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24. Juli 2008, 08:56 Uhr

One Night in Lieschen Müller

Für Paris Hilton war es Karriere-Viagra, als ihr ehemaliger Freund das berüchtigte Heim-Sexvideo "1 Night in Paris" ins Netz stellte und verkaufte. Wenn Lieschen Müller von ihrem Ex gefilmt und später auf Youporn ausgestellt wird, hat das ganz andere Folgen. Von Johannes Gernert

Wo Lieschen Müller sich nicht wiederfinden möchte:© screenshot Youporn

Im San Fernando Valley in Kalifornien, im Pornotal der USA, werden immer noch Filme gemacht. Das ist fast ein wenig seltsam, denn die Konkurrenz produziert fleißig - und das gratis. Sie dreht ihre Videos in Mietwohnungen in Austin, Texas oder auch in der Umkleidekabine in Oldenburg. Rund 2300 meist junge Menschen von Portland bis Paris lassen täglich beim Sex die Kamera laufen, vermutet Thorsten Gems, der diese Filme zu seinem Job gemacht hat. Seine Firma Procomb hat vor einem Jahr eine Umfrage in Auftrag gegeben. Demnach landen 20 bis 25 Prozent der Privataufnahmen im Netz, auf Clip-Portalen wie Youporn, wo sie dann neben Produktionen aus dem San Fernando Valley stehen.

Dabei gibt es einen entscheidenden Unterschied: Die Frauen aus "Extreme Asses" oder "Big Natural 6" wissen beim Dreh, dass ihnen später jemand beim Sex zusehen wird. Es ist ihr Job. Lieschen Müller aus "Wie ich meine Freundin ficke" weiß es vielleicht nicht. Möglicherweise hat sie die kleine Kamera auf dem Nachttisch gar nicht bemerkt. Dann wird die Sache schnell zum Job von Thorsten Gems.

170.000 Dateien pro Tag

Der Mittdreißiger durchkämmt für seine Kunden, mehr Frauen als Männer, das Netz. Sie befürchten, dass Bilder oder Videos von ihnen auf irgendwelchen Pornoportalen gelandet sind. Gems braucht nur ein Foto - gerader Blick in die Kamera, keine Haare im Gesicht. Dann wirft er seine Maschinen an. Für 139 Dollar und nach 150 Tagen hat er ein Ergebnis. In den USA durchforsten die Rechner von Gems Firma mit Vorlage der biometrischen Daten rund 25 Millionen Fotos und Clips. Es ist ein spezielles Verfahren, das sie selbst entwickelt haben. Sehr geheim alles. Sie sind die einzigen, die das so machen.

Das kleine Unternehmen mit Sitz in Dortmund und Ft. Myers in Florida und seinen neun Mitarbeitern lädt jeden Tag rund 170.000 Dateien von Tauschplattformen, Galerien und Clip-Portalen herunter und speichert sie auf einer der riesigen Festplatten. Es ist wahrscheinlich die größte digitale Pornosammlung der Welt. Ein Abwehrarsenal, dient es doch dazu festzustellen, ob irgendwo da draußen private Bilder von Lieschen Müller unterwegs sind - und sie zu löschen, wenn das tatsächlich so ist.

Der "Paris Hilton"-Effekt

Der wohl berühmteste Privatporno im Netz zeigt Paris Hilton beim Sex mit Ex-Freund Rick Salomon. Der nannte es "1 Night in Paris" und landete einen Verkaufshit. Hilton hat anfangs auch gegen die Verbreitung des Videos im Netz gekämpft, doch dann begriff sie es als Chance: Der erotische Auftritt hat die exhibitionistische Hotelerbin noch ein bisschen berühmter und so noch ein bisschen reicher gemacht.

