Der Torhüter wirbelte vor 20 Jahren mit seinem Skandalbuch "Anpfiff" die Fußballwelt auf. Daraufhin flog er aus der Nationalmannschaft und musste später auch den 1. FC Köln verlassen

"Toni" Schumacher, 62, lebt heute mir seiner zweiten Frau in Köln, das Paar hat drei Kinder.© Frank Dietz; POPPERFOTO/Bilderberg
Ich weiß, worauf Sie anspielen. Die Zeiten sind vorbei!
Stimmt. Weil ich ihr beweisen wollte, dass man den Schmerz in den Griff bekommen kann, dass man alles erreichen kann, was man sich vornimmt. Eine Jugendsünde!
Ich habe es damals als eine Lebensbeichte angesehen. Deshalb wollte ich es auch zu meiner aktiven Zeit veröffentlichen. Das passte einfach zu Toni Schumacher. Viele andere haben erst ein Buch geschrieben, nachdem sie alles erreicht hatten. Denen konnte nichts mehr passieren. Ich wollte provozieren und die Wahrheit aussprechen - zum Beispiel, dass auch im Fußball gedopt wird. Ich dachte, für die Wahrheit kann man nicht bestraft werden.
Der Rausschmiss! In Köln - oder war's die Nationalmannschaft? Ich bin ja bei beiden rausgeworfen worden.
Ich habe es nie verstanden - dass der 1. FC Köln nach 15 Jahren sagt: Toni, das war's.
Einer der Ersten, der anrief, war Franz Beckenbauer. Er sagte: "Reg dich nicht auf! Bald schreibt die Presse über was anderes."
Das war weniger Franz, das war der DFB. Hermann Neuberger, der damalige Präsident, sagte mir, dass Schluss ist. Einen internen Machtkampf zwischen Franz und Neuberger wollte ich nicht. Kein Spieler ist so viel wert.
Das war mein großes Ziel, und ich habe alles versucht, um es zu erreichen. Aber man darf den Chancen nicht nachtrauern. Ich hatte zweimal die Gelegenheit, 1982 und 1986. Damals waren die beiden zweiten Plätze für mich nicht viel wert. Aber wer kann schon von sich behaupten, zweimal im Endspiel gestanden zu haben?
Na ja, ich stand ja auch auf dem Platz die meiste Zeit unbeachtet ganz hinten. Nur bei den 1 : 1-Situationen und beim Elfmeterschießen haben alle auf mich geschaut. Und da konnte mir keiner helfen. Das habe ich geliebt. Heute stehe ich sicher auch hinten, trage Verantwortung, ziehe die Fäden - wobei: So ganz stimmt das nicht. Manchmal bin ich Sturmspitze, spreche die Firmen an, breche das Eis.
Die britische Ölfirma BP hat beim HSV zu Netzers Zeiten auch auf den Trikots geworben und gut dafür gezahlt. Die Telekom überweist, glaube ich, 20 Millionen an Bayern München. Dass die Russen jetzt diesen Markt entdeckt haben, ist legitim.
Der Sandsack hängt noch da. Nur heute brauche ich ihn, um beweglich zu bleiben.
...Präsident des 1. FC Köln - und Karnevalsprinz war auch ein Traum. Wolfgang Overath hat beides vorgemacht. Er war Karnevalsprinz in Siegburg und ist jetzt Präsident. Das Thema FC ist also erst mal ad acta gelegt. Und Karnevalsprinz in Köln? Dafür habe ich zu wenig Zeit.
Übernommen aus ...
Ausgabe 09/2007
Zur Person Harald "Toni" Schumacher wurde 1954 im rheinischen Düren geboren. Er war seit 1973 Torwart des 1. FC Köln, wurde 1978 Meister und Pokalsieger. Mit der Nationalmannschaft gewann er 1980 die Europameisterschaft, 1982 und 1986 wurde er Vizeweltmeister. Sein Buch "Anpfiff" brachte ihm 1987 den Rausschmiss beim 1. FC Köln und das Ende in der Nationalmannschaft.