Allein seine Sommergarderobe umfasst 30 Anzüge, für sein tägliches Make-up braucht er zwei Stunden. Ein Gespräch mit Patrick McDonald, New Yorks männlicher Style-Ikone.

Partylöwe aus Prinzip: Patrick McDonald lässt keinen wichtigen gesellschaftlichen Anlass in New York aus© Getty Images
Patrick McDonald, 48, gilt als bestangezogener Mann Manhattans. Modischer Trendsetter seit den Zeiten des Discobooms, ist er heute begehrter Ehrengast jeder Party, nicht zuletzt wegen seiner Leidenschaft für die Kosmetik. Fotos seiner vielbestaunten Auftritte erscheinen regelmäßig in Modebeilagen und Klatschspalten. McDonald ist Ressortleiter Lifestyle der Zeitschrift "aRUDE", Kolumnist des Magazins "Paper" und PR-Berater des amerikanischen Modedesigners John Anthony.
Natürlich, viele Passanten auf der Straße beäugen mich, als käme ich aus dem Weltall. Ich bin aber auch schon von vielen heterosexuellen Männern angesprochen worden, die mich als Inspiration empfanden. Ich zeige ihnen, dass man Mut haben muss, sich so zu präsentieren, wie man sich schön findet.
Zugegeben, ich gehe natürlich eine Spur weiter als die meisten Männer. Aber Make-up sollte nicht nur für Frauen eine Möglichkeit sein, ihre Persönlichkeit auszudrücken und Aufmerksamkeit zu erlangen. Ich bin mir sicher, auch jeder Mann möchte das. Und keiner sollte sich dafür schämen, attraktiv und schön sein zu wollen.
Etwa zwei Stunden. Das ist Arbeit, das erfordert Disziplin. Ich wasche zunächst mein Gesicht mit sehr heißem Wasser, am besten mit einem Handtuch, damit sich die Poren öffnen, danach lege ich Feuchtigkeitscreme auf. Ich benutze sehr viel Nivea
Es muss nicht immer das schicke, teure Produkt eines namhaften Herstellers sein, auch wenn ich für die Herren-Kosmetikserie von Jean Paul Gaultier guten Gewissens Werbung machen würde. Ich benutze Nivea seit 28 Jahren, ich rasiere mich auch mit einer Mischung aus Nivea und Rasiercreme. Mein Credo lautet: Halte dich ans Wesentliche. Zähneputzen und Zahnseide, nach dem Rasieren eine Lotion, eine getönte Tagescreme für die kritischen Partien unter den Augen .
Für mich natürlich unverzichtbar, aber ich bin nicht jedermanns Maßstab.
Womit auch immer man sich wohler fühlt, was auch immer einen besser aussehen lässt - alles okay. Sei gut zu dir selbst, verwöhne dich. Soweit es Peelings betrifft, würde ich jedoch von exzessiver Anwendung abraten, es kann die Haut zerstören. Ich habe schon Leute gesehen, deren Gesicht sah irgendwann wie eine Plastikmaske aus.
Ich weiß, dass jede Menge männlicher Stars in Hollywood es benutzen, und ich glaube auch, dass es wirkt. Ich selbst scheue mich aber noch, mir Botox spritzen zu lassen. Ich habe nämlich Angst davor, es könnte meine Augenbrauen starr machen. Und von denen hängt mein Gesichtsausdruck ab.
Ich mag Hüte, wenngleich ich zugegebenermaßen etwas dünneres Haupthaar habe. Ich bin allerdings nicht so hysterisch, deswegen Haarwuchsmittel zu benutzen. Ich lasse mir auch keine Implantate setzen. Wenn das nämlich nicht gut gemacht wird, sieht der Kopf aus wie ein Maisfeld. Ich gehe alle zehn Tage zu meinem Friseur und arbeite mit Tönungs-Shampoos - das reicht. Dass dichtes Haar Macht bedeutet, diese Weisheit stimmt schon lange nicht mehr. Modisch in Ordnung ist heute alles, nur gepflegt muss es sein: Glatze, kurz geschnitten oder eine hohe Stirn.
Sie benutzen zu wenig Feuchtigkeitscreme fürs Gesicht. Und was mir immer wieder unangenehm auffällt: Man trifft auf perfekt gekleidete Businessmänner, denen ein Urwald aus den Ohren oder der Nase quillt. Für mich ist das völlig unerklärlich, auch abstoßend. So viel Disziplin muss man aufbringen; Nasen- und Ohrenhaare sind indiskutabel, auch männliche Augenbrauen bedürfen in aller Regel der Pinzette. Es sind die Details, an denen die meisten nicht arbeiten, ob das schmutzige Fingernägel sind oder unpassende Accessoires. Ein wenig Wimperntusche und ein Hauch Lippenstift setzen einen ebenso charmanten Akzent wie ein passendes Einstecktuch zum Anzug.
Ich empfinde mich als Maler, der seinen eigenen Körper als Leinwand betrachtet. Ich verwandele mich täglich in ein Kunstwerk, wobei die Arbeit nie abgeschlossen werden kann. Jeden Tag begegne ich neuen Inspirationen, sehe ein schönes junges, avantgardistisch geschminktes Mädchen im Park, einen Punk oder eine Drag Queen und übernehme Details für mich.
Es ist leider noch immer die vorherrschende Meinung, dass ein Mann, der gesteigerten Wert auf seine Erscheinung legt, gepflegt, auffallend geschminkt oder gekleidet ist, gleichzeitig schwul sein muss. Dummerweise ist das genau der Eindruck, den die meisten Männer absolut vermeiden wollen.
O ja, schwule Männer sind meistens gut in diesen Dingen. Aber ich denke, die Zeiten haben sich längst geändert. Es gibt ein riesiges Potenzial für Kosmetik und Make-up bei Männern. Ich glaube ja ohnehin, viele Männer verstecken die Produkte längst in ihren Toilettenschränken; sie trauen sich nur noch nicht, sie regelmäßig und in der Öffentlichkeit anzuwenden.
Mich beeindruckt dieses Theater um Metrosexuelle überhaupt nicht. Erstens verstehe ich nicht, warum man für alles, was der Zeitgeist hervorbringt, immer ein Etikett braucht. Zweitens ist dieses Phänomen nicht neu. Schon in den sechziger Jahren gab es Haarspray für Männer, Rockmusiker schminken sich ungeniert seit Jahrzehnten. Für mich ist das nichts anderes als ein Reklamerummel der Kosmetikindustrie, die so noch mehr Geld verdienen will. Wer den Mut zum eigenen Geschmack und Stil hat, braucht solche Orientierungshilfen sowieso nicht.
Interview: Gerhard Waldherr