mit der Ost-GDL die erste freie Gewerkschaft der DDR, 1991 wurde er dann Bundesvorsitzender der wiedervereinigten GDL. Für gut ein Jahr war Schell ab Juli 1993 auch Mitglied des Deutschen Bundestages. Manfred Schell ist verheiratet und hat zwei Kinder. Er lebt in Hofheim im Taunus.

Interview: André Groenewoud
 
 
KOMMENTARE (1 von 1)
 
Alexander0815 (24.05.2009, 10:10 Uhr)
Was hat dieser Spinner ...
... eigentlich an Stern gezahlt, damit man ihm nochmal eine Plattform gibt? Ich hatte gehofft, dass er endgültig weg vom Fenster ist und man irgendwan nur noch seinen Nachruf liest.
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