Nach 20 Jahren gemeinsamer Arbeit blicken die Modeschöpfer Dolce & Gabbana zurück auf wilde Zeiten, eine große Liebe - und schwarze Höschen.

Die "ragazzi" Stefano Gabbana (links) und Domenico Dolce in ihrem Palazzo© Volker Hinz
Stefano Gabbana: Domenico ist Löwe, vom Sternzeichen her jedenfalls. Zum echten fehlt ihm eigentlich nur die Perücke.
Domenico Dolce: Für manche sind wir leider "die Herren Modeschöpfer" geworden. Auf der Straße siezt man mich immer häufiger. Sogar unsere jungen Assistenten tun das ab und zu.
Gabbana: Mamma mia, das kann hässlich sein. Ich weiß nie, ob das Siezen ein Ausdruck des Respekts ist oder gewollte Distanz.
Dolce: Stimmt, wenn mir jemand unsympathisch ist, greife ich sofort zum Sie.
Gabbana: Hauptsache, unsere Mode altert nicht vor unseren Augen. Das wäre echt hart. Was tun Sie gegen den körperlichen Verfall?
Dolce: Stefano treibt jede Art von Sport. Seit ich vor zwei Jahren Kreislaufprobleme bekam, gehe ich ins Fitnessstudio und mache morgens Aerobic.
Gabbana: Nach dem Aufstehen wirft er seine Jane-Fonda-Cassette ein und fängt zu turnen an.
Dolce: Du immer mit deinen Witzen!
Dolce: Dazu hatten wir keinen Grund. Wir haben 19 Jahre zusammengelebt, Tag und Nacht und in den Ferien, wie siamesische Zwillinge. Es ist uns nicht gelungen, das Privatleben von der Arbeit zu trennen, weil wir einander so nah waren.
Gabbana: Das war anderthalb Jahre sehr schwierig. Zuerst wollte ich sogar abhauen. Natürlich blieb ich - es wäre dumm von uns gewesen, die Jahre gemeinsamen Lebens aus dem Fenster zu werfen. Um unsere Arbeit kümmern wir uns wie um ein gemeinsames Kind.
Dolce: Einer wohnt im sechsten, der andere im fünften Stock. Tagsüber arbeiten wir zusammen, am Abend sehen wir uns jedoch selten, jeder führt sein eigenes Leben. Aber die Ferien verbringen wir manchmal gemeinsam. Für mich ist der wichtigste Mensch in meinem Leben immer noch Stefano.
Gabbana: Unser größter Erfolg ist sicherlich, dass wir immer noch hier sitzen. Nach 20 Jahren.
Gabbana: Es war damals schon nicht einfach, auch wir begannen in den Jahren der Krise. Nach einem kleinen Anfangserfolg 1986 sind wir bei Investoren hausieren gegangen, doch die sagten nur: Lasst es besser bleiben, Jungs!
Dolce: Schulden hatten wir auch. Also, Entschuldigung, dass ich das sage: Wer in der Modebranche scheitert, der tut es, weil er alles in allem nicht gut genug ist.
Dolce: Ich bin einfach bei ihm reinmarschiert und wusste nicht einmal, ob ich den hellen Teppich im Empfangsbereich betreten durfte. Meine Zeichnungen haben es aber nie auf den Schreibtisch von Armani geschafft.
Dolce: Nein, unsere ersten Rechnungen schrieben wir noch getrennt, selbst wenn sie an denselben Auftraggeber gingen. Bis uns jemand riet: Macht es euch doch einfach, schreibt beide Namen obendrauf. So ist Dolce & Gabbana entstanden.
Gabbana: Das hat sich beruhigt. Heute sind meist wir es, denen ein Label zum Kauf angeboten wird. Wir sind alle auf dem Markt und alle käuflich. Es geht nur um Macht, Macht und noch mal Macht. Und natürlich ums Geld.
Dolce: Es gibt zu viele Modelabels. Seit wir anfingen, ist die Mode zum großen Anziehungspunkt für junge Leute geworden. Alle finden die Modewelt so fabelhaft schick. Aber kaum jemand versteht, wie hart gearbeitet werden muss. Wo bleibt der weibliche Designnachwuchs?
Gabbana: Die einzige Modemacherin, die es wert ist, sich an sie zu erinnern, ist doch Coco Chanel. Frauen entwerfen nur Kleider für sich und ihre Welt, ihre Fantasien beschränken sich auf sich selbst.
Übernommen aus ...
Stern
Ausgabe 39/2005
"Es wäre hart, wenn unsere Mode vor unseren Augen altert"