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22. Mai 2008, 12:11 Uhr

Zur Schau getragenes Understatement

Mick Jagger trug sie bei seiner Hochzeit, Kurt Cobain hatte sie angeblich an seinem Todestag an, und selbst Lady Di streifte sie sich über die königlichen Füße: die Converse All Stars, auch Chucks genannt. Auf den Spuren einer Legende. Von Susanne Kaloff

Das Foto ist unscharf. Man sieht ihn rücklings auf dem Teppichboden liegen, die Füße von sich gestreckt, nachdem er sich das Hirn mit einer Schrotflinte weggepustet hatte. Es ist nicht genau zu erkennen, aber es wird behauptet, Kurt Cobain habe an seinem Todestag schwarze Chucks getragen. Das war am 8. April 1994. Spätestens seit diesem Rock-'n'-Roll-Suicide gehörten die Converse All Stars zur Grunge-Uniform und waren einmal mehr geadelt.

Chucks, benannt nach dem Basketballspieler Chuck Taylor, waren schon immer ein Symbol für Freiheit, Autonomie, Rebellion, Jugendkultur, für hey ho, let's go! Punkrocklegende Joey Ramone von The Ramones trug sie, die Jungs von The Clash fegten damit über die Bühne. Heute haben sie Bands wie The Strokes und The Kills abgelöst, und Chucks gehören zum Rock 'n' Roll dazu wie das Groupie zur Band.

Im nächsten Jahr feiert der Converse All Star, der meistverkaufte Schuh der Welt, nun also seinen 100. Geburtstag, und man fragt sich: Wie kann ein billiger, unspektakulärer, simpler Turnschuh über Jahrzehnte so überaus erfolgreich sein? Wie macht er das, ohne sich anzubiedern, ohne sich zu verbiegen und ohne eine Spur peinlich zu sein? Chucks symbolisieren keinen Luxus, Chucks sind kein Statussymbol, sie sind Weltanschauung, und stehen vor allem für einen entspannten Rock-'n'-Roll-Lebensstil.

Das Jawort in weißen Chucks

Bereits 1962 war der schwarze "Oxford" der Lieblingsschuh der Beach Boys. Mit den Beach Boys entdeckten ihn auch die anderen lässigen Jungs am Strand für sich und Chucks wurden zum Must-have für Surfer. Der Schuh mit der weißen Gummikappe war schon immer einer, der sagte: Ich bin ein bisschen anders als ihr! Das wollte wohl auch Mick Jagger sagen, als er 1971 in St.Tropez seiner Bianca das Jawort gab. Er trug einen Dreiteiler und dazu, wie es sich für einen Rockstar gehört, weiße Chucks. Das Geheimnis eines Rockstars ist nicht Anpassung, nicht Veränderung, nicht Neuerfindung, sondern Authentizität. Ein Rockstar biedert sich nicht an, folgt keinen Trends. Ein Rockstar bleibt sich selber treu, macht sein Ding, immer schön gegen den Mainstream.

Auch die All Stars blieben sich treu und sahen schon immer so aus wie heute. Jede Generation ist mit dem gleichen Schuh groß geworden: ein schlichter Basketballschuh aus Canvas. Während die große Marken wie Nike oder Adidas durch immer neue Trends auf sich aufmerksam machten, blieben Chucks immer Old School, solide ohne Klimbim.

Der Verweigerungsschuh unter den Sneakers

Man könnte auch sagen, der Converse All Star ist der Verweigerungsschuh unter den Sneakers, der sich allen albernen Modeerscheinungen bisher beharrlich verweigerte. Verweigerung ist Widerstand, ist Revolte, ist Protest - alles Attribute, die etwas Cooleres atmen als Fitness und ergonomisches Fußbett. Sie sind hip, aber nicht zu hip, subversiv, aber nicht zu aufständisch, sie sind elitär, aber nicht arrogant, und sie sind vor allem wahnsinnig sympathisch.

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