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22. Juli 2006, 10:00 Uhr

"Weg vom funny Kartoffeldruck!"

Die Geisterfahrer Auf der Messe Bread & Butter wird Mode wieder wie eine Kirmesattraktion ausgestellt© Markus Altmann

Doch Talent allein reicht nicht mehr, um sich in Berlin als Designer halten zu können. Fast noch wichtiger, sagt Otberg, seien oft verkannte Sekundärtugenden: "Pünktlich liefern, in bestellter Stückzahl. Und saubere Verarbeitung." Wer nur "guckt und grinst", scheitere an der großen Konkurrenz - wenige Straßen entfernt buhlen schließlich die Luxustempel der Friedrichstraße, die "Galeries Lafayette", das "Quartier 206" sowie die neueste Flaneur-Adresse "The Corner" am Gendarmenmarkt um Kundschaft.

Berlin als tation innerhalb des internationalen Modezirkels

Das Ausland nimmt gespannt Notiz vom Berliner Modegeschehen: 2005 gewann im südfranzösischen Hyères mit "c.neeon" erstmalig ein deutsches Label den begehrten Nachwuchsdesigner-Preis. Die jungen Schöpferinnen Clara Kraetsch und Doreen Schulz überzeugten die Jury mit großflächigen Mustern und asymmetrischen, sportlichen Schnitten in Signalfarben. Hyères war für sie das Sprungbrett auf die London Fashion Week, sogar eine kleine Kollektion für die britische Kette Top Shop folgte. Ähnlichen Zuspruch erlebten die Betreiberinnen des schrägen Berliner Modeladens "Konk": Ettina Schultz, 26, und Sonja Lotz, 31, erhielten kürzlich den Auftrag, ihr Ladenkonzept nach Tokio zu exportieren. Dort gestalteten sie den Shop "Wut Berlin" - das Geschäft laufe blendend, berichten Schultz und Lotz.

Die Reduzierten Im Schneewittchen-Look präsentieren sich die "Kaviar Gauche"-Designerinnen Johanna Kühl (l.) und Alexandra Fischer-Roehler. Links ihre erfolgreichen Lamellentaschen© Markus Altmann

Auch dank dieser kleinen Erfolge entwickelt Berlin sich zur festen Station innerhalb des internationalen Modezirkels. In der Regel kommen 40 Prozent der Besucher von Bread & Butter aus dem Ausland. Das schafft Selbstvertrauen: Seit Ende Mai kümmert sich das Kreativennetzwerk "create Berlin" um den Ruf der Stadt. Zu den Mitgliedern zählen das Kaufhaus "Galeries Lafayette", die Modeschule Esmod, die Universität der Künste sowie die Verantwortlichen der Bread & Butter und der Luxusmesse "Premium". Der Verbund hat Schauen mit Berliner Mode in Mailand und Tokio organisiert, bald stehen Präsentationen in Moskau und in Paris an.

"Die Zeit ist reif, aus Berliner Labels echte Marken zu machen", sagt Jörg Wichmann, einer der Vorstände des Netzwerkes. Sein Mitstreiter Norbert Tillmann, Chef der "Premium", pflichtet ihm bei: "Wenn es in Deutschland eine Stadt zur internationale Modemetropole bringen kann, dann ist das Berlin." Trotz der Geisterbahn, die schon wieder ihre Runden dreht auf der Bread & Butter.

Übernommen aus ... Stern Stern
Ausgabe 29/2006

Mehr Infos bei stern.de www.stern.de/Mode-Berlin Hier finden Sie die besten Berliner Modeshops im Überblick sowie Messetermine

Von Susanne Haase, Viola Keeve, Nora von Westphalen
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