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Lieschen Müller und der Luxus

Massivgold-Handys, edelsteinbesetzte Schrotflinten, ein Parfüm für 250.000 Euro – auf der Luxus- und Millionärsmesse in München gibt es alles, was den "Reichen vom Armen unterscheidet". Kritiker dagegen meinen, auf der Messe sei lediglich das zu sehen, was sich Lieschen Müller unter Luxus vorstellt.

Von Sylvie-Sophie Schindler

Jetzt ist es aber gut! Frank Elstner kann ruhig rauskommen, das muss doch hier die versteckte Kamera sein, ganz klar. Doch Frank Elstner taucht nicht auf. Und Holger Breiner bricht auch nicht in schallendes Gelächter aus und schlägt sich dabei mit seiner Hand auf die Stirn, diese typische Ach-wie-blöd-bin-denn-ich-Geste. Hier wird also nicht für die TV-Show "Verstehen Sie Spaß?" gedreht. Aber irgendjemand muss sich diese fernsehreife Szene doch ausgedacht haben: Holger Breiner, Veranstalter der Luxusmesse "Luxurious Fair", hat es eilig. Sehr eilig sogar, da wird er plötzlich von vier dunkel gekleideten Ausstellern umzingelt. Aufregung, hektische Gesten. "Hier rennt einer herum und erzählt den Leuten, unsere Messe sei keine Luxusmesse", zischelt einer zu ihm. "Er nennt sich Mister Moneymaker", raunt ein anderer. Holger Breiner setzt ein Gesicht auf wie ein "Tatort"-Kommissar kurz vor der Überführung des Täters. Er sagt, und sein Tonfall ist schneidend: "Zeigt ihn mir!"

Dagegen kommt auch Gast und Never-Ending-Playboy Rolf Eden nicht an, und mag sein geschniegelter Anzug noch so blendend weiß sein. Michael Ammer ist übrigens auch da auf der Münchner Praterinsel, genau wie Katja Bienert und Giulia Siegel. Wer die Namen nicht kennt, hat auch nichts verpasst. "Robbie Williams kommt auch noch", verrät Holger Breiner. Robbie Williams? Der Superstar? Wirklich? Holger Breiner überlegt, runzelt die Stirn, die Augen hinter seiner Sonnenbrille blicken müde. "Ron Williams", verbessert er sich. Gut, kann schon mal passieren, dass man einen D-Prominenten mit einem A-Prominenten verwechselt.

Keine Exklusivveranstaltung für Superreiche

Breiner betitelt die von ihm und Jürgen Bremer aus dem Boden gestampfte "Luxurious Fair" als "erste deutsche Luxus- und Millionärsmesse." Das missfällt nicht nur dem mysteriösen "Mister Moneymaker", auch Klaas Obma hat etwas dagegen. Der nämlich veranstaltet die "Millionaire Fair", die im Oktober erstmals in Deutschland stattfinden wird, auf dem Messegelände in München Riem. "Wir sind das Original", sagt Klaas Obma. Und tatsächlich gibt es die "Millionaire Fair" bereits seit 2001, die Messe für die oberen Zehntausend gastierte schon in Dubai, Moskau, Cannes, Amsterdam und Shanghai. "Wir können das auch", meint Holger Breiner.

Bis Sonntag, 18. Mai werden 70 Aussteller auf 3000 Quadratmetern ihre Produkte zeigen. Eine Exklusivveranstaltung für Superreiche ist es nicht: Wer 35 Euro zahlt, kommt rein. Renate Steiger zum Beispiel, die gesteht: "Mein Geldbeutel ist zu klein, um etwas zu kaufen." Vor wenigen Minuten noch bestaunte sie ein Handy aus Massivgold, mit 1720 Diamantsteinchen besetzt. Kostenpunkt: 179.000 Euro. "So etwas sieht man nicht alle Tage, mir ist jetzt noch ganz heiß", sagt sie. Freundin Edeltraud Langer stöhnt: "Oh je, hier kommt man erst auf Ideen, was man sich wünschen könnte." Eine Hoffnung haben beide: "Vielleicht gewinnen wir noch im Lotto, dann schlagen wir zu."

"Der reiche Jäger will sich vom armen Jäger unterscheiden"

Ob man aber seinen Lottogewinn ausgerechnet auf der "Luxurious Fair" lassen sollte, darf man sich gerne zwei Mal überlegen: Einige Produkte geben zwar vor, exklusiv zu sein, doch man hat so seine Zweifel, ob sie es tatsächlich sind. Wie erklärt sich beispielsweise der Preis für das 13-seitige Buch "Die Aufgabe", für das der Schweizer Autor Alexander Hartmann 156 Millionen Euro verlangt? "Niemand weiß, was drin steht", argumentiert Messesprecher Hans Mühlbauer. "Sonst wäre es ja nicht so teuer." Und wie erklärt sich, dass die Urenkelin des letzten Königs von Bengalen Selbstporträts verkauft, deren künstlerische Qualität in einem merkwürdigen Verhältnis zum Preis von einer Million Euro steht?

Manche Dinge werden auch einfach nur auf Luxus getrimmt: bauchige Plastikflaschen beispielsweise mit Diamanten besetzt, Opale auf Schrotflinten angebracht. Und wer wissen will, ob die Welt wirklich auf eine Edelstein besetzte Schrotflinte für 70.000 Euro gewartet hat, dem antwortet Hersteller Oswald Prinz: "Der reiche Jäger will sich ja vom armen unterscheiden". Und weil sich der reiche Strandkorbbesitzer vom armen Strandkorbbesitzer unterscheiden will, sind Strandkörbe mit Infrarotlampen zu haben, mit Kühlbox und mit eingebautem Aschenbecher. Auf der Messe gibt es auch Whirlpools mit Düsen, die irgendwie alles können. Keramiküberzüge für die Zähne, ein 250.000- Euro-Parfum, einen 375.000-Euro-Flügel mit einer Tonne Gewicht und die Yacht "Christina O." für 70.000 Euro Chartergebühr pro Tag. Immerhin inklusive einer 30-köpfigen Crew.

Luxus à la Lieschen Müller

Für zwölf Quadratmeter Ausstellungsfläche müssen die Aussteller 4800 Euro hinblättern. Ob sich die Investition lohnt? "Jede Möglichkeit, sich zu präsentieren auf einer Messe ist eine tolle Chance", sagt Oliver Gebert mit seiner Edelhandy-Kollektion. "Das ist reine Zeitverschwendung hier", schimpft ein anderer Aussteller. "Die wirklich Reichen kommen garantiert nicht. Hier wollen alle nur gucken, aber nicht kaufen." Er sagt, er habe sich das anders vorgestellt. Als er sieht, wie zwei sehr blondierte Frauen im weißen Luder-Outfit mit Cowboystiefeln hereinkommen, schüttelt er den Kopf.

Alles nur geträumt? Messebesucher Hasan Cobanli, noch eben in eine Armbanduhr vertieft, ist sich nicht sicher, wo er hier gelandet ist. "Wird hier gezeigt, was sich Lieschen Müller unter Luxus vorstellt?", fragt er sich. Seine Beurteilung der "Luxurious Fair" lautet: "Grässlich!" Und seine einzige Hoffnung ist: "Vielleicht ist das alles eine ganz große Verarschung, und wir fallen alle drauf rein". Insofern, lieber Frank Elstner, kommen Sie doch bitte endlich heraus aus Ihrem Versteck.

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