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Die tote Geldmaschine

Zwei Jahre nach seinem Tod lässt sich mit Michael Jackson noch immer sehr viel Geld verdienen.

Von Frank Siering, Santa Ynez/ Kalifornien

Die Wärter an der Neverland-Ranch im kalifornischen Santa Ynez Valley haben sich schon daran gewöhnt. Ständig rattern Helikopter über ihre Köpfe hinweg. "Touristen", sagt Jack, der die Morgenschicht am Tor schiebt. Und fügt leicht gelangweilt hinzu: "Dabei gibt es doch auf der Ranch nicht wirklich was zu sehen."

Rechtzeitig zum zweiten Todestag von Michael Jackson am heutigen Samstag hatte ein Hubschrauberunternehmen aus Santa Barbara eine pfiffige Geschäftsidee. "Flight over Neverland" heißt der halbstündige Spaß, den die Firma für 175 Dollar anbietet. Immerhin im Preis inbegriffen ist die rote Rose, die Fans vom Himmel aus über der Ranch abwerfen dürfen - als Dankeschön an die tollen Jahre mit Michael Jackson. Trotz des stolzen Preises scheinen die Geschäfte gut zu laufen. Sophie aus Los Angeles ist 16 Jahre alt. Sie hat sich den Flug vom Taschengeld zusammengespart. "Die Ranch sieht arg heruntergekommen aus", erzählt sie nach dem Helikopter-Abenteuer. "Aber ich bin glücklich, eine Rose für MJ gespendet zu haben."

La Toyas krude Verschwörungstheorie

Was eine Helikopterfirma kann, kann Jackson-Schwester La Toya schon lange. Pünktlich zum Todestag ihres Bruders hat sie ein Buch geschrieben. "Starting Over" heißt das Machwerk, was übersetzt soviel bedeutet wie "Nochmal von vorne". Für La Toya Jackson schon fast ein Mantra. Ihre Karriere als Musikerin siecht seit Jahren dahin. Jetzt aber will sie das Glück endlich auf ihre Seite zwingen und mit der Erinnerung an Michael Jackson Geld verdienen.

La Toya tingelt durch die amerikanischen Talkshows. Und weil sie ungewöhnlich offen über die letzten Stunden im Leben ihres berühmten Bruders plaudert, ist sie dort auf einmal ein gern gesehener Gast. "Es war der traurigste Tag in meinem Leben", erzählt sie von dem Moment, als sie erfuhr, dass Michael gestorben war. "Meine Mutter schrie ins Telefon: 'Er ist tot, er ist tot'", berichtet La Toya von den frühen Abendstunden des 25. Juni 2009.

Dann kommt sie auf ihr Buch zu sprechen, in dem Jackson die These aufwirft, ihr Bruder Michael sei ermordet worden und nicht an einer Überdosis von Tabletten gestorben. "Michael war clean", sagt sie und entwickelt eine krude Verschwörungstheorie. "Michael hat seinen Tod vorausgesagt. Er sagte mir, dass sie hinter ihm her sind", behauptet La Toya. Wer "sie" sind, lässt die 55-Jährige unerwähnt. Dafür hält sie ihr Buch noch mal in die Kameras. Und es drängt sich unweigerlich der Verdacht auf, als ginge es ihr nur darum, Geld zu verdienen.

Große Pläne für die Jackson-Kinder

Das Geschäft mit dem toten Jackson boomt. Nie wurden mehr CDs verkauft, als nach dem Ableben von "Wacko Jacko". Allein in den ersten neun Monaten nach seinem Tod verkauften sich in den USA neun Millionen zusätzliche Tonträger. Die zu Lebzeiten angehäuften Schulden konnten vom Vermögensverwalter bezahlt werden. Heute gilt Jackson neben Elvis Presley als reichster toter Musiker überhaupt.

Selbst die Kinder des toten King of Pop werden von der Jackson-Familie inzwischen in die Marketingmaschinerie eingespannt. "Tante La Toya" bereitet zusammen mit Oma Catherine Jackson fleißig die Karrieren von Prince, Paris und Blanket vor. Die Kinder sollen dem Vater ins Showbusiness folgen. Auch deshalb verbringen die Jackson-Kids dieser Tage viel Zeit mit den Kindern von Will Smith. "Sie bekommen Ratschläge, sie saugen alles auf, wie ein Schwamm", sagt La Toya entzückt.

Zum Todestag des Vaters wollen sie aber nicht mit Willow und Jaden Smith über Plattenverträge und mögliche Karriere- und Investitionsstrategien reden. Da planen die drei Jackson-Kinder einen stillen Besuch am Grab vom Papa am Forest Lawn Friedhof in Glendale. Den einzigen Ort, den die Jackson-Familie bislang noch nicht vermarktet hat.

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