"Sex-Tapes" sind für Promis oder solche, die es werden wollen, mittlerweile ein Marketing-Tool. Kursierte nicht auch eines von der Ex-"Topmodel"-Ausscheiderin Gina-Lisa Lohfink im Netz, die zu dem Zeitpunkt ungefähr noch so bekannt war wie Zlatko aus der ersten "Big Brother"-Staffel? Eigentlich nicht, hat Lohfink später mal einer Promi-Bloggerin erzählt. Es kreiste zunächst angeblich höchstens im "Bild"-Intranet. Aber die "Bild"-Zeitung hat trotzdem darüber geschrieben und danach alle anderen. Plötzlich war Lohfink wieder ein bisschen wer. Mittlerweile steht das Video auf einem Privat-Pornoportal. Kostenpflichtig.

Frage der Technik

Die "Sex Tape"-Tradition fing nicht erst mit Hilton an. Ende der 90er gab es bereits ein sehr explizites Video mit Pamela Anderson und ihrem Schlagzeuger-Mann Tommy Lee zu sehen. Wahrscheinlich sind Videokameras, seitdem es sie gibt, nicht nur auf Familienfeiern, sondern auch im Schlafzimmer im Einsatz. Schon vor mehr als zehn Jahren hat der schottische Film "Trainspotting" davon erzählt, wie so ein Filmchen versehentlich von ein paar mehr Leuten als den Darstellern angeschaut wird.

Damals brauchte man allerdings noch Videobänder. Das Überspielen hat gedauert. Heute geht es wesentlich einfacher und schneller. Und je einfacher und schneller das geht, desto mehr Leute tun es auch. Einfach weil es möglich ist. Je mehr es tun, desto mehr davon gelangt ins Netz. Und je mehr Surfer es sehen, desto mehr denken, dass ja eigentlich nichts dabei ist. Und je mehr das denken, desto mehr tun es dann auch selbst. Und immer so weiter.

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KOMMENTARE (10 von 28)
 
