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Aus L.A.? Nee, aus Osthessen!

Die Taschen von George, Gina & Lucy kamen aus dem Nichts und vermehren sich nun wie Karnickel. Dahinter steckt ein deutsches Trio, das mit absurden Gerüchten wirbt.

Von Miriam Collée

Wer Massentrends beobachten will, muss auf Spielplätze gehen. Seit vor einigen Jahren der Feldzug der Bugaboo-Kinderwagen begann, parken Armeen davon vor den Sandkisten. Kurz darauf baumelte an den Karren schon das nächste Phänomen: George, Gina & Lucy. Bunte, dezente Nylontaschen, nichts Besonderes. Wäre da nicht dieses Logo mit drei Namen in zentimeterdicker Schrift. Wer es einmal wahrgenommen hat, den verfolgt es. In der Bahn, im Supermarkt, im Sportclub.

Alters- und schichtenübergreifende Frauenbataillone tragen die drei Namen durch Deutschlands Straßen, in Österreich, Italien, Russland vermehren sie sich täglich. 2006 wurden europaweit 400 000 Taschen des Labels, das vor drei Jahren aus dem Nichts auftauchte, verkauft; für 2007 sind 700 000 geplant. Kein Wunder also, dass Nicolas Neuhaus, einer der Gründer, wirkt wie ein Trommelhäschen, das man zu weit aufgezogen hat. "Wahnsinn, was da draußen abgeht", japst er atemlos ins Handy.

Trendy, aber nicht zu weit vorn

Die Geschichte von George, Gina & Lucy ist die Geschichte von Herrn Neuhaus, seiner Frau Nicole Bailly und seinem Freund Oliver Bruhn. 2004 entwerfen sie im hessischen Langenselbold mit ihrer Designfirma Departmentgreen Nylontaschen - trendy, aber nicht zu weit vorn, praktisch, wasch- und bezahlbar (50 bis 100 Euro). Sie lassen 1500 Stück in China produzieren, statten sie mit großen Karabinerhaken aus, einem noch größeren Logo und geben ihnen Namen wie "Little Sushi" oder "Anything goes".

Praktischerweise betreibt Nicoles Vater zehn Boutiquen. Er stellt die Taschen in die Auslagen, lässt Kontakte spielen. Nach wenigen Wochen ist die Kollektion ausverkauft. Drei Monate später werden die ersten Modelle bei Ebay zum doppelten Preis versteigert. In Internetforen wird verzweifelt nach Hinweisen gefahndet: Wo kann man sie kaufen? Welcher Designer steckt dahinter?

Absurdestes Gerücht lancierten die Gründer

Bis heute weiss kaum jemand, wer hinter dem Label steckt. Und in Langenselbold bemüht man sich, dass das so bleibt. Ein Unternehmensporträt aus Hessen wäre eben nicht halb so aufregend wie die Gerüchte, die über George, Gina & Lucy kursieren. Mal sollen die Taschen von US-Häftlingen genäht werden, mal soll Dieter Bohlen seine Finger im Spiel haben. Das absurdeste Gerücht lancierten die Gründer selbst: Nicoles Großtante LUCY soll sich in Los Angeles in GEORGE verliebt haben. Als sie zurückkam, blieb ihr von ihm nur eine Tasche voller Erinnerungen und, Achtung: ihre ImaGINAtion. Wie viel Drogen braucht man für so eine Geschichte? "Ach", sagt Neuhaus, "solange man über uns rätselt, ist alles gut."

Wie der Name wirklich zustande kam, bleibt sein Geheimnis. Inzwischen gibt es neben Nylon- auch Leder- und Lack-Kollektionen, das Vertriebsnetz explodiert, Boutiquen von Dänemark bis Hongkong verkaufen "Loveboat" und "Needs Botox". Mit limitierten Auflagen hält Neuhaus das Angebot knapp. Die Kehrseite des Erfolgs: Der exklusive Berliner Shop The Corner nahm die Taschen kürzlich aus dem Programm. Inhaber Josef Voelk: "Es gibt einfach zu viele davon."

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