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7. Juli 2009, 14:16 Uhr

Opfer von Ernst August "spielte Theater"

Im Wiederaufnahmeverfahren hat ein Zeuge Ernst August Prinz von Hannover den Rücken gestärkt. Er bezweifelt, dass der Prinz das vermeintliche Opfer zusammengeschlagen hat. Die Verletzungen könnten vielmehr von einem Unfall stammen.

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Ernst August Prinz von Hannover steht in Hildesheim vor Gericht, es geht um eine Prügelattacke in Kenia© Jochen Lübke/DPA

Im Prozess um die Attacke von Ernst August Prinz von Hannover auf einen Discobesitzer in Kenia hat am Dienstag ein langjähriger Vertrauter und Mitarbeiter des Opfers die Aussage des Adligen gestützt. Nach dem Angriff habe er zwei Tage lang die Version seines Chefs geglaubt, wonach er vom Ehemann der Prinzessin Caroline von Monaco "fürchterlich verprügelt und schwer verletzt wurde", sagte der 53-Jährige am Dienstag vor dem Landgericht Hildesheim. Nach mehreren Gesprächen mit Augenzeugen sei er dann allerdings ins Grübeln gekommen. "Meine Einschätzung war, dass es ein großes Spiel war, ein Theaterstück."

Direkt nach der Attacke im Januar 2000 war er von seinem Chef, Josef Brunlehner, angerufen worden. Dieser habe von Todesangst gesprochen. Er sei von einer Horde gejagt und festgehalten worden, gab der Zeuge das Telefonat wieder. Ernst August habe laut Aussage des Hoteliers mit einem harten Schlagwerkzeug mehrfach auf ihn eingeschlagen. Umgehend hätten die Mitarbeiter einen Rettungsflug in eine Klinik organisiert, betonte der Zeuge, der zehn Jahre lang mit Brunlehner in Kenia zusammengearbeitet hatte. "Als wir am Flugzeug auf Joe warteten, hatten wir ein blutendes Bündel Mensch erwartet. Das war er aber nicht", schilderte der 53- Jährige. Die etwa 50 Meter zum Flugzeug legte Brunlehner zu Fuß zurück. Auf dem 90-minütigen Flug habe Joe jedoch dauernd gejammert, über starke Schmerzen geklagt und sogar etwas Blut ausgespuckt. Er habe seinem Chef auch geglaubt, weil er in der Maschine dessen Verletzungen sah. "Der Brustkasten war ordentlich lädiert. Es gab etliche lange Striemen vom Brustbein zu den Rippen", sagte der Zeuge.

Diese Verletzungen stammten nach Meinung des Zeugen jedoch von einem Sturz des Hoteliers in dem Boot, das ihn nach der Attacke auf seine Heimatinsel gebracht hatte. "Das ist mir später auch mal passiert, und ich hatte exakt die gleichen Striemen am Oberkörper. Da ist mir klar geworden, dass die Version nicht stimmen kann." Zudem habe ihm auch der damalige Bootsführer, der bei der Attacke dabei war, gesagt, "Joe" wurde lediglich geschubst und zweimal geohrfeigt.

Intensivstation wegen früherer Krankheit

In der Klinik seien keine ernsthaften Verletzungen diagnostiziert worden, "er musste aber 24 Stunden zur Beobachtung auf der Intensivstation bleiben, weil er Jahre zuvor bereits einen Herzinfarkt hatte", erklärte der Mitarbeiter Brunlehners im Zeugenstand. Sein Chef habe ihm zugleich Anweisungen gegeben, die Presse über die Attacke zu informieren. "Ich sollte sagen, der Prinz habe ihn mit einem Schlagring mehrfach geschlagen."

Ernst August hatte den Angriff zwar eingeräumt, aber nur von zwei Ohrfeigen gesprochen: "One for the music, one for the light." Vor gut fünf Jahren war der Adlige vom Landgericht Hannover wegen gefährlicher Körperverletzung zu einer Geldstrafe in Höhe von 445.000 Euro verurteilt worden. Das Gericht hatte das Verfahren wieder aufgerollt, weil neue Zeugen die Version des Adligen stützen. An diesem Mittwoch wird der Prozess fortgesetzt. Dann soll der Bootsführer, der Augenzeuge des Angriffs des Prinzen war, aussagen.

AP/DPA
 
 
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