
Eigenwerbung: Die Schmuckdesignerin präsentiert selbst entworfene Ketten© Katja Heinemann
Zwischendurch schnell ein vegetarisches Mittagessen - Becker besteht wie immer darauf, für alle zu bezahlen. Das fällt auf an ihr: Sie ist großzügig, gibt mindestens doppelt so viel Trinkgeld wie nötig. Ein Essen scheint ihr nicht zu schmecken, wenn sie es nicht bezahlt hat. "Es soll doch allen gut gehen", sagt sie. Und der Trick funktioniert. Die Laune steigt mit jeder Rechnung, die Barbara Becker übernimmt. Am Tisch wird über Ernährung gesprochen, und alle sind sich einig: "Der Käse ist das größte Problem, die Menschen essen zu viel Käse."
Dann nichts wie runter nach SoHo, wo Beckers Freundin Jalaine in ihrer Boutique "Bagutta Life" Kleider von Babs' Lieblingsdesignern verkauft: Alexander McQueen, John Galliano, Roberto Cavalli. Doch halt! An der Ecke Bleecker und Hudson Street hält Barbara Becker inne. Sie lehnt sich an den Zaun eines Spielplatzes und sagt: "Wartet bitte mal kurz, das muss ich mir hier genau angucken." Auf dem Spielplatz sitzen acht Kinder auf acht Schaukeln, und acht Männer passen auf die Kinder auf. Mütter sind nirgends zu sehen. "Das ist schon ungewöhnlich", sagt Becker. Sie, die alleinerziehende Mutter, möchte sich das jetzt noch ein paar Momente lang anschauen.
Im Jahre 2001 hat sich ihr Mann, der berühmteste Ex-Tennisspieler Deutschlands, von Barbara Becker scheiden lassen, und seitdem ist sie die berühmteste Exfrau Deutschlands. Über diese Tatsache ist sie nicht weiter böse, sie bereut nichts in ihrem Leben und schon gar nicht die Ehe mit dem Vater ihrer beiden Söhne. Jeder hat sein Päckchen zu tragen, und ihres ist wenigstens ordentlich gefüllt. Sie weiß, dass es ihr besser geht als den meisten anderen Frauen in einer solchen Lage. Und doch strengt es sie an, die Kinder allein aufzuziehen und gleichzeitig nach der eigenen Freiheit zu suchen. Sie hat immer ein bisschen das Gefühl, es niemandem recht zu machen. Die Zeit, die ihr pro Tag bleibt, sich um ihr Leben, ihre Karriere zu kümmern, wird knapp zwischen Frühstück- und Abendbrotmachen für die Jungs.
Übernommen aus ...
Stern
Ausgabe 03/2003