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4. Februar 2006, 10:07 Uhr

"Edel-Fast-Food" statt Fritten und Burger

Schnelle und gesunde Küche ist in immer mehr Großstädten eine Alternative zu Sandwich, Pommes oder fettigen Kartoffelecken. Experten sehen eine "Revolution des Fast-Foods" voraus.

Eine Köchin rührt im Schnell-Restaurant "Cha Cha" in Hamburg den Wok© Ulrich Perrey/DPA

Die Dame am Eingang verteilt Chipkarten an die Gäste, die sich für ihre Pasta brav in die Schlange stellen und beim Verlassen des Restaurants mit der Karte bezahlen. Die Köche hinter dem offenen Fronttresen sind schnell. Routiniert werfen sie die exakt vorportionierten Zutaten - frische Pasta, Zwiebeln, Tomaten, Pilze in den Wok, kurz geschwenkt - schon lassen sie das Gericht schwungvoll auf den Teller gleiten. In einigen Metropolen gibt es jetzt neue trendige Restaurants, die eilige Gourmets mit schneller gesunder Küche als Alternative zu Sandwich, Pommes oder fettigen Kartoffelecken locken. Experten sehen in ihnen bereits Vorboten für eine "Revolution des Fast-Foods".

"Mensa für Anzugträger"

Das Ambiente in diesen Food-Tempeln ist modern und stimmungsvoll: Im Vapiano, das es in Deutschland bereits in mehreren Städten gibt, werden selbst gemachte Pasta und Pizza angeboten, die Gäste sitzen auf beigen Lederbänken. Das Interieur ist hochwertig, überall stehen große Töpfe mit frischen Kräutern. In einem Barbereich lädt eine Lounge nach oder vor dem Essen zum Verweilen ein, dazu entspannende Hintergrundmusik. Das Cha Chá in Hamburg bietet thailändische Kost an langen Tischen und Bänken aus edlem Bambus, ein zwei Meter großer goldener Buddha symbolisiert Ruhe und Ausgeglichenheit. Auch das Woyton (u.a. in Düsseldorf) und das MoshMosh in Frankfurt werben mit frischen Produkten in kommunikativer Atmosphäre. "Mensa für Anzugträger" titelte unlängst ein Magazin.

Der Trend kommt aus den USA. Dort gibt es mehrere Ketten im Bereich "Fast-Casual", so der Fachbegriff. Das Wagamama in London war das erste dieser Art in Europa - inzwischen gibt es weltweit über 60 Filialen. Auch das Tibits in Zürich gehört mit seiner vegetarischen Küche zu diesen neuen Restaurants. Das Essen wird meist in einer offenen "Showküche" direkt vor dem Gast und nach seinen Wünschen zubereitet. Es steht damit für eine in vielen Lebensbereichen mehrfach zitierte "neue Ehrlichkeit", die damit auch in der Gastronomie Einzug hält. "Scharf oder nicht so scharf?", fragt der Koch, bevor er zu den Chilischoten greift. Die Rechnung liegt pro Gast durchschnittlich bei etwa zehn Euro.

Frische und regionale Zutaten

Im Gegensatz zum traditionellen Fast-Food werden frische und möglichst regionale Zutaten verwendet. Häufig ist das Rauchen in diesen Läden verboten. "Die Restaurants dieses neuen Typs sind auf jeden Fall auf Erfolgskurs", sagt Stefanie Heckel vom Deutschen Hotel- und Gaststättenverband DEHOGA. Das Neue ist unter anderem auch der Einsatz modernster Technik etwa beim Bezahlen oder Bestellen.

"Leute, die keine Zeit haben, brauchen die schnellen Alternativen, da ist es nur zu begrüßen, wenn sich da qualitativ etwas bewegt", sagt Achim Becker, leitender Redakteur beim Magazin "Der Feinschmecker". "Diese Restaurants werden das Gesicht der Fast-Food- Branche entscheidend verändern", ist Stefanie Heckel überzeugt. Die Zeit ist reif, das Gesundheitsbewusstsein der Menschen ist gestiegen, nach Ansicht von Ernährungspsychologen liegt gutes Essen in der Lusthierarchie der Deutschen gleich hinter Urlaub, Familie und - je nach Alter - Sex. Zukunftsforscher Matthias Horx sagte bereits vor Jahren eine "Fast-Food-Revolution" voraus und prognostizierte weltweit einen "substanziellen Wandel von Fast Food zu Fast-Casual".

Dass es gerade Deutschen gefallen könnte, sich gemeinsam mit Wildfremden an lange Tische zu setzen, mag verwundern, gehört aber durchaus zum Konzept. Im Gegenteil, "der Flirtfaktor ist hier sehr hoch", sagt Manager Gerd Brauer, während er im Cha Chá an seinem frisch gepressten Saft nippt. Bisweilen, so Trendforscher Matthias Horx, würden solche Ketten gar zu so genannten "Third Places" - Orte, zwischen Büro und Zuhause.

Karolin Köcher, DPA
 
 
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