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8. Januar 2004, 17:15 Uhr

Ein Modell für Millionen

Entspannung beim Yoga© Katja Heinemann

Nun wäre es zunächst nicht weiter verwunderlich, dass eine Frau mit dem urdeutschen Namen Barbara Becker beim Großversand den Umsatz ankurbelt. Doch urdeutsch sieht sie nicht gerade aus, sie ist, wie sie selbst sagt, schwarz. Otto verschickt seinen Katalog an mehr als acht Millionen Adressen, ein gutes Fünftel aller Haushalte in Deutschland und ganz sicher nicht der progressivste Teil der Bevölkerung. Frau Rissen sagt, dass nicht ein Beschwerdebrief eingetroffen ist. Im Gegenteil: "Auf Barbaras Hautfarbe hat mich noch niemand angesprochen. Meine Kollegen hat das auch nicht interessiert. Die ethnischen Models verkaufen ohnehin sehr gut bei uns."

Barbara Becker wuchs auf in Karlsruhe als Tochter eines amerikanischen Soldaten und einer Badenerin. Die Eltern trennten sich früh, und die neuen Männer an der Seite ihrer Mutter waren weiß. Später machte Becker in München eine Ausbildung in Tanz, Schauspiel und Gesang. "Ich kann mich nicht erinnern, dass ich diskriminiert wurde", sagt Becker. "In meiner Jugend hatte ich nur manchmal das Gefühl, anders zu sein." Als sie dann die Ehefrau des großen deutschen Tennishelden wurde und ihren Namen von Feltus in Becker änderte, hat dieses Gefühl, anders zu sein, aufgehört. "Aber natürlich dichtete die Presse mir böse Gerüchte an. Inzwischen ist mir so was egal. Ich habe es aufgegeben, mich zu erklären." Nun ist sie die erste schwarze Repräsentantin des Otto-Versands. Ob sie darauf stolz ist? "Ich weiß, dass mich in Deutschland niemand mehr als Schwarze sieht. Die Leute erkennen mich nur noch als Barbara Becker. Ich tauge nicht als Rollenmodell."

Ein paar Tage nach der Rückkehr aus New York sitzt Barbara Becker auf der Terrasse des Hotels Shore Club in Miami Beach, und auf ihrem Schoß turnt der vierjährige Elias. Sein Bruder Noah, neun, spielt am Strand Football. Er ist in so ziemlich jeder Sportart der Beste seiner Klasse, sagt seine Mutter. Noah bringt auch gute Noten nach Hause. Und wenn er lächelt, werden sogar ältere Mädchen rot. Becker sagt, die beiden hätten von jedem Elternteil die besten Eigenschaften mitbekommen. Zu Hause kümmern sich die Jungs um einen kleinen Zoo: das vietnamesische Hängebauchschwein Porky, eine Schlange, ein Hund, eine Katze, die Nagetiere - alle wollen Futter. Lässt es die Zeit zu, spielt Barbara Becker mit ihren Jungs und den Haustieren am Strand von Fisher Island; sie sagt, dies seien Momente "größten Glücks".

Ihrem Ex-Mann hat sie verziehen, den Zorn auf ihn besiegt. So oft wie möglich trifft sie ihre Freundinnen, ebenfalls geschiedene Frauen berühmter Sportler: Marita war mit dem Basketballstar Reggie Miller verheiratet und Robin mit Mike Tyson. Ansonsten ist ihr Alltag in Miami streng durchdekliniert: morgens meditieren, die Kinder zur Schule bringen, im Fitnessstudio Gewichte stemmen, Kinder wieder abholen. Und repräsentieren, organisieren, kommunizieren. Barbara Beckers liebstes Spielzeug ist ein Walkie-Talkie. Sie hält ständig Kontakt zu rund 40 Verwandten und Bekannten. "Vielleicht auch ein paar mehr." Dazu gehört Leander, der in Fisher Island auf die Tiere aufpasst, natürlich die Kinder, die Freundinnen, der neue Lebensgefährte Stan und der beste Kumpel Lenny - der Rockmusiker Lenny Kravitz. Menschen, die sie gern mag, nennt Barbara "Pooba". Übers Funkgerät klärt sie die großen und die kleinen Probleme des Lebens. Die meisten Gespräche haben nichts mit Mode zu tun.

Am Nachmittag hat Barbara Becker ihre Begleitung in einen kubanischen Sandwichladen geführt. Sie plaudert über deutsche Fußballtrainer im Ausland. Und fragt plötzlich: "Wie hieß noch der Deutsche in China mit dem Schlapphut?" "Schlappi." "Nee, anders. Ich muss nachfragen." Dann drückt sie auf das Walkie-Talkie und sagt: "Leander, bitte kommen, wie heißt der ehemalige Trainer von Waldhof Mannheim, der mal in China war?" Antwort von Leander: "Schlappi." Da ist sie dann doch ein wenig irritiert und noch ein wenig mehr, dass die Sandwichs bezahlt sind, bevor sie ihre Kreditkarte zücken konnte. Barbara Becker sagt: "Beim nächsten Mal geht die Rechnung auf mich, das ist versprochen." Und hat wieder gute Laune.

Übernommen aus ... Stern Stern
Ausgabe 03/2003

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