Worauf es beim Online-Dating ankommt

19. April 2013, 13:41 Uhr

Die Suche nach der Liebe im Netz boomt: Online-Dating ist besser als sein Ruf, in vielerlei Hinsicht sogar romantischer als das Offline-Kennenlernen. Vor allem, wenn man sieben Grundregeln beachtet. Von Christian Schuldt

Online-Dating, Flirt, Liebe

Online-Dating ist besser als sein Ruf. Das behauptet zumindest Autor Christian Schuldt in seinem Buch "Romantik 2.0 - Vom Suchen und Finden der Liebe im Internet".©

Eigentlich sollte die erste Regel beim Online-Dating lauten: "Don't believe the Hype!" Vergessen Sie alle einseitigen Urteile, die Sie schon mal über Online-Dating gehört haben, seien es die Glücksversprechen der Partnervermittlungen ("Wir verlieben Sie"), die Schwarzmalereien der Kulturkritiker ("Partnershopping", "Ende der Liebe") oder die Angstmacherei der Massenmedien ("Sexkiller im Chatroom"). In Wirklichkeit ist Online-Dating nicht nur besser als sein Ruf, sondern in vielerlei Hinsicht sogar romantischer als das Offline-Kennenlernen - vor allem, wenn man sieben Grundregeln beachtet.

1. Daten Sie sich selbst

Wer einen Partner sucht, sollte wissen, zu wem dieser Partner passen soll. Bevor es also losgeht, lernen Sie sich zuerst einmal selbst kennen: Welche Form von Beziehung wollen Sie wirklich? Welche Eigenschaften sollte Ihr Partner dafür mitbringen? Beantworten Sie diese Fragen zunächst für sich selbst; früher oder später müssen Sie es ohnehin. Und: Lassen Sie dabei trotzdem Platz für Überraschungen jenseits Ihres Beuteschemas. Gerade das Internet bietet Ihnen die Möglichkeit, offen zu bleiben für Unerwartetes und die Liebe auf den zweiten oder dritten Blick. Wichtig ist es deshalb auch, das eigene Dating-Verhalten zu reflektieren - und im Zweifelsfall zu ändern, frei nach dem Prinzip "Learning by Dating".

2. Das passende Portal finden
Gratis oder kostenpflichtig, Singlebörse oder Partnervermittlung? Diese Auswahl "Ihrer" Dating-Seite(n) ist mitentscheidend für eine erfolgreiche Partnersuche. Und sie ist vor allem eine Charakterfrage. Wenn Sie eher eigeninitiativ sind, Lust am Entdecken haben, eine offene, ungezwungene Atmosphäre schätzen, sind Datingbörsen das Richtige für Sie. Wenn Sie eher bequem veranlagt sind, psychologischen Tests und Matching-Mechanismen vertrauen, Wert legen auf einen grundsätzlich gehobeneren Umgangston und kein Problem haben mit Nutzerprofilen, die zunächst fotofrei sind, sind Sie eher der Partnervermittlungs-Typ. Registrieren sollten Sie sich nur dort, wo Sie das Gefühl haben, Menschen treffen zu können, die auf Ihrer Wellenlänge sind. Informieren Sie sich, zum Beispiel bei singleboersen-vergleich.de oder Stiftung Warentest, und probieren Sie einige Anbieter aus. Bei den großen, etablierten Portalen können sie grundsätzlich wenig falsch machen.

3. Natürlich währt am längsten

Ein Grundgebot beim Online-Dating lautet, so wie beim Offline-Dating: Verstellen Sie sich nicht. Spielen Sie keine aufgesetzte Rolle, die später ohnehin entlarvt würde. Das beginnt schon beim Profil, Ihrem persönlichen Aushängeschild: Setzen Sie sich ruhig ins rechte Licht – aber nur so weit, dass Sie darin auch im echten Leben noch wiederzuerkennen sind. Verzichten Sie also auf Selbstbeweihräucherungen und stehen Sie zu ihren Macken. Und: Verschonen Sie die Welt mit pseudopoetischen Plattitüden und Romantik-Klischees. Wenn es passt, ist nichts romantischer als die ungeschminkte Wahrheit.

