Die Modebranche ist farbenblind

14. August 2013, 18:39 Uhr

Drei Wochen vor Beginn der New York Fashion Week prangert Supermodel Iman Rassismus in der Modebranche an. Das Thema schwelt seit Jahren. Vom Tisch ist es deshalb nicht. Von Julia Kepenek

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Supermodel Iman ruft zum Boykott von Designern, die keine schwarzen Models buchen©

Wenn am 5. September in New York die Modewoche beginnt, werden die schönsten Frauen der Welt die Trends für das kommende Frühjahr präsentieren. Langbeinige Blondinen wie die Deutsche Toni Garrn, natürliche Beauties wie die Amerikanerin Karlie Kloss oder asiatische Models wie Liu Wen. Nur einige sieht man selten: dunkelhäutige Mädchen wie Joan Smalls, Jordan Dunn oder Chanel Iman. Die Modebranche hat noch immer ein Rassismusproblem.

Fünf Jahre nachdem die italienische "Vogue" ihre viel beachtete "Black Issue" auf den Markt brachte und Designer wie Diane von Furstenberg mehr kulturelle Vielfalt auf den Laufstegen forderten, hat sich kaum etwas geändert. Im Gegenteil. Nach einem kurzfristigen Karrierehoch für schwarze Models im Jahr 2009, werden sie heute seltener denn je gebucht. Das gilt vor allem für die Präsentationen bei der New Yorker Modewoche.

Das Blog "Jezebel" erstellte für die vergangenen fünf Jahre genaue Diagramme, wie viele Models welcher Herkunft auf den Laufsteg geschickt wurden. Demnach ist die Zahl dunkelhäutiger Mädchen deutlich gesunken. Laut "Jezebel" wurden in der vergangenen Saison fast 83 Prozent der gezeigten Looks von weißen Mädchen vorgeführt. Nur sechs Prozent der Models waren dunkler Hautfarbe. Das sind noch weniger als ein paar Monate zuvor, als acht Prozent schwarze Models gebucht wurden. Während sich die Zahl asiatischer Models in den vergangenen fünf Jahren fast verdoppelt hat, bleibt die afroamerikanischer Model seit Jahren unverändert oder sinkt.

"Wir entwickeln uns zurück"

"Hier läuft etwas total falsch", sagte Iman der "New York Times". Die heute 58-Jährige war vor allem in den Achtzigern ein gefragtes Model. Damals war es selbstverständlich, dass Designer wie Gianni Versace, Calvin Klein oder Yves Saint Laurent mit Models verschiedener Herkunft und Hautfarbe arbeiteten.

"Wir haben einen schwarzen Präsidenten und eine schwarze First Lady. Man sollte meinen, dass sich etwas verändert hat. Dem ist aber nicht so. Im Gegenteil, wir entwickeln uns zurück", sagte Iman über die aktuelle Situation. Zur kommenden New York Fashion Week plant die Ehefrau von Musiker David Bowie einen groß angelegten Boykott von Designern, die keine schwarzen Models buchen.

Zuspruch erhält Iman von der Modelagentin Bethann Hardison. Sie setzt sich seit fast 30 Jahren für mehr Vielfalt in der Modebranche ein. Hardison, selbst schwarz, will Iman mit einer Social-Media-Kampagne in ihrem Vorhaben unterstützen. So sollen Konsumenten auf Designer aufmerksam gemacht werden, die schwarze Models ignorieren. "Vielleicht denken die Käufer dann ein zweites Mal nach, ob sie diese Tasche, diese Schuhe oder diese Accessoires kaufen", sagte Hardison.

Dior und Prada lenken ein

Dass Protest durchaus Erfolg haben kann, beweisen Designer wie Raf Simons oder Miuccia Prada. Der Belgier, seit 2012 Chef des französischen Modehauses Dior, wurde heftig kritisiert, weil er für seine Modenschau im März dieses Jahres ausschließlich weiße Models buchte. Vier Monate später, bei der Präsentation der Haute-Couture-Kollektion, schritten immerhin schon sechs schwarze Models über den Laufsteg.

Zeitgleich präsentierte das Luxuslabel Prada seine neue Herbst-Winter-Kampagne. Deren Star ist das 19-jährige Model Malaika Firth, geboren in Kenia, aufgewachsen in Großbritannien. Für Prada glich das einer Revolution. Denn so fortschrittlich das italienische Modehaus bei seinen Entwürfen ist, so rückwärtsgewandt präsentierte es sich bisher bei der Auswahl seiner Models. Das letzte schwarze Model, das eine Prada-Kampagne zierte, war Naomi Campbell. Das war im Jahr 1994.

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