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25. Mai 2002, 01:15 Uhr

»Narzissmus ist keine wahre Freude«

Vom Selbst- zum Kinodarsteller: Der Modemacher Wolfgang Joop spielt den Therapeuten - und lästert im wahren Leben über Penisneid und Größenvergleiche, Gefallsucht und die Gefahren der Gefälligkeit.

Herr Joop, Sie sind unter die Schauspieler gegangen. Wie übersetzen Sie den Filmtitel »Suck My Dick« ins Deutsche?

Da ich nicht in den Verdacht kommen möchte, im hohen Alter ein Pornostar geworden zu sein, sage ich lieber eine englische Variante: »Oops, I Did It Again!«

Die Münchner »Abendzeitung« nennt den Film dunkel ein »surrealistisches Unterbewusstseins-Massaker«.

Es geht um Albträume, Obsessionen und Verlustängste von Männern. Der koksende Buchautor Dr. Jekyll erlebt, wie seine Romanfigur Hyde aus seinem Gehirn ausbricht und ihm den überdimensionierten Penis wegnimmt. Der schwanzamputierte Jekyll hat dann nur noch ein kleines Loch zum Pinkeln. Für mich ist der Film eine Burleske - humoristisch, bösartig und verstörend.

Sie spielen einen Society-Psychiater. Waren Sie selbst schon mal beim Seelenarzt?

Ich therapiere meine Seelenqualen lieber durch Arbeit. Das dauernde Rumpopeln im Ego bringt doch genauso wenig wie die Suche nach individuellem Glück. Man ist nie unglücklicher als in der Zeit, in der man das Glück sucht. Ich tröste mich, indem ich Biografien lese. Da merke ich, dass meine Probleme auch andere haben.

»Suck My Dick« karikiert den Phalluskult. Kennen Sie Penisneid?

Eher Penisbewunderung. Man braucht ja hin und wieder was, an dem man sich festhalten kann. Aber nach der Pubertät nimmt das Interesse an Geschlechtsorganen allmählich ab - bei den meisten zumindest. Ich litt am stärksten in der Zeit, als ich erotisch am aktivsten war. Da wollte ich das einzige Objekt der Begierde sein und jeden Menschen durch jede erotische Handlung für immer beeindrucken. Irgendwann merkte ich dann aber, dass es immer einen geben wird, der intelligenter ist und einen größeren Schwanz hat.

 
 
 
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