Und schaden kann es auch nicht, einen großen Namen zu tragen: Elettra Rossellini hat als Model gerade ihren ersten Millionenvertrag unterschrieben - bei dem Konzern, der ihre Mutter Isabella einst feuerte.

Geschätze Gage: drei Millionen Dollar. Elettra Rossellini ist das neue Gesicht der Firma Lancôme© Getty Images Editorial
Elettra Rossellini wartet auf den Stufen vor ihrem Haus im West Village in New York mit einem Kaffeebecher in der Hand; es ist kühl draußen. Die 23-Jährige trägt eine Schirmmütze, Jeans und irgendein T-Shirt, sie könnte kaum weniger divenhaft aussehen. In ihr Appartement bittet sie nicht; sie will verhindern, dass anschließend zu lesen ist, wie sie sich eingerichtet hat. Und so findet das Gespräch auf den Stufen statt, im Wind.
Ich habe ihr geantwortet, ich würde das Poster meiner Mama suchen und darunter auf Hilfe warten. Als kleines Mädchen dachte ich, alle Mütter hätten ein Foto von sich, unter das sich ihre Kinder setzen könnten. Bei uns lagen nie Modemagazine herum. Ich wusste also nicht, dass meine Mutter einen so besonderen Job hatte.
Was heißt das schon, die schönste Frau der Welt? Das ist ein Konstrukt, so etwas existiert doch nicht. Für mich war sie immer nur eine coole Lady, meine Mutter eben, ich habe in ihr nie etwas anderes gesehen.
Überhaupt nicht! Sie hat nie in Töpfen gerührt und Pasta gemacht. Sie ist viel gereist. Sie war Schauspielerin, eine weltgewandte, moderne Geschäftsfrau. Von meinem Vater, Jon Wiedemann, trennte sie sich, als ich drei Jahre alt war.
Ich empfinde mich nicht als besonders schön. Ich sehe meine Pigmentflecken, meine Pickel, habe gute und schlechte Tage, meist schlechte. Wie das eben jede Frau zu 90 Prozent ihrer Zeit glaubt.
Es gehört zu meinen prägendsten Erfahrungen, so lange nicht gesund gewesen zu sein. Ich konnte zum Beispiel fast keinen Sport treiben - nur beim Schwimmen durfte ich die Schiene abnehmen. Da lernt man eine Menge darüber, anders zu sein. Doch glücklicherweise musste ich nicht operiert werden wie meine Mutter.
Nie. Brüste zu haben ist doch eine gute Sache, oder?

Elettra Rossellini zeigt sich gern mit ihrer Mutter - so auch auf diesem Werbeplakat© dpa Picture-Alliance / XAMAX
Jeder weiß, dass sie 54 ist. Warum sollte sie so tun, als wäre sie jünger? Sie hat das Modeln aufgegeben und produziert jetzt ihre eigenen Filme. Da ist sie diesem Druck nicht mehr ausgesetzt.
Ich habe sie leider nie kennengelernt, sie starb ein Jahr vor meiner Geburt. Um ehrlich zu sein: Für mich ist Ingrid Bergman ein Leinwandstar wie andere auch.
Meine Mutter ist sehr gut damit umgegangen - sie hat darüber geredet und dann etwas Neues angefangen. Sie wusste: Im Kosmetikgeschäft geht es eben um den Traum von Jugendlichkeit, und den konnte sie halt nicht mehr erfüllen.
Sie wäre kaum glücklicher gewesen, wenn ich ihr mitgeteilt hätte, dass ich schwanger bin oder heirate.
Weil ich so heiße. Erst als ich als Model gearbeitet habe, wurde ich Rossellini genannt. Ich lehne den Namen ja nicht ab, aber ich bin mehr als die Tochter meiner Mutter. Ich habe einen Vater, Geschwister und Großeltern.
Die haben absolut recht. Ich bin in dieses Geschäft hineingestolpert, als mich Fotograf Bruce Weber für eine Anzeige von Abercrombie & Fitch entdeckt hat. Ein, zwei Jahre geht das schon gut, auf dem Familienticket zu reisen. Am Ende aber zählt, was du kannst. In unserer Leistungsgesellschaft geht es nicht um Gunst und Gnade.
...und Geschichte. Damit kann ich in vielen Bereichen arbeiten. Umwelttechnologie interessiert mich. Natürlich liebe ich Mode, aber der Laufsteg allein, glaube ich, würde mich verrückt machen. Das Leben als Model ist sehr stumpf und unruhig, nicht jeden Tag gibt es einen Job.
Es war immer ein harter Wettbewerb, den früher nur circa acht Mädchen beherrscht haben, Supermodels wie Naomi Campbell oder Claudia Schiffer. Heute haben mehr Models eine Chance. Ich mache inzwischen kaum noch Shows. Das ist ziemlich angenehm. Ich betrete diese Welt für ein Shooting, dann verlasse ich sie wieder. Ich habe kaum Models als Freunde.
Überhaupt nicht. Ich habe wirklich ziemliches Glück. Ich werde nie erkannt.
Übernommen aus ...
Stern
Ausgabe 22/2007