Der Kinderspielplatz gilt als der unerotischste Ort der Welt. Nido-Autorin Maria Saleri sieht das anders. Für sie ist es der perfekte Platz, um attraktive Menschen kennen zu lernen. Und nirgends lässt sich eine unkomplizierte Affäre leichter anbahnen.

Flirten auf dem Spielplatz ist auch in Hollywood ein Thema, wie der Streifen "The Shape of Things" aus dem Jahr 2003 beweist© Cinetext
Stolz bin ich nicht auf meine zwei Affären. Ich bin mir aber auch sicher, dass ich für das, was ich getan habe, nicht in die Hölle kommen werde. Ich bin ein Risiko eingegangen, es hat Spaß gemacht und zum Glück meine Ehe nicht ruiniert. Jetzt ist es erst mal vorbei. Ich möchte hier auch keine Werbung fürs Fremdgehen machen. Fremdgehen ist keine ehrenvolle Sache. Was ich aber einfach feststelle: es gibt einen Ort, der ja interessanterweise auf den ersten Blick der unmöglichste aller Orte ist, um eine Affäre anzubahnen - in Wirklichkeit aber einer der besten dafür ist. Der Kinderspielplatz.
Bei beiden kurzen Affären, die ich eingegangen bin, seit ich fest liiert und Mutter bin (fast sieben Jahre), habe ich die Männer auf Spielplätzen kennengelernt. Es hätten auch vier oder sieben Männer werden können, ohne dass ich aussehe wie Scarlett Johansson. Warum ich fremdgegangen bin? Ich will nicht mit Eheproblemen langweilen. Aber ich bin bestimmt nicht allein. Ich kenne jede Menge Frauen, die über eiskalten Gewohnheitssex jammern und erzählen, dass sie sich manchmal fühlen wie ein Gefängnisinsasse; die feststecken im ewigen Gezeitenlauf aus Kita-Öffnungszeiten, Wäschewaschen und Kinderzimmer- Aufräumen; die kaum noch andere Menschen kennen lernen, Männer oder Frauen. Die mich mit gestresstem Blick anschauen und fragen: "Wann zum Teufel soll ich überhaupt noch Männer treffen?" Meistens antworte ich nichts.
Der Spielplatz ist für Eltern oft die einzige realistische Möglichkeit, andere Menschen kennen zu lernen. Bars? Haben für mich nie funktioniert. Die wenigen Reisen, die man ohne Familie macht: Vergiss es! Der Spielplatz dagegen: Ruhe, Zeit, Gelegenheit. Mein größerer Sohn ist schon in der Schule, der kleine ist eineinhalb, wir haben einen langen Großstadtsommer hinter uns, und ich bin mit mehr guten Männern ins Gespräch gekommen, auch jenseits vom Flirten, als meine verzweifelten Single-Freundinnen in ihren Internetbörsen zusammengenommen.
Noch besser als Gespräche finde ich eigentlich das Beobachtenkönnen. Das ist, für mich, auch nicht zu trennen vom Verlieben - wobei "verlieben" vielleicht ein zu großes Wort ist. "Verknallen" ist besser, "begehren" auch - aber nennt es wie ihr wollt. Spielplätze sind der ideale Ort, um Männer zu beobachten. Und ehrlich gesagt: Was soll man sonst auch machen, außer in der Gegend rumzugucken, wenn das eigene Kind in Ruhe im Sandkasten spielt und man sich nicht mit wildfremden Müttern durch Unterhaltungen über geplatzte Windeln oder ein neues Zähnchen, das durchbricht, verschwestern will.
Dann lieber fremden Männern nachschauen. Und es werden immer mehr, zumindest da, wo ich wohne, in Berlin. Aber ich kann mir nicht vorstellen, dass es in den einschlägigen Wohnvierteln der Freiberufler, der Künstler, der Vätermonatsnehmer und krisenbedingt der Arbeitslosen in Hamburg oder Köln so anders zugehen sollte. Die Frauen sind noch in der Überzahl auf dem Spielplatz, aber Männer sind auf keinen Fall mehr so rar, dass ihre Anwesenheit dort als sensationelle Exotik gilt.
Gefunden in... ...der Zeitschrift Nido. Titelthema in der aktuellen Ausgabe: Freunde fürs Leben! Das Heft ist ab dem 16. Oktober im Handel erhältlich.