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Origami am Körper

Besonderen Einfluss auf Kunst und Kultur würdigt das japanische Kaiserhaus jedes Jahr mit dem "Praemium Imperiale". In diesem Jahr darf sich auch ein Modedesigner darüber freuen - der Meister der Falten und Plissees.

Wie eine Ziehharmonika umschließen seine Faltenkleider die Taillen und machen aus zarten Modell-Körpern wandelnde Kunstwerke. Seit der japanische Designer Issey Miyake (67) vor einigen Jahren die Kollektion "Pleats Please" (Plissee Bitte) erfand, gilt der Modemacher als Herr über den Faltenwurf. Nun wird er für seine knitterfreien und dehnbaren Kreationen mit dem "Praemium Imperiale" ausgezeichnet.

Nobelpreis der Künste

Insgesamt fünf Künstler der Sparten Design, Tanz, Musik, Malerei und Architektur werden mit dem Kunst- und Kulturpreis des japanischen Kaiserhauses geehrt. Neben Miyake sind das in diesem Jahr der amerikanische Tänzer und Choreograf Merce Cunningham, die argentinische Pianistin Martha Argerich, der US-Maler Robert Ryman und der japanische Architekten Yoshio Taniguchi. Die mit jeweils 110 000 Euro dotierte Auszeichnung, die als "Nobelpreis der Künste" gilt, wird an diesem Dienstag in Tokio vergeben.

Alle Preisträger des "Praemium Imperiale" werden für ihren Einfluss auf die internationale Kunst und Kultur sowie für die gesellschaftliche Bedeutung ihrer Werke gewürdigt und von nationalen Beratern der Japan Art Association vorgeschlagen. Miyakis Faltenkreationen aus Polyester-Plissee waren richtungweisend für die Mode und wurden bereits in mehreren Ausstellungen und Museen gezeigt. Ryman arbeitet vorwiegend mit der Farbe Weiß; Taniguchi wurde zuletzt durch seine Modernisierung und Erweiterung des Museums of Modern Art (MoMA) in New York weltbekannt. Der mit 36 000 Euro dotierte Nachwuchspreis geht an die japanische Musikhochschule für Nachwuchstalente Kusatsu International Summer Music Academy.

Richard von Weizsäcker als Berater

Die Preisträger wurden zugleich von Altbundespräsident Richard von Weizsäcker in Deutschland und von der Japan Art Association in Tokio bekannt gegeben. Die Verleihung erfolgt im Rahmen eines Festakts in der japanischen Hauptstadt durch den japanischen Prinzen Hitachi, dem Bruder des japanischen Kaisers Akihito.

Zu den Preisträgern der vergangenen 16 Jahre gehören unter anderem die Maler Anselm Kiefer und Georg Baselitz, der Sänger Dietrich Fischer-Dieskau, der Dirigent Claudio Abbado, der Regisseur Jean-Luc Godard und der Musiker Oscar Peterson. Von Weizsäcker (85) kündigte in Berlin an, sein Amt als deutscher Berater für den Kunstpreis im nächsten Jahr abzugeben und in jüngere Hände zu legen.

pie/DPA/DPA

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