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4. Mai 2010, 12:17 Uhr

Im Keller der Sexsüchtigen

Die außerehelichen Affären von Tiger Woods und Sandra Bullocks Ehemann Jesse James haben das Thema Sexsucht in die Schlagzeilen gebracht. Doch wie wird so etwas therapiert? Zu Besuch bei den Anonymen Sexsüchtigen in Boston. Von Ulrike von Bülow

Sexsucht, Sex and Love Addicts Anonymous, SLAA, Anonyme Sexsüchtige

Tiger Woods entschuldigt sich vor laufenden Kameras bei seiner Familie und allen, die er mit seinen Sexaffären verletzt hat© DPA

Das Ganze erinnert an ein Treffen der Anonymen Alkoholiker. In einem kargen Kellerraum in Boston, in dem es nicht viel mehr gibt als Sofas und Stühle, sitzen 50 Leute zusammen, mehr Männer als Frauen, manche haben eine Wasserflasche in der Hand, andere Kekse und Chips, die sie sich in den Mund schieben. Ein Herr mittleren Alters erhebt sich, er trägt ein blaues T-Shirt und eine khakifarbene Hose. Er guckt in die Runde, dann sagt er:
"Mein Name ist Jeff und ich bin ein Sexsüchtiger."
"Hi, Jeff!", schallt es aus der Runde.

So beginnt das Treffen der "Sex and Love Addicts Anonymous" (SLAA), den Anonymen Sexsüchtigen, die sich wöchentlich in einer Kirche im Westen von Boston begegnen. Optisch unauffällige Leute, ein paar von ihnen im Studium oder in Rente, die meisten berufstätig. Wie Jeff, ein Ingenieur, der sagt, sein Leben sei außer Kontrolle gewesen, mit ständigen Ausflügen zu Prostituierten, in Stripclubs und auf Pornoseiten im Internet. Eines Tages habe er sich an seiner Ehefrau vergangen, das sei der Tiefpunkt gewesen, so beschreibt Jeff es heute im "Boston Globe": "Sie rief die Polizei und ließ mich rauswerfen." Damals habe er begriffen, dass er unter einer Zwangsstörung litt und Hilfe brauchte.

Der Supergolfer schrumpfte zum Sexgestörten

Vielleicht ist Jeff so etwas wie die 08/15-Ausgabe von Tiger Woods, dem Supergolfer, der das Image eines Heiligen hatte, mit sexy Schwedengattin und schnuckeligen Kindchen, bis im vergangenen November herauskam, dass Mr. Woods sein Familienidyll verraten und Mrs. Woods betrogen hatte. Nicht nur einmal. Und immer mit Frauen aus dem Nachtclubmilieu, die alle an Pamela Anderson erinnerten, oberweitentechnisch. Der Supergolfer schrumpfte zum Sexgestörten, er verabschiedete sich in die Rehabilitations-Klinik "Pine Grove" in Hattiesburg, Mississippi, die dafür bekannt ist, Sexsucht zu behandeln. Ging es ihm dabei um eine Therapie? Oder darum, seinen Ruf zu retten?

Das Wort "sexsüchtig" war nicht aus seinem Mund zu hören, jedenfalls nicht öffentlich: Tiger Woods sagte nur, er sei in "rehab", alles weitere wurde interpretiert. Nun wird viel über Sexsucht geschrieben, Amerika beschäftigt die Frage: Was ist das - eine ernsthafte Krankheit? Oder nur eine Mode, eine PR-Erfindung, ein Werkzeug für prominente Seitenspringer, die Wiedergutmachung erstreben? Nach Tiger Woods checkte Jesse James zur Behandlung ein, der Mann von Sandra Bullock, der offenbar einen außerehelichen Hang zu Ganzkörpertätowierten Damen hat, der innerehelich nicht so gut ankam. Aber vielleicht erscheint das alles nur halb so schlimm, wenn die Ausrede lautet: "War nicht so gemeint, ich bin krank, Verzeihung!"

Der Schauspieler David Duchovny, der in der TV-Serie "Californication" einen - hört, hört! - sexbesessenen Autor mimt, gab vor zwei Jahren bekannt, dass er sich im wahren Leben "zur Behandlung von Sexabhängigkeit in ein Zentrum" begeben habe. Seither scheint bei den Schönen und Berühmten weniger von Alkohol oder Kokain und mehr von Sex die Rede zu sein, wenn es um Sucht geht. Anders als noch Anfang der 90er Jahre, als es hieß, Michael Douglas sei sexsüchtig - damals dachte man: Huch, seit wann gibt's denn so was?!

