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12. Dezember 2003, 15:58 Uhr

Nur ein Ausrutscher?

Größte Gefahr für die Beziehung ist Untreue. Jeder Zweite geht fremd. Aber auch Eifersucht kann zerstörerisch sein. Teil 5 der Partnerschaftsserie: Wie Sie den Seitensprung des Partners verarbeiten, Ihr Misstrauen in den Griff bekommen.

Fotograf Sven Jacobsen inszenierte den Ehe-Albtraum

Tagsüber robbte Stefan*, 43, durchs Unterholz des Bayerischen Waldes und schulte seine Sinne zwischen Waldpilzen und Wurzeln. Outdoor-Seminar für ausgebrannte Manager. Die Indoor-Fortsetzung folgte nachts mit gestärkten Sinnen im Bett von Ariane, 25. Die Heilpraktikerin logierte zufällig im selben Hotel wie der Volkswirt und hatte ihn morgens beim Frühstück an der elektrischen Orangenpresse angesprochen. "Der fremde, schöne, geile Körper, die fremden Bewegungen. Das war sensationell guter Sex", sagt Stefan. "Aber ohne Rückspielrunde - ich liebe meine Frau und würde das Leben mit ihr nicht für eine Bettgeschichte aufs Spiel setzen." Und tauschte deshalb mit Ariane nicht einmal die Handynummer, obwohl sie beide in Stuttgart leben.

Flughafen Frankfurt, Terminal 1, Halle A. Der Flug nach Wien wird aufgerufen. An Bord geht auch Heiner, 41, Werber in einer großen Agentur. Begleitet wird er von seiner Frau Claudia, 39, und, was er nicht weiß, von deren Liebhaber Johannes, 44, Arzt an der Uniklinik und ebenfalls verheiratet. Das Ehepaar sitzt Reihe 3, der Mann für den Sprung zwischendurch Reihe 23. Während Heiner in Wien Kunden besucht und neue Kontakte knüpft, beschränkt sich Claudias Sightseeing auf den wohlgeformten Körper von Johannes im Theaterhotel in der Josefstadt. "Es hat mich total angemacht, dass Jo im selben Flieger war. Ich bin dann, als ich ihn treffen konnte, regelrecht über ihn hergefallen", sagt Claudia. Acht Jahre dauert die Affäre schon.

Stefan ist der klassische Gelegenheit-macht-Liebe-Seitenspringer. Den es in dieser Schlichtfassung millionenfach gibt. Einer, der abschleppt und sich abschleppen lässt. Anschließend erinnert er sich für 14 Tage wieder der bürgerlichen Moral, besinnt sich auf die Vorteile seiner Ehe. Bis zur nächsten Abenteuer-Expedition. Wer annimmt, dass Claudia unter Frauen zur raren Ausnahme zählt, der irrt. Frauen vögeln mittlerweile fast ebenso gern fremd wie Männer, gönnen sich One-Night-Stands wie Milchschnitten für den kleinen Appetit zwischendurch oder auch länger andauernde Affären.

In einer Umfrage der Gesellschaft für Erfahrungswissenschaftliche Sozialforschung (Gewis) für den stern gaben 43 Prozent der befragten Frauen (und 51 Prozent der Männer) zu, in ihrer festen Beziehung schon ein oder mehrmals fremdgegangen zu sein oder es gerade zu tun. Und nur knapp die Hälfte der Frauen mit Langzeit-Affäre pikst das Gewissen, wenn sie dem Ehemann vor dem Einschlafen liebevoll über die weiche Wange streicheln und am übernächsten Morgen im Waldgasthof mit derselben Hand den Schaft des Zweitmannes striegeln. Was sie nicht daran hindert, für Treue zu plädieren: 73 Prozent der Frauen und 65 Prozent der Männer ist sie sogar "die wichtigste Eigenschaft des idealen Partners", ergab eine Befragung des Allensbach-Instituts. Grundsätzlich lebt der Mensch aus einer Spannung heraus, sagen Psychologen. Auf der einen Seite ist da das Bedürfnis nach Liebe, Nähe, Bindung. Die große Sehnsucht nach dem Rosamunde-Pilcher-Leben. Auf der anderen Seite steht das Bedürfnis nach Autonomie, Freiheit, Abenteuer, nach neu entfachter Lust, frischer Verliebtheit, prickelnder Erfahrung.

Wenn Sie fremdgegangen sind: Wie kam es dazu?

FrauenMänner20-3940-60Gesamt
Sexflaute zu Hause4538305141
Lieblosigkeit/ Desinteresse des Partners6147456354
Rache für einen Seitensprung179161013
Lust auf was Neues3953424946
Trieb stärker als Moral1128241519
Es hat sich so ergeben3426372430
Kick fürs Selbstbewusstsein2512152118

*Angaben in Prozent, Mehrfachnennung möglich

Im Alter zwischen 40 und 50 gehen Männer am häufigsten fremd, Frauen nutzen die Gelegenheiten am ehesten zwischen 30 und 40. Berufstätige Frauen gönnen sich den außerehelichen Kick deutlich häufiger als "Nur"-Hausfrauen. Evolutionsbiologen behaupten, sexuelle Treue sei genetisch kaum vorgesehen. Gerade mal drei Prozent aller Säugetiere leben monogam. Nicht nur die Bonobos und Schimpansen in Afrika, die nächsten Menschen-Verwandten, treiben es wild. Eine Untersuchung der Yale University kam zu dem Ergebnis, dass nur in fünf Prozent aller bekannten Kulturen Monog amie herrscht. Auch die Papis aus München-Neuperlach und Mamis aus den Hamburger Elbvororten sind damit als Triebtierchen programmiert.

Paarforscher und Psychologen sind allerdings anders als Biologen nicht der Meinung, dass man jeden Ausbruch mit den Genen entschuldigen kann. Oder wie Regisseurin Doris Dörrie mal sagte: "Wir haben immer noch die Entscheidung über unser Leben. Wir brauchen uns doch nicht komplett nach unserem genetischen Programm verhalten."

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