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6. Oktober 2008, 01:51 Uhr

Es gibt sie wieder, die guten Dinge

Was die engagierten Käufer vereint, ist die Suche nach den guten Dingen: Hat man erst mal den Händler oder Designer seines Vertrauens gefunden, teilt man sein Wissen gern mit Gleichgesinnten. Das Internet hilft: Sie suchen fair gehandelten Kaffee mit milder Säure und feiner Crema? Designerhandtaschen aus pflanzlich gegerbtem Leder? Dutzende Foren, Blogs und Internetseiten bewerten von der Bohne bis zum Baumstamm fast alles, was verarbeitet und verkauft wird.

Gut sein können die Dinge dabei auf vielerlei Art: Wer Nahrungsmittel nicht beim Bauern kauft, vertraut auf das Biosiegel als Qualitätsbeweis. Bei Kleidung ist das nicht ganz so einfach. Es ist zwar beruhigend, wenn die Baumwolle pestizidfrei angebaut und nicht von Kinderhand geerntet und verarbeitet wurde. Aber in erster Linie soll das T-Shirt daraus gut aussehen.

Lohas tragen keine Latzhosen

Die Ökos der 80er Jahre waren oft noch leicht zu erkennen an Latzhose, Jutehemd und Jesus-Sandalen - die Lohas tragen Organic Designerjeans, Handtaschen aus recyceltem Industriefilz und vegane Pumps ohne Leder. Wer auf Fernreisen mit horrenden CO₂-Emissionen nicht verzichten möchte, versucht den Klimaschaden bei "Atmosfair" auszugleichen, einer Organisation, bei der Flugreisende freiwillig für die von ihnen verursachten Treibhausgase Ablass zahlen. Oder er bucht bei einem Reiseveranstalter, der dem exotischen Urlaub einen Mehrwert hinzufügt: Der arbeitswillige Reisende kann afrikanische Waisenkinder betreuen, karibische Korallen schützen oder mexikanische Schildkröten bei der Eiablage bewachen.

Die "Bionadisierung der Gesellschaft" ("Frankfurter Allgemeine") reicht von der Wiege bis zur Bahre: Babys werden ökologisch korrekt gewickelt, Omis ökologisch korrekt bestattet. Vom Ehering bis zur Tütensuppe werden so viele Güter wie möglich mit Fairtrade- oder Biosiegeln versehen. Das hat auch kuriose, zuweilen alberne Auswüchse: Kettenanhänger in Form von Brokkoli oder Erbsen, "Veggie Jewels", sind zwar von der Natur inspiriert, aber deswegen noch lange nicht ökologisch vergoldet. Das besonders mineralhaltige und daher gesunde Wasser einer Schwarzwaldquelle wurde zwar von der Zeitschrift "Öko-Test" mehrfach ausgezeichnet - wird es aber um die halbe Welt verschifft, kann von Nachhaltigkeit keine Rede mehr sein. Wer also tatsächlich nachhaltig und bewusst konsumieren will, sollte sich mit den Hintergründen der Produkte beschäftigen. Manches wird er danach verwerfen - anderes dagegen erscheint allein wegen der schönen Geschichte dahinter als noch begehrenswerter.

Speziell kleine Handwerksbetriebe und Manufakturen profitieren von diesem Bedürfnis. Dort werden hochwertige Dinge gefertigt, für die viele Kunden auch bereit sind, einen höheren Preis zu zahlen. Damit verbessern sie zwar nicht unbedingt die Welt, durchbrechen aber eine Konsumkette: Es geht nicht mehr darum, möglichst billige Produkte, egal woher, zu bekommen, die Käufer wollen nun wissen, wer die Waren wie herstellt. In diesem Journal werden einige Macher der guten neuen Dinge vorgestellt: ein Metzger am Kaiserstuhl, Strickerinnen im Emmental und Sportschuhhersteller in Mecklenburg. Menschen, die ökologisch und moralisch korrekte oder einfach nur hochwertige Waren herstellen, die gut schmecken, gut aussehen und die auch funktionieren.

Ab und zu eine Ausnahme

Doch auch der vorbildlichste Verbraucher macht Ausnahmen. Die Moderatorin Nina Eichinger kauft zwar ausschließlich Bioprodukte, aber einem guten Steak will sie nicht widerstehen. "Ich esse wahnsinnig gerne Rind - auch wenn ich da moralisch eigentlich nicht hinterstehe."

Selbst der Vegetarier Thomas D ist nicht frei von kleinen Ess-Sünden: "Ich bin kein Heiliger, der sich komplett biologisch ernährt - ich kaufe auch im Supermarkt ein." Dafür endet sein Umdenken auch nicht an der Kühlschranktür. In Thomas Ds Kleiderschrank stapeln sich T-Shirts und Jacken der Kölner Marke "Armedangels", coole Klamotten, die fair gehandelt und pestizidfrei hergestellt werden. Derzeit testet Thomas D Textilien aus Biobambus, die er bunt bedruckt als Fan- Shirts verkaufen will. "Das ist, was mir an dem Begriff Lohas gefällt", erklärt der Musiker, "dass eine umweltbewusste Lebensweise nicht bedeuten muss, dass man scheiße aussieht."

Übernommen aus ... Stern Stern
Ausgabe 40/2008

Von Claudia Pientka
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