Clibanarius (26.07.2008, 05:52 Uhr)
Maria1000
Was rauchst du nur für einen Zeugs? Was es auch ist - etwas weniger davon würde dir und den Lesern hier gut tun. Danke.
Maria1000 (25.07.2008, 18:57 Uhr)
Blacky007:
Sie schreiben" ...Vom Betrachten sexueller Handlungen ist sicher noch keiner zu Schaden gekommen..."
Oh DOCH!!! Sozialisationsmässig und bildungsmässig schon: Für die meisten Kinder/Teenies aus den bildungsfernen Unterschichten bedeutet heute schon "Sex" in erster Linie" nur mehr Porno-Sex"....
Es wird ein völlig falsches Bild über sexuelle Beziehungen und Sex den Jugendlichen vermittelt durch einige( nicht ALLE!) Pornofilme auf Youporn und ähnlichen Sites, auch durch die "Kommentare" der User auf youporn zu einigen der mehr menschenverachtenden unter den Filmchen.
Zudem,war es bisher "irre witzig" für solche Kinder mit grossen sozialen und charakterlichen Defiziten (dank unfähiger ELTERN/Erziehung!) selbst gedrehte Videos von Misshandlungen von Klassenkameraden oder Fremden oder ihren Lehrern ins Internet einzuspilen, dann wird nun vermutlich immer mehr der Sex mit Klassenkameradinnen und/oder (Ex-)Freundinnen ins Web gespielt! Ichf inde, dies sollte durchaus und streng strafrechtlich verfolgt werden!
Sveto (24.07.2008, 23:06 Uhr)
@Bebuquin
It is for good reason that they call it a "job"... Im Übrigen ist nicht alles Lateinische gleich medizinisch - wie heißt es nicht so schön bei Ausonius:
"Crispa tamen cunctas exercet corpore in uno:
deglubit, fellat, molitur per utramque cavernam,
ne quid inexpertum frustra moritura relinquat."
botoxia (24.07.2008, 18:36 Uhr)
Nichts Neues
Meine Güte. Pornos oder Sex sind doch nichts besonderes! Ham wa doch alle schon selbst mal gemacht, was regen wa uns uff? Und wieso muss man Sex eigentlich Kindern unbedingt vorenthalten?
hei_zen (24.07.2008, 17:30 Uhr)
Kinder allein im Internet
@astrologer und Rest
Zuerst sollten sie mal darüber nachdenken, dass es absolut fahrlässig ist, seine minderjährigen Kinder alleine und ohne Schutzsoftware im Internet surfen zu lassen.
Dass auch Dinge, die nicht unbedingt ihren persönlichen Vorlieben entsprechen, frei im Internet verfügbar sind war seid Erfindung des Internets immer so - diese Vielfalt macht das Internet erst aus.
Man entscheidet als mündiger Bürger immer noch selbst was man ansehen will.
rued (24.07.2008, 14:20 Uhr)
Kinder und Pornos
An Hardcore Streifen heranzukommen war für Kinder noch nie ein Problem, denn in jeder Klasse hat heutzutage irgendeiner nen Vater, der sein privates "Filmarchiv" nicht mit Argusaugen überwacht.
Es gibt allerdings auch Programme, die nach bestimmten Schlüssewörtern suchen und Seiten mit diesen Begriffen sperren.
Wenn man sich mit dem Thema mal etwas intensiver beschäftigt, wird man da auch schnell eine passende Lösung finden können.
Eltern die ihre 8 jährigen Kinder alleine im Internet surfen lassen, handeln ohnehin derart verantwortungslos, dass sie eigentlich ihre Grundlage verlieren sowas anzuprangern.
Im Hinblick auf die Verfügbarkeit für jederman, bin ich abr der Ansicht eine gewisse Zensur könnte Youporn nicht schaden.
Man sollte evtl. darüber nachdenken z.B. Frauen die sich Colaflaschen in ihr Rektum schieben und dergleichen aus dem Programm zu nehmen, oder einen zuverlässigeren Jugendschutz einzubauen.
astrologer (24.07.2008, 13:50 Uhr)
@Blacky007
Ich vermute mal Sie haben keine Kinder und damit auch keine Ahnung. Zwischen einer Site mit ein paar nackten Busen und Sites wie youporn ist denn auch ein Unterschied. Und ob Sie als Vater oder Mutter kein Problem damit hätten, wenn ihr 8jähriges Kind - unkommentiert - Hardpornos ansieht, da habe ich meine Zweifel.
Blacky007 (24.07.2008, 13:11 Uhr)
Was eine Prüderei
Einer regt sich über die Wortwahl auf, der sich übr das Wort "Blowjob" morkiert und es vulgär findet, der ander darüber, dass Kinder jederzeit solche Seiten beuschen können.
1. vulgär: wie sagte schon Woody Allen so treffend: "guter Sex muss schmutzig sein, wer noch keinen schmutzigen Sex hat, hatte niemals richtigen Sex" - meine absolulte Zustimmung. Ich würde vor Lachen zusamenbrechen, wenn mir eine Frau beim Sex sagen würde, dass sie gerne mal Fellatio machen würde, anstelle blasen...
2. Ich finde, dass es immer noch weniger schlimm, wenn Kinder eine solche Site aufrufen, als Seiten mit purer Gewalt,rechtsradikalen Inhalten oder gar Bombenanleitungen. Vom Betrachten sexueller Handlungen ist sicher noch keiner zu Schaden gekommen. Es hysterisch mit "Kindersex" gleichzustellen ist mehr als fehl am Platze.
undueberhaupt (24.07.2008, 13:06 Uhr)
Klare Sache...
Youporn & etc. Das scheint sich um Internetseiten für Hartz IV - Empfänger zu handeln. Die haben jede Menge Zeit. Strom und Telefon werden eh von der Sozialstelle bezahlt. Was will man noch mehr?
faustjucken_de (24.07.2008, 12:40 Uhr)
kalter Kaffee
Noch ein, zwei Jahre und es ist usus, dass Lieschen Müller beim Kaffeeklatsch mit Freundinnen den Porno von sich in youporn zeigt.
Wenn alle erst mal nackig sind, kräht kein Hahn mehr danach.
Und die, die wieder nach Jungendschutzzensur schreien, kümmert euch selbst um eure B(P)lagen und lasst mich schön weiter in ruhe Pornos im Netz schauen
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