26. November 2008, 15:27 Uhr

Bye, bye Birne!

Um Energie zu sparen, will die EU ab 2009 schrittweise den Vertrieb von Glühbirnen verbieten. Ein Skandal, findet der deutsche Designer Ingo Maurer. Er will nicht auf das warme Licht aus der Birne verzichten - obwohl er selbst fast nur LED-betriebene Leuchten entwirft. Von Sandra Piske

Die strahlenförmigen Faseroptikleuchte "Kristall" der schwedischen Firma Lyx©

Wer den Münchner Lichtdesigner Ingo Maurer auf die Glühbirne anspricht, bekommt eine Antwort ähnlich der eines passionierten Rauchers, dem der Arzt die Glimmstängel verboten hat. Maurer gefällt überhaupt nicht, dass die EU als Klimaschutzmaßnahme ab 2009 schrittweise den Vertrieb der herkömmlichen Glühbirne verbieten will. Dabei müssen Leuchten, die heute noch mit Glühbirnen funktionieren, auch nach 2009 nicht ausrangiert werden: Hersteller wie Osram und Philips bieten schon jetzt jede Kerzenform alternativ als Energiesparlampe oder in Halogen an.

Maurer ist von dem warmen Licht der Glühbirne überzeugt: "Ich bin eindeutig dagegen, dass das Leben ganz ohne Glühbirne stattfinden soll. Man wird sie seltener einsetzen müssen, für besondere Feste, zu denen man eine entsprechende Atmosphäre schaffen will. Wir müssen lernen, bewusster und weniger verschwenderisch mit Energie umzugehen. Wo aber eingespart wird, sollte dem Einzelnen überlassen werden." Unter den Neuheiten seiner aktuellen Kollektion ist trotzdem kaum noch eine Leuchte zu finden, die mit einer herkömmlichen Glühbirne funktioniert.

Die Gestaltungsmöglichkeiten vom umweltfreundlichen Leuchtmittel LED oder Halogen begeistern Lichtdesigner und Hersteller. "Alizzcooper", Maurers neue schlangenförmigen Halogenleuchten-Familie, würde mit einer Glühlampe deutlich klobigere Köpfe benötigen. Auch flache Lichtquellen wie die Hängeleuchte "Cara" von Anta, bei der 70 LEDs auf silbernen Platinen strahlen, der schlanke LED-Kronleuchter "Calligrafico" von Valenti oder die strahlenförmigen Faseroptikleuchte "Kristall" der schwedischen Designfirma Lyx wären ohne grazile Leuchtmittel nicht denkbar. LED-Technologie bietet dazu die Möglichkeit, farbiges Licht einzusetzen. Beim LED-Glasziegel von Lei Yueh kann die Farbe je nach Stimmung gewechselt werden. "Hono" von Silver Seiko ist von Form und Farbe eines Streichholzes inspiriert. Die Spitze leuchtet dank LEDs rot, die Flamme flackert bei leichtem Wind und kann sogar ausgepustet werden.

Nicht nur spezialisierte Lichtdesigner wie Maurer oder Tobias Grau, der die Hängeleuchte "Falling" mit neuester LED-Technologie in Bezug auf Lichtintensität und Farbwiedergabe ausstattete, experimentieren mit Leuchtmitteln. Der britische Produktdesigner Ross Lovegrove stattete die Hängeleuchte "Mercury" für Artemide mit einer Hochvolt-Halogenlampe aus. Die quecksilberförmigen Tropfen spiegeln das Licht gegenseitig und streuen es so durch den Raum. Der New Yorker Architekt Hani Rashid setzte in seiner Kollektion "LQ", eine moderne Reminiszenz an den Stil Ludwig XIV., LED-Boards ein.

Der Umgang mit neuen Leuchtmitteln kann mitunter aufwendig sein. Die mechanischen und technischen Herausforderungen von LEDs kosteten den Industriedesigner Yves Béhar bei der Entwicklung der Schreibtischleuchte "Leaf" für Herman Miller schlappe viereinhalb Jahre. Dafür verbraucht sie nun bis zu 60 Prozent weniger Energie, kann die Lichtfarbe von warm bis sachlich wechseln und hat es in die ständige Ausstellung des New Yorker MOMA und das Centre Pompidou in Paris geschafft. Anders als Maurer trauert Béhar der Glühbirne nicht nach: "LEDs sind einfach die bessere Zukunft für uns. Sie bedeuten einen geringeren Energieverbrauch, weniger Abfall und einen besseren Ausdruck. Da sage ich liebend gerne 'Auf Wiedersehen'."

 
 
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KOMMENTARE (5 von 5)
 
soulseeker (28.11.2008, 09:41 Uhr)
Statt Glühbirnen zu diskutieren ...
Wie wäre es mal mit effizienteren Stromsparmethoden in der IT? Moderne PCs sind immer noch wahre Stromfresser ...
Ereichle (26.11.2008, 17:45 Uhr)
Wann untersagt endlich
irgendjemand COz-Politikern, Klimahysterikern und auf Untergangshysterie spezialisierten Chronisten ständig frische Warmluft zu produzieren und ungefiltert abzulassen?
ailenrog (26.11.2008, 17:30 Uhr)
*lol*
Warum schaffen wir diese unnötigen Stromverbraucher nicht gleich ganz ab und verwenden nur noch Kerzen. Ach so, um die herzustellen braucht's ja auch Energie... zu dumm. Dann gehen wir eben alle ins Bett sobald es dunkel wird...
hevosenkuva (26.11.2008, 17:24 Uhr)
Spitzenidee
Die meisten Energiesparlampen machen nach wie vor ein relativ scheussliches Licht, LEDs sind noch längst nicht so weit (ich hab schon "Halogen-Ersatz" für 25 Euro ausprobiert, lächerlich), Halogenlampen zählen zu den Glühbirnen und sparen nichts.

Und wo ist jetzt der Clou?
havranek (26.11.2008, 17:07 Uhr)
Helle Leuchte!
"Wir müssen lernen mit Energie weniger verschwenderisch umzugehen."
Wir müssen noch sehr vieles lernen, solange dieses Problem nicht gesetzlich verankert wird leuchten noch in 20 Jahren normale Glühbirnen. Zurzeit gibt es noch keine LED Lampe welche eine Glühbirne zu 100% (in ALLEN Bereichen) ersetzen kann, da muss man momentan immer noch irgendwelche Kompromisse eingehen. Preis, Helligkeit, Rohstoffe usw.
Lernen ist eine anstrengende Tätigkeit, das machen die wenigsten freiwillig... =)
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