Seite 1: Im Keller der Sexsüchtigen
Seite 2: 12-Punkte-Plan sowie Yoga und Malstunden
 
 
KOMMENTARE (10 von 13)
 
silberwolf1 (05.05.2010, 18:13 Uhr)
Zum Schieflachen!
Jeder gesunde Mann ist sexsüchtig. Allerdings bleibt Otto Normalverbraucher kaum Zeit und es fehlen die Gelegenheiten, denn er bekommt beruflich nichts geschenkt. Eine kluge Frau hat das meist im Griff, denn Sex ist so normal wie Essen und Trinken. Diese Männer jetzt zu verdammen ist scheinheilig und lächerlich!
brigitteramsau (05.05.2010, 00:13 Uhr)
Sex Sucht toetet nicht...
...Militaer Sucht toetet.
acitapple (04.05.2010, 15:39 Uhr)
@dasbertl
ok, im ernst, klar kann man von all dem süchtig werden. in diesem fall halte ich es aber für mumpitz !! das ist tiger woods ! als hätten die mädels das nicht geahnt. der bekam wohl täglich solche angebote. und wenn madame zuhause zu langweilig wird und man dann so eine tante vor sich hat, kann man(n) schonmal schwach werden. das hat absolut nichts mit sexsucht zu tun...

diese sexsucht-geschichte ist für ihn der beste weg um aus der sache rauszukommen: sein demoliertes image wird wieder gerichtet und die frau kann sich auch nicht so einfach scheiden lassen und die hälfte des vermögens mitnehmen, dann wäre sie nämlich der buh-mann. für die schönen und reichen und ganz schön reichen ist das ein gefundes alibi zum fremdpoppen !
johnniedeamonic (04.05.2010, 13:51 Uhr)
@ Motzerator
sorry aber das "Sexsucht" von der Kirche erfunden wurde ist der allergrößte Schwachsinn und Dummfug überhaupt,
ebenso wie die Annahme eine Sucht gsei doch eigentlich ganz spaßig.
In einem haben sie allerdings recht,
die meisten 12 Schritt Programme und Therapien laufen darauf hinaus das man sein Schicksal irgendwann in Gottes Hände legen soll, was ich ebenfalls für sehr bedenklich halte, Religion sollte beim heilen von Krankheiten keine Rolle spielen, besonders nicht bei Suchtkranken die Ersatzbefriedigung suchen
Motzerator (04.05.2010, 13:32 Uhr)
Kirche therapiert Sexsucht???
Wenn man sich ansieht, wo diese angebliche "Sexsucht" therapiert wird, weis man auch, wer solche Begriffe erfindet: Natürlich die Kirche.

Wie soll man auch Macht über jemanden bekommen, der ein gesundes Sexleben führt? Da wird dann schnell die "Sexsucht" erfunden, um den Leuten wieder den Keuschheitsgürtel anzulegen.
endbenutzer (04.05.2010, 12:41 Uhr)
Sind die betreffenden Personen...
...verheiratet, wenn sie in der Gegend herumvögeln, dann bezeichnen sie sich natürlich als sexsüchtig. Komischerweise behauptet kein prominenter Mann, dass er sexsüchtig ist, wenn er unverheiratet ist.

Ist doch alles nur gelogen....
DasBertl (04.05.2010, 12:17 Uhr)
oder um deutlicher zu werden:
Nach ALLEM was das körpereigene Belohnungssystem aktiviert, kann man süchtig werden. Dazu zählt, neben Nahrung, Drogen und Erfolg eben auch Sex. Das ist für jeden ziemlich klar, der sich ein bisschen mit den Vorgängen im Körper beschäftigt. Nicht jeder der Krank ist, kann sich, nur damit ihr akzeptiert, dass er krank ist, in einen Rollstuhl setzen oder sich ein Bein amputieren lassen.

Oder um es mit Nuhr zu sagen: "Wenn man keine Ahnung hat, einfach mal....."
acitapple (04.05.2010, 11:59 Uhr)
@noctim
"Es geht sogar so weit, dass davon ausgegangen wird, dass Männer nur erfolgreich werden wollen, um möglichst viel Geschlechtsverkehr mit hübschen Frauen zu haben!"

NEIN, nicht zu glauben. das ist ja das erste was ich höre. ich kann es nicht glauben. sowas würden männer doch NIEMALS tun ! ich meine, welcher mann will schon mit hübschen frauen verkehr haben ??? tse, total an denn haaren herbeigezogen....
DasBertl (04.05.2010, 11:56 Uhr)
Jaja ich geb euch ja recht
Diese ganzen erfundenen Krankheiten, kaum auszuhalten. Dieses elende Aids, dieses blödsinne Krebs, all diese dämlichen Süchte nah Internet, nach Drogen, nach Sex, nach Alkohol. Und dann erst Depressionenund das Kasperltheater um den angeblichen Tod. Alles frei erfundene scheisse </ironie>
acitapple (04.05.2010, 11:55 Uhr)
armselig
meine güte, hat der keine würde ? er soll einfach dazu stehen. andererseits würde ihn das ne menge schotter kosten. als "kranker" kann er ja nichts dafür und seine frau muß ihm verzeihen. trotzdem armselig...

und was ist daran sexsüchtig ? eine horde stripperinnen macht sich über ihn her und er gilt als sexsüchtig wenn er sie nicht wegschubst ??? ja nee, is klar...
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