Den Karlsruher SC führte der Fußballtrainer mit der blonden Matte zwischen 1993 und 1998 dreimal in den Uefa-Cup. Es folgten nationale und internationale Meistertitel in Afrika und im arabischen Raum.

Winfried Schäfer bei der WM 2002 im Spiel Kamerun gegen Saudi-Arabien© Rabih Moghrabi/AFP
Wahrscheinlich habe ich den Zeitpunkt verpasst.
Was ist schon modern?
Al-Ain wurde durch den Asiatischen Fußballverband als einer der fortschrittlichsten Vereine Asiens ausgezeichnet, das spricht für sich. Jetzt fördern wir verstärkt die einheimischen Talente und verfeinern die Strukturen noch weiter.
Die Liga hier hat sich verbessert, seit man mehrere deutsche Trainer hier hatte, die nicht nur abkassieren wollten, sondern die wirklich gearbeitet haben. Jetzt gibt es Spieler, die es schaffen könnten.
Unser Demokratiebegriff greift hier nicht, das ist richtig. Wenn man allerdings danach fragt, wie es den Menschen hier geht, kommt es auf die Perspektive an. Gehen Sie mal in andere asiatische Länder, dann kommen Sie wieder her, und wir unterhalten uns noch mal. Die Scheichs fallen hier ganz gewiss nicht als Despoten auf, viel eher als Männer, die sich sehr darum bemühen, für die Zukunft ihres Landes zu arbeiten.
Und das ist nicht demokratisch?
Der Hungerlohn reicht offenbar, um nicht nur den Gastarbeiter, sondern auch seine Familie in der Heimat zu versorgen. Vielleicht vergisst man zu schnell, dass Globalisierung nicht nur bedeutet, Märkte zu teilen, sondern auch Probleme. Aber eigentlich beschäftige ich mich damit nicht. Ich bin hier, um Fußball zu unterrichten.
Meine Familie, unseren Hund, die Küche meiner Frau, besonders die Rouladen.
Dass ich das einmal werden würde, hätte ich im Leben nie gedacht. Wir Jungs aus der Eifel sind eigentlich heimatverbunden. Aber es gefällt mir. Neue Herausforderungen sind etwas Wunderbares. England würde mich sehr reizen.
Die Bundesliga bleibt für mich interessant. Aber sie scheint nicht sehr offen für Trainer, die länger im Ausland waren. Man behauptet dann: "Der kennt die Liga nicht mehr." Das ist natürlich Blödsinn. Selbstverständlich beobachtet man die Liga.
Na klar, von der überragenden Technik abgesehen, wäre er der ideale Führungsspieler, der wollte und will immer gewinnen.
Ich tippe auf Holland. Die gefallen mir gut, spielen das modernste System mit vier offensiven Leuten vorn. Der großartige van Nistelrooy hält die Bälle, und die anderen drei stoßen zu.
Das müsste man annehmen. Aber vielleicht ist das auch eine Frage der Perspektive.
Übernommen aus ...
Stern
Ausgabe 26/2008
Zur Person Winfried Schäfer, genannt "Winnie", wurde 1950 in Mayen geboren. Er spielte insgesamt zehn Jahre als Mittelfeldspieler für Borussia Mönchengladbach, wurde Meister und Uefa-Cup-Sieger. Als Trainer arbeitete er zwölf Jahre lang für den Karlsruher SC, wo er Spielertalente wie Oliver Kahn, Jens Nowotny oder Mehmet Scholl aufbaute. Mit der Nationalmannschaft Kameruns wurde Schäfer 2002 Afrika-Meister. 2006 führte er in den Vereinigten Arabischen Emiraten al-Ahli Dubai zur ersten Meisterschaft nach 26 Jahren. Seit 2008 trainiert Schäfer den Verein al-Ain im Emirat Abu Dhabi. Mit seiner Frau Angelika ist er 37 Jahre verheiratet, das Paar hat zwei Kinder. Die Familie lebt noch in Ettlingen bei Karlsruhe.