Der Stürmer aus Kamerun schoss bei der wM 1990 in Italien sein Team ins Viertelfinale - nie zuvor kam eine afrikanische Mannschaft so weit. Legendär seine Freudentänze an der Eckfahne

Roger Milla, 52© Gilles Favier
Roger Milla, 52, mit seiner Tochter Sandy, 14, in ihrem Haus im französischen Montpellier; Milla hat noch einen 21-jährigen Sohn. Ehefrau Evelyne starb im Januar an den Folgen eines Verkehrsunfalls, am Tag ihres 39. Geburtstags. Roger Milla, Sohn eines Eisenbahners, hatte beim Patentamt in Yaoundé gearbeitet, bevor er 1977 in Europa seine Karriere als Fußballprofi begann. Weltbekannt wurde er durch seine herausragenden Leistungen und publikumswirksamen Darbietungen bei der WM in Italien: hier der Jubel-Lambada des damals 38-Jährigen beim Sieg Kameruns über Kolumbien
Das Interview mit Roger Milla führte Patrick Kiefer
Nein, das ist längst Vergangenheit. Und Kolumbiens Keeper René Higuita, gegen den ich beide Tore schoss, geistert zum Glück auch nicht allnächtlich durch meine Träume.
Ein halbes Jahr zuvor hatte ich mit dem Profifußball abgeschlossen und mich auf die Insel La Réunion im Indischen Ozean zurückgezogen. Dort wollte ich in aller Ruhe meinen Trainerschein machen. Doch dann klingelte das Telefon, und Kameruns Nationaltrainer bot mir an, für mein Land zu spielen. Ich sprach mit meiner Frau Evelyne - und das Abenteuer konnte beginnen.
Straßen wurden nach mir benannt, in Yaoundé hat man mir sogar ein Denkmal gebaut. Es war allerdings nicht besonders hübsch, ist längst wieder abgerissen.
Ein unvergessliches Erlebnis. Junge Priester hatten mich 1993 in den Vatikan eingeladen. Plötzlich hieß es, der Papst wolle mich empfangen; wir haben uns dann vielleicht eine Viertelstunde unterhalten. Als ich ging, begegnete mir Mutter Theresa, die ich kurz zuvor in Kalkutta besucht hatte. Ein Foto von mir und dem Papst hängt jetzt in meinem Wohnzimmer.
Natürlich nicht. Da gibt's Fotos mit Lionel Richie, James Brown, Stevie Wonder, Franz Beckenbauer, Michel Platini oder auch Frankreichs Präsident Chirac.
Abwechselnd in Kamerun und in Montpellier. Hier in Frankreich habe ich drei Jahre als Profi gespielt, und der Club-Präsident sagt, dass ich inzwischen zum festen Mobiliar gehöre.
Mein Sohn Roger, der gerade Abitur gemacht hat, ist Hobbyfußballer. Und Sandy hat mein Ballgefühl geerbt. Sie spielt sehr gut Tennis und schlägt mich leider immer öfter. Ich würde ihr Talent gern in einer Tennisschule in Deutschland fördern. Eigentlich drehte sich mein ganzes Leben um Sport. Nicht nur um Fußball. Ich war auch ein guter Leichtathlet; meine Eltern haben mir gute Gene mitgegeben. Aber beide sind leider viel zu früh gestorben und haben meine große Zeit nicht miterleben dürfen.
Ich bin freier Botschafter Kameruns in Frankreich, von meinem Präsident Paul Biya dazu ernannt. Ich repräsentiere Kamerun bei allen möglichen Anlässen, bekomme dafür ein monatliches Gehalt; theoretisch könnte ich mir sogar einen dicken Dienstwagen vor die Tür stellen. Daneben engagiere ich mich ehrenamtlich, versuche meinen Namen zum Beispiel auch im Kampf gegen Aids einzusetzen. Diese Krankheit bedroht Afrika dramatisch, und ich suche als UN-Botschafter ständig Leute, die bereit sind, für Krankenhäuser zu spenden.
Natürlich. Wenn die "Löwen" spielen, darf ich als Berater der Spieler nicht fehlen. Noch wichtiger als dieses Spiel ist für uns die WM-Qualifikation. Wir müssen die Elfenbeinküste schlagen, und ich drücke Trainer Winnie Schäfer die Daumen.
Übernommen aus ...
Stern
Ausgabe 47/2004