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25. September 2008, 10:24 Uhr

"Ein beeindruckendes Relikt"

Gleichermaßen für langsames wie höheres Tempo geeignet

Beim Praxistest wird schon auf den ersten Metern deutlich: Die Lunges haben sich viele Gedanken um ihre Laufschuhkonstruktion gemacht. Der Abrollvorgang ist neutral und dynamisch. Der Fuß bewegt sich weitgehend neutral. Der Schuh stützt, vor allem auf der Innenseite, beeinflusst aber den Bewegungsablauf nicht. Das ist gut. Dadurch entsteht ein flüssiger, dynamischer Abrollvorgang - was vor allem ambitioniertere Läufer bevorzugen. Die Dämpfung ist verglichen mit aktuellen Top-Modellen der Volumenhersteller eher auf der harten Seite; wobei es so scheint, dass sich der C-Dur im Laufe der ersten etwa 100 Kilometer noch einläuft und die anfangs eher steife Mittelsohlenkonstruktion weicher wird. Dabei ist die Dämpfung sowohl für Fersen- wie für Mittelfußaufsetzer geeignet: Die meisten Läufer setzen den Fuß beim Laufen mit der Außenkante der Ferse zuerst auf dem Boden auf und rollen dann über den gesamten Fuß ab. Mittelfußläufer setzen gleich mit dem Mittelfuss auf, die Dämpfungsphase ist dementsprechend kürzer.

Laufschuhe, Laufschuh Lunge, Joggin, Laufen

Echte Handarbeit: Eine Näherin bei der Fertigung eines Laufschuhs© Gunter Glücklich

So puristisch der äußere Eindruck, so unproblematisch ist auch das Abrollverhalten des Schuhs. Dabei ist er gleichermaßen für langsames wie höheres Tempo geeignet; auch bei einem etwas flotteren Tempo von vier Minuten pro Kilometer fühlt sich der Schuh gut an. Das liegt an mehreren Faktoren. Mit dem Gewicht von 365 Gramm (Größe US 11,5) gehört er nicht zu den leichten Schuhen, aber vor allem die gute Flexibilität im Ballenbereich lässt ihn dynamischer und leichter erscheinen. Dazu ist das Obermaterial im Vorfußbereich weitestgehend frei von Besätzen oder Applikationen. Und die Schnürung endet deutlich oberhalb des Abknickbereichs des Fußes - viele Modelle haben mittlerweile eine weit in den Vorfußbereich hineinreichende Schnürung, was zwar die Justiermöglichkeit in der Vorfußbreite beeinflusst, sich mitunter aber negativ auf das Abknickverhalten des Schuhs auswirken kann.

Bei aller Dynamik bietet die Konstruktion des C-Dur aber auch gute Stabilität. Läufer, die eine leichte bis mittlere Tendenz zur Überpronation haben, sind mit dem C-Dur sehr gut bedient. Als Überpronation wird bei Läufern das übermäßige Nach-Innenknicken des Fußes während des Abrollvorgangs bezeichnet. Der Schuh soll dem entgegenwirken. Der C-Dur errreicht das durch verschiedene Mittel: Die Leistenform ist nur leicht gebogen. Die härtere Schicht des EVA-Schaums in der Mittelsohle setzt auf Höhe des Fersenbeins ein und reicht vor bis an den Ballenbereich. Die Fersenpartie ist relativ flach, und der Erstkontakt mit dem Boden und die erste Phase des Abrollvorgangs werden sehr sanft eingeleitet. Die Außensohle mit dem rutschsicheren Continental-Profil bietet eine breite Auftrittfläche. Vor allem aber: Die Ausformung der Einlegesohle im Fersenbereich bietet sehr frühe Unterstützung gegen das übermäßige Einknicken des Fußes nach innen (Überpronation). So werden das Quer- und Längsgewölbe spürbar durch die Einlegesohle unterstützt (Pelotten). Gerade der häufigsten Form der Überpronation, die erst spät im Abrollvorgang einsetzt ("Late-stage-overpronation"), wird spürbar und wirkungsvoll entgegenwirkt.

Da ist Musik drin

Mein erster persönlicher Laufeindruck ist also sehr positiv. Läufer, die schon längere Erfahrung mit Laufschuhen haben, mögen sich ein wenig an Schuhe wie den einstigen Asics-Klassiker Alliance erinnert fühlen. Wie der Alliance ist der C-Dur puristisch und direkt, eher hart gedämpft, vermittelt einen guten Bodenkontakt und ein gutes Lauffeeling. Dabei wirkt er sehr dauerhaft. Der C-Dur nimmt im Vergleich zu den Markenprodukten eine Sonderstellung ein. Die Mittelsohle kommt ohne jegliche externe Stützen, Mittelfußbrücken oder eingesetzte Dämpfungs- oder Stabilitätselemente aus. Damit erscheint er wie ein Laufschuhrelikt aus alter Zeit inmitten der Hightech-Runningschuhe; aber funktionell kann dieser Laufschuh-Saurier durchaus beeindrucken, da sollte der äußere Eindruck nicht täuschen.

Das äußere Erscheinungsbild - eine Anmutung fast wie beim Retro-Modell - lässt bei dem von mir getesteten (Vorserien)-Modell (es werden nur noch Kleinigkeiten zur Serie verändert) nach meinem Empfinden noch Raum für Verbesserung. Aber vielleicht ist dies auch gerade die Chance des Schuhs, als puristischer, durchdachter und ehrlicher Alltagslaufschuh ohne Schnickschnack. Entgegen dem eher biederen Äußeren ist der erste Laufeindruck sehr positiv. Im C-Dur ist Musik.

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Von Urs Weber
Seite 1: "Ein beeindruckendes Relikt"
Seite 2: Gleichermaßen für langsames wie höheres Tempo geeignet
 
 
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