Die Tochter des ehemaligen Bundespräsidenten Gustav Heinemann war 1970 die erste Frau, die auf einen Lehrstuhl für katholische Theologie berufen wurde

Prof. Dr. theol. Uta Ranke-Heinemann im Lieblingskostüm in ihrem Essener Haus© Christiane Wegener
Die Tochter des ehemaligen Bundespräsidenten Gustav Heinemann war 1970 die erste Frau, die auf einen Lehrstuhl für katholische Theologie berufen wurde. Mit ihrer im September 2001 gestorbenen Jugendliebe Edmund Ranke hat sie zwei Söhne. Nach einem Studium der evangelischen Theologie konvertierte sie 1953 zum Katholizismus. 1970 erhielt sie an der Pädagogischen Hochschule in Neuss eine Theologie-Professur. 1980 übernahm sie einen Lehrstuhl an der Uni Duisburg. 1987 wurde ihr die Lehrerlaubnis entzogen, weil sie an der Jungfrauengeburt Marias zweifelte. Die Friedensaktivistin, international profilierte Kirchenkritikerin und Bestseller-Autorin ("Eunuchen für das Himmelreich") kandidierte 1999 für die PDS für das Amt des Bundespräsidenten, unterlag jedoch ihrem angeheirateten Neffen Johannes Rau.
Das Interview mit Uta Ranke-Heinemann führte Christoph Wirtz
Sind Sie wahnsinnig? Professor nennen mich nur Bischöfe und Kardinäle.
Ja! Aber mein Verstand ist für jede Vorstellung von ihm zu klein.
Den habe ich abgeschafft. Entweder ich weiß - oder ich weiß nicht. Märchen habe ich genug gehört.
Richtig. Mein Geld aber nicht. Die Kirchensteuer zahle ich weiter...
So viel Zeit haben Sie nicht. Kurz: Der Vatikan ist ein monosexuelles, frauenfeindliches Terrarium. Das ideale Biotop für Homosexuelle. Die Kirche ist sexualfeindlich, erwartet absolute Hörigkeit und propagiert Erlösung durch Foltertod am Kreuz und ritualisiertes Bluttrinken. Sonst wartet die Hölle - die grausamste Erfindung der Frohbotschaft. Wieso hört man nicht auf Jesus, predigt Feindesliebe und keine Rache?
...ist der Höhepunkt einer 2000-jährigen Fehlentwicklung. Und das wird auch beim nächsten nicht besser werden. Johannes Paul II. hat sich inzwischen auf jedem freien Bischofsstuhl geklont.
Doch! Er erzählt keine schmutzigen Witze und raucht nicht. Das spricht für ihn.
Jawohl. Aber nur gegen den zweiten. Und außerdem: Soll ich ihn jetzt etwa loben, weil er in seiner Unfehlbarkeit auch mal was Richtiges gesagt hat? Er hätte lieber Herrn Bush als die Jungfrau Maria anrufen sollen, auf dass es Frieden werde.
Natürlich. Der Papst ist mein theologisches Sandmännchen. Es interessiert mich immer wieder, ob er schon im zweiten oder erst im dritten Satz auf die Jungfrau Maria zu sprechen kommt. Währenddessen lese ich "Hola!" - ich bin über den spanischen Hochadel und sämtlichen sonstigen Klatsch bestens im Bilde.
Das wollte ich nie! Bisky von der PDS rief an - ich war gerade beim Kartoffelschälen - und fragte, ob ich kandidieren würde. Weil das eine gute Möglichkeit war, gegen den Kosovo-Krieg zu protestieren, habe ich's gemacht. Ich fand damals komisch, dass mich die PDS einstimmig zur Kandidatin gewählt hat, ohne mich überhaupt zu kennen. Mein Mann meinte: "Komisch wäre gewesen, wenn sie dich gewählt hätten, obwohl sie dich kennen."
Das hat mir Johannes nicht übel genommen. Dass ich das schwarze Schaf bin, hat den Familienfrieden noch nie gestört.
...das ist sehr praktisch. Ich muss mir nie überlegen, was ich anziehe. Wenn man dreimal hintereinander dasselbe anhat, ist das peinlich. Aber nach 18 Jahren ist das meine Erkennungsmelodie. Neulich habe ich über Sokrates gelesen: "Er trug sommers wie winters dasselbe Gewand." Sie sehen - ich werde ihm immer ähnlicher.