4. Der Ton macht die Musik
Für die erste Kontaktaufnahme im Netz gilt: Keep it simple, but charming. Eine erste Mail sollte Interesse signalisieren, aber dem oder der anderen auch nicht zu nahe treten. Wenn Sie es schaffen, weder oberflächlich noch indiskret aufzutreten, ist bereits einiges gewonnen. Diese Balance zwischen Engagement und Distanz gilt auch für die weiteren Etappen des Kennenlernens: Die Bereitschaft, sich zu öffnen, ist ebenso wichtig wie die Fähigkeit, Abstand wahren zu können. Das beste Rüstzeug für diese Gratwanderung sind soziale Fähigkeiten, die auch offline unverzichtbar sind: Engagement, Einfühlungsvermögen, Humor, Geduld, Höflichkeit. Kurzum: emotionale Intelligenz.

5. Kontrolle ist gut, Vertrauen noch besser
Dass beim Online-Dating eine gesunde Portion Skepsis angebracht ist, versteht sich von selbst. Lesen Sie andere Profile kritisch, und prüfen Sie im Zweifel die persönlichen Angaben. Geben Sie private oder berufliche Anschriften nicht zu früh preis, verabreden Sie sich an öffentlichen Orten, nutzen Sie für den Mailverkehr außerhalb der Datingbörse eine abschaltbare Mail-Adresse - und für Telefonate eventuell ein Handy mit Prepaid-Karte. Mindestens ebenso wichtig wie diese Sicherheitsvorkehrungen ist es aber, offen zu bleiben und potenziellen Partnern einen Vertrauensvorschuss zu geben. Misstrauen ist ein natürlicher Flirtkiller. Im Gegenzug gilt: Wer vertraut, dem wird vertraut. Das ist der Grundstein für den Aufbau jeder romantischen Beziehung, auch im Internet.

6. Take it easy
Keine Panik, wenn es nicht sofort mit der großen Liebe klappt oder wenn ein gerade angebahnter Kontakt auf einmal kommentarlos abbricht. Nehmen Sie Online-Dating nicht zu ernst, es ist nur eine von vielen Möglichkeiten der Partnersuche. Und es ist ein neuer sozialer Raum, in dem, bei allen Gemeinsamkeiten mit der Offline-Welt, auch eigene Maßstäbe für Etikette herrschen. Gerade kritische Situationen können aber dazu beitragen, Ihre Dating-Kompetenz zu stärken. Auch hier gilt die Devise "Learning by Dating": Die Zufriedenheit bei der Online-Partnersuche wächst mit der Erfahrung - die zugleich ein Flirttraining fürs echte L(i)eben ist.

7. Das Kopfkino kontrollieren
Wer verliebt ist, idealisiert die geliebte Person, online wie offline. Weil wir im Internet aber noch viel stärker auf unsere Imagination angewiesen sind, sind wir auch anfälliger für rosarote Traumwelten. Dieses Kopfkino ist romantisch, aber auch riskant. Halten Sie deshalb die eigenen Projektionen im Zaum, zum Beispiel durch Realitäts-Checks: Wechseln Sie rechtzeitig vom Mail- zum Telefon-Kontakt, zögern Sie das erste Treffen nicht allzu lange hinaus. Und: Setzen Sie nur dann alle Hoffnungen auf eine Person, wenn Sie sicher sind, dass Ihre Gefühle erwidert werden. Diese mitlaufende Selbstkontrolle hilft Ihnen, die Bodenhaftung zu bewahren. Denn die brauchen Sie, bei aller Romantik, auch. Spätestens beim ersten Treffen.

Buchtipp

Buchtipp Die Passagen sind dem Buch "Romantik 2.0 - Vom Suchen und Finden der Liebe im Internet" entnommen. Darin bricht Christian Schuldt eine Lanze für das Online-Dating. Dem Internet wird allerlei Unschönes zugetraut, nur eines nicht: Romantik. Schuldt will mit solchen Vorurteilen aufräumen und behauptet: Nirgends geht es heute romantischer zu als im Netz. Vor der Begutachtung der äußeren Verpackung steht der Austausch der inneren Werte - so erlebt die romantische Liebe eine Renaissance in der virtuellen Welt.

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