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30. Mai 2005, 10:41 Uhr

"Die Mode leidet unter dem Zuviel"

Modenschau des Labels Cerruti in Mailand© DPA

Jetzt sind Sie erst mal Hamburger: Mit Ihrer Lebensgefährtin haben Sie sich eine Wohnung am Alsterfleet gekauft.

Hamburg ist die schönste Stadt Deutschlands. Auf ihre klassisch elegante Art.

Bei den Berliner Filmfestspielen saßen Sie neulich in der Jury. Da gab es einiges Stirnrunzeln wegen des Mannes aus der Mode.

Tja. Dabei war ich sogar einmal Produzent, mit drei Freunden zusammen. Leider wollte niemand den Vertrieb übernehmen, und so wurde der Film nur ein einziges Mal gezeigt - bei einer Privatvorführung des Regisseurs. Jeder von uns Produzenten hat dann ein Viertel des Films mit nach Hause genommen.

Hollywood-Schauspieler sind Sie auch.

Reiner Zufall. Ich kam zum Set von "Der Guru", um ein Kleid bei Kelly Preston abzuliefern, da rief der Regisseur: "Wir brauchen hier jemanden, der so aussieht wie ein Modemacher!" Ich bekam sogar einen Wohnwagen gestellt.

Lange bevor der Synergieeffekt entdeckt wurde, profitierten Sie von der Kooperation zwischen Mode und Film.

Das kam nach und nach, weil so viele Schauspieler Kunden meines Geschäfts waren: Belmondo und Mastroianni, Alain Delon, Orson Welles.

Ihr seltsamster Kunde?

Salvador Dal'. Während sein Gefolge ihm die Kleider hielt, stand er gestikulierend mitten im Geschäft und sprang in langer Unterhose umher. Meine Seligsprechung erfuhr ich, als eines Tages drei wichtige Herren gleichzeitig in meiner Pariser Herrenboutique auf Shoppingtour gingen: Karl Lagerfeld, Hubert de Givenchy und André Olivier, Cardins rechte Hand.

Von 1986 an machten Sie Ernst mit Hollywood und engagierten einen Agenten.

Er machte sich bezahlt, nicht nur weil er all die Drehbücher prüfte, die man mir schickte. Eines Tages standen drei Männer gleichzeitig auf dem Oscar-Podium, und alle trugen Cerruti: Jack Nicholson, Clint Eastwood, Warren Beatty. Ich bin, glaube ich, der Einzige, dem das je gelang.

Heute laufen die Oscar-Verleihungen unter dem Namen "Armani-Night".

Dabei hat Giorgio Armani von mir erst alles übers Filmgeschäft gelernt. Jahrelang waren wir die Einzigen, die sich um Kostüme kümmerten. Bis sich dann Anfang der Neunziger alle Modehäuser auf Hollywood schmissen. Das Überangebot an Designern bei gleichzeitigem Mangel an Filmstars trieb die Preise in absurde Höhen. Wir hatten nie dafür bezahlt.

Gute Designer gelten als schlechte Kostümbildner: Anstelle der Schauspieler statten sie vor allem ihr eigenes Ego aus.

Ich habe meine Drehbücher vorher immer gelesen und modische Aspekte bei der Ausstattung beiseite gelassen. Michael Douglas zum Beispiel bekam in "Basic Instinct" Anzüge von mir, die zu groß waren, um elegant zu sein. Das sollte zeigen: Mit diesem Mann geht es bergab. Jeremy Irons trägt in der "Affäre der Sunny von B." ein Bustier, denn jemand vom Stande eines Claus von Bülow wendet nicht den Kopf, wenn er angesprochen wird - er wendet den ganzen Körper. Tom Hanks verlor während der Dreharbeiten zu "Philadelphia" nicht genug an Gewicht, um sein Elend zu zeigen; also haben wir gleichzeitig seine Anzüge immer größer gemacht. Bei diesem Film hatten übrigens schon einige Modemacher vor mir abgelehnt, weil sie mit dem Thema Aids nicht in Verbindung gebracht werden wollten.

Gefällt Ihnen Hollywood?

Das einzig Spannende sind jene Kreise, in denen jeden Abend Partys gefeiert werden.

Haben Sie noch Kontakte?

Zu Michael Douglas. Lange Zeit haben wir uns einmal pro Jahr getroffen: er und seine Frau, der Fotograf Paolo Roversi, die amerikanische Journalistin Barbara Walters und, bis zu seinem Tod, Christopher Reeve. Wir alle haben am 25. September Geburtstag.

Würden Sie zum Schluss bitte ein Rätsel lüften? 30 Jahre lang verbeugten Sie sich auf dem Laufsteg in einem gelben Pullover. War es immer derselbe?

Nein, allein deswegen nicht, weil mein Körperumfang sich verändert hat. Zwei Konfektionsgrößen sind am Ende dazu- gekommen. Aber trotzdem hat er mir stets Glück gebracht.

Übernommen aus ... Stern Stern
Ausgabe 21/2005

Dirk van Versendaal
Seite 1: "Die Mode leidet unter dem Zuviel"
Seite 2: Jetzt sind Sie erst mal Hamburger: Mit Ihrer Lebensgefährtin haben Sie sich eine Wohnung am Alsterfleet gekauft.
 
 
 
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