Fast 20 Jahre führte er die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer. Seinen Lieblingsgegner, Bahnchef Hartmut Mehdorn, bezeichnete er schon mal als "Rumpelstilzchen".

Autonarr Manfred Schell, 66, mit Mercedes SLK vor seinem Haus in Hofheim© Gaby Gerster
Bedingt. Ich war mehr Gewerkschafter als Lokomotivführer.
Na, klar doch!
Selbstverständlich hat mir der Kampf gefallen. Und zweifelsohne ist meine Gewerkschaft dadurch bekannt geworden. Ich habe dabei eine maßgebliche Rolle gespielt.
Nein, das stimmt nicht. Wir wollten bereits in den Jahren 2002, 2003 einen Arbeitskampf führen, aber damals ging das nicht, weil die meisten Lokomotivführer noch Beamte waren.

Und im Dezember 2007 mit dem damaligen Bahnchef Mehdorn© Wolfgang Kumm/DPA
Wenn ich mir etwas vorgenommen habe, dann bleibe ich auch dabei. Ich wollte halt einen eigenständigen Tarifvertrag für die Lokführer. Punkt.
Es ist ein himmelschreiender Unterschied, ob Sie die Interessen von 34 000 Mitgliedern vertreten oder ob es um was Privates geht.
Er hatte geradezu alle gegen sich aufgebracht: Presse, Politiker, Fahrgäste und die Menschen im Unternehmen. Die Rasterfahndung war nur das auslösende Moment.
Nein, eher Genugtuung.
Kein Wort.
Weil Sie mich nach Mehdorn gefragt haben.
Eigentlich wollte ich nach Ende unserer Auseinandersetzung mit Mehdorn ein Bier trinken. Aber dazu wird es nicht mehr kommen. Mehdorn hatte ja gesagt, dass unsere Organisation Deutschland terrorisiere. Ich habe ihn angerufen und gefragt, ob er wisse, mit wem er rede. "Schell", antwortete er. "Nein", erwiderte ich, "hier spricht der Terroristenführer."
Warum sollte es? Ich war bei der Bahn Rohrbläser, Heizer, Schlosser und habe Viehwagen gereinigt. Dann wurde ich Lokomotivführer, Oberlokomotivführer, Hauptlokomotivführer, Lokomotivbetriebsinspektor und danach Gewerkschafter. Jetzt bin ich immer noch Präsident der Europäischen Lokführervereinigung und GDL-Ehrenvorsitzender.
Meine Frau Marianne, mit der ich seit 32 Jahren verheiratet bin, möchte auch mehr freie Zeit mit mir genießen. Aber noch fahre ich zwei- bis dreimal die Woche ins Büro. Ich werde niemals ein Mensch werden, der nur zu Hause herumhockt und sich um die Gartenarbeit kümmert.
Ich habe keine. Wenn schon Loks, dann die richtigen. Die großen!
Doch. Zeitung lesen. Ich genieße es, morgens nach dem Frühstück in aller Ruhe, und wenn es drei Stunden sind, die "FAZ" zu lesen. Ich habe sogar ein Buch geschrieben: "Die Lok zieht die Bahn".
Du meine Güte! Ein Verlag kam halt auf mich zu. Aber das Diktieren hat mir Freude gemacht. Auf das Ergebnis bin ich schon ein wenig stolz. Und wenn Sie mich jetzt noch fragen sollten, wie es mir geht, dann sage ich Ihnen, dass mein Status immer noch "arm und brav" ist.
Viele glauben mir das nicht. Und ich weiß nicht, warum.
Übernommen aus ...
Stern
Ausgabe 21/2009
Zur Person Manfred Schell wurde am 12. Februar 1943 in Aachen geboren. Nach einer Ausbildung zum Maschinenschlosser fing er am 1. April 1960 bei der Deutschen Bundesbahn an; seine Karriere als Lokführer begann 1964: Schell wurde Reservelokomotivführer- Anwärter. 1970 trat er in die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) ein, ein Jahr später in die CDU. Direkt nach der Wende gründete Schell 1990 mit der Ost-GDL die erste freie Gewerkschaft der DDR, 1991 wurde er dann Bundesvorsitzender der wiedervereinigten GDL. Für gut ein Jahr war Schell ab Juli 1993 auch Mitglied des Deutschen Bundestages. Manfred Schell ist verheiratet und hat zwei Kinder. Er lebt in Hofheim im Taunus.