Chef bei Hugo Boss - eigentlich ein Traumjob. Dafür tauschte Claus-Dietrich Lahrs Paris gegen Metzingen ein. Dann traf ihn die Krise. Ein Gespräch über Maßnahmen gegen den Abschwung, Feiern mit Kunden und über graue Haare.

Claus-Dietrich und Iris Lahrs bei der Eröffnung der Fashion Week 2009 in Berlin© Michael Gottschalk/DDP
Drei Jahre garantiert. Wenn Sie ihn pfleglich behandeln, auch länger.
Wer gern Anzug trägt, hat Lust auf andere Schnitte, auf eine andere Farbe, einen neuen Stoff. Gerade in schwierigen Zeiten sollte man besonders gut angezogen sein.
Die Gruppe, die Sie meinen, geht regelmäßig ins Büro und will gut gekleidet sein. Wer die Stilfrage mit einem guten Auftreten verbindet, wird sich weiterhin bewusst kleiden. Vielleicht sogar bewusster als früher.
Die ersten Anzeichen, dass etwas passieren kann, waren im Frühjahr 2008 zu sehen. Danach ging alles so schnell, dass auch die Luxusbranche sich von der Erschütterung nicht mehr abkoppeln konnte. Früher hieß es immer, dass Luxus eine eigene Welt sei, aber das stimmt nicht mehr: Die Branche hat sich in den Jahren zuvor geöffnet und eine Breitenwirkung erzielt, die nicht mehr erlaubt zu sagen, wir sind von der Krise nicht betroffen. Luxus lebt von einem guten Gefühl, von einer guten Stimmung und von der Sicherheit, dass das, was heute ist, auch morgen noch Bestand hat. Wenn das alles schwindet, hat auch das Luxussegment einen schweren Stand.
Die Marken, für die ich gearbeitet habe, haben es nicht übertrieben.
Ich will die Preispolitik einzelner Marken nicht kommentieren. Aber: Alle Marken werden dieses Thema neu bewerten. Trotzdem fände ich es falsch, wenn die erfolgreichen Luxusanbieter ihre über Jahre entwickelte Preispolitik jetzt opferten, nur weil die Situation der Konsumenten im Moment etwas angespannter ist. Luxus muss Luxus bleiben.
Wir sind keine Luxusmarke, sondern eine Prestigemarke. Wir liefern zuverlässig und haben eine berechenbare kreative Aussage - das wird sich auch 2009 für uns auszahlen. Ich bleibe optimistisch.
Wir geben weiterhin viel Geld dafür aus, haben es aber neu verteilt: Wir müssen einerseits unsere starken Märkte, etwa Deutschland, verteidigen, deswegen haben wir auch an der Fashion Week in Berlin teilgenommen. Wir müssen aber auch neue Märkte erobern, vor allem in Asien.
Dieses Geschäft ist wichtig. Aber wir sind in erster Linie eine Modemarke, und in Paris wollten wir die Handschrift unseres Designers Bruno Pieters deutlich herausstellen. Vielleicht zeigen wir beim nächsten Mal mehr Taschen und andere Accessoires.
Wer sich zu einem Designer bekennt, muss ihm auch die Designhoheit überlassen. Reinreden ist nicht meine Aufgabe.
Zur Person Claus- Dietrich Lahrs, 45 und Sohn des ehemaligen Thyssen-Vorstands Karl-Heinz Lahrs, übernahm im August 2008 den Chefposten bei Hugo Boss. Zuvor arbeitete er bei Dior in Paris. Sein Vorgänger Bruno Sälzer hatte sich im Frühjahr 2008 mit dem Eigentümer des Modeunternehmens, dem Finanzinvestor Permira, überworfen. Lahrs, Diplomkaufmann, ist verheiratet und hat zwei Kinder