Vor zehn Jahren ruinierte der Börsenmakler durch gigantische Fehlspekulationen das traditionsreiche Londoner Bankhaus Barings.

Fußball-Manager Nick Leeson, 38, auf dem Trainingsplatz des irischen Clubs Galway United.© Moya Nolan
Es klingt verrückt: Ausgerechnet an meinem Geburtstag vor zehn Jahren meldete Barings Konkurs an. Zum Feiern gibt es aber keinen Grund. Das ist das beschämendste Kapitel in meinem Leben. Nach viereinhalb Jahren Gefängnis, Krebserkrankung und Scheidung geht es Gott sei Dank bei mir wieder bergauf.
Ein Absturz auf Raten. Die ersten neun Monate saß ich in Frankfurt und musste mich langsam an meinen neuen Status gewöhnen. Viel schlimmer aber waren später die Jahre im Gefängnis von Singapur. Ich konnte nicht mit dem Stress umgehen. Meine Zelle war fünf Quadratmeter klein, wir waren zu dritt eingesperrt und schliefen auf dem nackten Fußboden. Am Tag gab es eine Stunde Auslauf, das war's. Ich habe für mein Vergehen gebüßt und auch den Krebs besiegt. Mich wirft heute nichts mehr um.
Das kann man nicht ernst nehmen. Einige glaubten, ich wäre eine Art Robin Hood der Bankenwelt, hätte das Geld der Reichen genommen und auf Konten in Südafrika und Deutschland versteckt - was natürlich Unsinn ist. Das Geld ist futsch.
Davon musste ich meine drei Anwälte in Deutschland, Singapur und England bezahlen. Für mich blieb nichts mehr übrig. Und die 21 000 Euro für "High Speed Money", die Verfilmung meines Falls, gingen an meine geschiedene Frau Lisa.
Da geht es um Risikomanagement und saubere Unternehmensführung. Damit das Ganze nicht zu trocken wird, erzähle ich nach dem Dinner aus meinem Gaunerleben. Einmal im Monat mache ich das in europäischen Städten und in Asien - für rund 8000 Euro.
Nur in der ersten Zeit, nachdem ich aus dem Gefängnis entlassen worden war - um mich zu kontrollieren. Die Stundensätze der Anwälte und Insolvenzverwalter sind aber so hoch, dass praktisch alles für deren Bezahlung draufging. Ökonomischer Unsinn. Was ich verdiene, darf ich jetzt behalten.
Meine zweite Frau Leona ist Irin. Hier war eine gemeinsame Zukunft leichter als in England. Wir haben einen Sohn, und ich wollte ein geregeltes Familienleben. Und Fußball war immer schon eine Leidenschaft von mir.
Doch, schon. Bleibt am Monatsende etwas übrig, spekuliere ich mit Spread Bettings, Wetten auf Kursveränderungen von Währungen. Keine großen Summen. Der Gewinn ist steuerfrei.
Traue keinem Finanzverwalter. Mach dich schlau, kümmere dich selbst um dein Geld.
Interview: Joachim Reuter
Übernommen aus ...
Stern
Ausgabe 37/2005
Zur Person Nick Leeson, 1967 in Watford, England, geboren, startete nach dem Abi eine Bankkarriere, die ihn 1989 zur "Bank der britischen Könige" Barings führte. Drei Jahre später handelte er an der Börse Singapur mit Derivaten, bis er 1995 mit Spekulationen auf den Nikkei-Index einen Verlust von 1,4 Milliarden Dollar anhäufte - das Aus für Englands älteste Investmentbank. Leesons Flucht endete auf dem Frankfurter Flughafen. In Singapur wurde er zu sechseinhalb Jahren Gefängnis verurteilt, wegen guter Führung und aufgrund seiner Darmkrebserkrankung kam er nach viereinhalb Jahren frei.