. .
Mode - Trends und Fashion
Schlagzeilen Themen Mobil iPad Blogs Investigativ Hefte
 
Fotocommunity
Fotocommunity

Treffpunkt für ambitionierte Amateurfotografie. Bilder hochladen und bewerten, sich mit anderen Austauschen. mehr...

Weblogs bei stern.de
Weblogs bei stern.de

Die Online-Tagebücher bei stern.de: Freie Autoren schreiben hier persönlich, direkt und eigenständig. mehr...

Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka
sternTV - Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka

Vertiefende Informationen zu der aktuellen und den vergangenen Sendungen von sternTV. mehr...

stern Investigativ
stern Investigativ

Das Recherche-Team des stern. Erfahren Sie mehr über die Recherchespezialisten und ihre Enthüllungen von Terrorismus bis Wettmanipulation. mehr...

 
19. Oktober 2006, 12:00 Uhr

Die Frau, die aus der Kälte kam

Normalerweise passt André Leon Talley (ganz rechts) auf seine Chefin auf - doch vor dem Angriff mit einer Tofu-Torte in Paris 2005 konnte er sie nicht bewahren© Picture-Alliance/DPA

Anna wuchs in London als Tochter des "Evening Standard"-Chefredakteurs Charles Wintour auf. Familie Wintour galt als hochgebildet, politisch liberal, sozial engagiert und "lächerlich schlecht gekleidet", wie sich die ehemalige Chefin der britischen "Vogue", Alexandra Shulman, erinnert. In einem Interview von 1986 erzählte Wintour von ihrer Jugend: "Angesichts der akademischen Erfolge meiner Geschwister fühlte ich mich wie eine Versagerin. Sie waren superschlau, also arbeitete ich daran, dekorativ auszusehen." Dementsprechend hatte sie schon als Teenager nur vier Dinge im Sinn: Mode, schlank bleiben, ältere Männer (gern mehrere gleichzeitig, sie ging mit Monty Python Eric Idle und Bob Marley aus) sowie den Traum, Chefredakteurin der "Vogue" zu werden.

"Es ist verblüffend, dass ihre Chefs Anna stets einen Schreiber zur Seite stellen mussten, weil sie keine zwei Worte fehlerfrei formulieren kann", erklärt der Biograf Oppenheimer. "Aber sie überwand alle Handicaps, weil sie einen hellseherischen Sinn für Mode hat."

"Welchen Job hätten sie denn gern?" "Ihren."

1970 begann sie ihren Weg als Praktikantin bei "Harpers & Queen"; ihr erstes Engagement bei der US-"Vogue" trat sie 1983 an. Die damalige Chefin Grace Mirabella fragte: "Welchen Job hätten sie denn gern?", und Wintour antwortete: "Ihren." Nachdem sie sich mit Verleger Sid Newhouse angefreundet und die Belegschaft gegen ihre Chefin aufgehetzt hatte, ließ Mirabella Wintour nach London versetzen. 1986 leitete die Intrigantin die britische "Vogue" so erfolgreich, dass Condé Nast sie zurückholte nach New York, wo sie 1988 den Chefposten bei der "Vogue" erhielt. Man sagte ihr damals eine Affäre mit Sid Newhouse nach. Wintour hielt eine Rede an die Redaktion - und stritt unter Tränen ab.

Silber statt blond: Meryl Streep als Wintour-Wiedergängerin Miranda Priestly in "Der Teufel trägt Prada"

Nachdem sie knapp die Hälfte der Belegschaft entlassen hatte, setzte Wintour ihr Konzept für die "Vogue" durch, das die Mode enorm beeinflusste. Das Credo lautete: "Klasse für die Masse". Sie wollte ein Magazin, das von Glamour und Luxus in seiner reinsten Form handelt und das dennoch eine Auflage von 1,3 Millionen Exemplaren erreicht - und in anzeigenstarken Monaten mehr als 750 Seiten dick sein kann. Eines von Wintours ersten Titelbildern zeigte ein Model mit Lacroix-T-Shirt zu 10 000 Dollar und Jeans zu 50 Dollar. Kurz darauf ging sie dazu über, Stars statt Models aufs Cover zu heben; zu ihren Titelpromis zählen unter anderem Oprah Winfrey und Hillary Clinton. Die Kombination aus High und Low Fashion, die heute alltäglich erscheint, provozierte damals einen Aufschrei in der Branche. Schnell aber nahm das Ansehen des Heftes als Trendsetzer des internationalen Modegeschehens zu. Wintour konnte Fotografen, Designer, Models beliebig buchen und erpressen: Wenn jemand für die Konkurrenz arbeitete, erklärte Wintour ihn zur Persona non grata. Die "New York Times" fasst zusammen: "Anna hält ihren Finger nicht in den Wind, sie ist der Wind."

Anzeichen von Altersmilde

In den vergangenen Jahren bemerkten einige Redaktionsmitglieder Anzeichen von Altersmilde bei Anna Wintour. Sie lässt in ihrem Magazin inzwischen auch Frauen zu Wort kommen, die nicht über perfekte Maße verfügen, aber sich politisch oder gesellschaftlich engagieren, unter ihnen die Schriftstellerin Joyce Carol Oates und die Präsidentin von Chile, Michelle Bachelet. In einem ihrer seltenen Interviews sagte sie dem Wochenendmagazin des britischen "Guardian": "Wenn Sie sich ein gutes Modefoto außerhalb seines Kontextes anschauen, wird es Ihnen genauso viel über den Zustand der Welt verraten wie eine Überschrift der "New York Times".

Neuerdings tritt sie an der Seite ihres Lebensgefährten Shelby Bryan als Spendensammlerin für die Demokraten auf. Sie ist so beherzt bei der Sache, dass einige Beobachter mutmaßen, die Modewelt langweile Wintour, und sie wolle nun in der Politik Karriere machen. Vielleicht hat Anna Wintour ein gutes kaltes Herz - Humor besitzt sie auf jeden Fall: Zur Premiere des Films "Der Teufel trägt Prada" erschien sie komplett gekleidet in: Prada.

Übernommen aus ... Stern Stern
Ausgabe 40/2006

Mitarbeit: Viola Keeve, Dirk van Versendaal
1 2
weiter  
 
 
MEHR ZUM ARTIKEL
Tierschützer-Angriff Törtchen-Attacke auf "Vogue"-Chefin Wintour

"Vogue"-Chefredakteurin Anna Wintour ist eine der mächtigsten Frauen der Modebranche, vor ihrem Urteil zittert die Fashion-Welt. Weniger beeindruckt davon zeigten sich wieder einmal "Peta"-Tierschützer. mehr...

"Vogue" versus "Herald Tribune" Vor ihren Urteilen zittert die Modewelt

Wenn die Top-Journalisten Anna Wintour oder Suzy Menkes zu Modenschauen erscheinen, atmen Designer auf. Beide sind Schlüsselfiguren der Fashion-Szene und setzen weltweit Trends. mehr...

MEHR ZUM THEMA
powered by wefind WeFind
 
Leser werben Leser

Jetzt den stern empfehlen und attraktive Prämie sichern!

 
 
 
 
 
stern - jetzt im Handel
stern (22/2012)
Dick im Geschäft