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Hau(p)tsache hochkarätig

Dass Gold und Diamanten zu Rausch und Fieber führen können, ist bekannt. Aber gehen sie auch unter die Haut? Seit Neustem reichert die Kosmetikindustrie ihre "Faltenkiller" mit Edelsteinen und -metallen an.

Werden in Fort Knox jetzt auch Zutaten für Cremes gelagert? Und in den Diamantenminen Südafrikas nach Rohstoffen für Peelings geschürft? So ist es, zumindest aus dem Blickwinkel der Kosmetikbranche. Die ist nämlich auf der Suche nach frischen Produkten zum Erhalt ewiger Schönheit auf die - verführerische - Kraft edler Steine und Metalle gestoßen.

Heilwirkung von Turmalin und Malachit

Was ist dran an den allerneuesten Cremes, in denen Diamanten, Turmaline, Gold und Perlenstaub drin sind? Okay, ein Schmuckstück kann ja von manch unschöner Linie ablenken - aber pulverisiert und in die Falte hineingeschmiert? Immerhin: In der dekorativen Kosmetik, bei Lidschatten, Make-up und Puder also, sind Edelsteine schon länger eine beliebte Schummelhilfe. Mikrofein gemahlene Partikel von Türkisen oder Opalen sorgen dafür, dass mittels Lichtreflexion kleine Unebenheiten weniger sichtbar werden. Die Haut wirkt glatter und ebenmäßiger, als sie in Wahrheit ist. In Cremes und Lotionen verarbeitet, sollen die Edelsteine jetzt vor allem die Intensität der Wirkstoffe erhöhen. Den Halbedelsteinen Turmalin und Malachit beispielsweise wurde schon im alten Ägypten heilende Wirkung zugesprochen.

Heute sollen edle Materialien dabei helfen, die oberste Hautschicht vor dem Eindringen von Bakterien zu schützen sowie die Produktion von kollagenen und elastinen Fasern anzukurbeln. "Auch in der Dermatologie werden traditionell Naturstoffe wie Schiefer, Ton oder Halbedelsteine verwendet, weil sie antientzündlich wirken und eine perfekte Trägersubstanz für medizinische Wirkstoffe bilden", sagt der Münchner Dermatologe Dr. Hans-Peter Schoppelrey.

Ein Traum: das ultrasanfte Diamant-Peeling

Von den Kosmetikfirmen wird der Effekt gern mit der Energie von Edelsteinen erklärt, die man sich als ein Zusammenspiel von Farbe, Licht und Schwingungen vorstellen müsse, das seine positive Wirkung auch in kosmetischen Produkten entfalten könne.

Das klingt schön esoterisch. Handfester und unmittelbar spürbar soll der Wirkungsnachweis von Diamanten sein. "Zu kleinsten Partikelchen verarbeitet, ist reiner Diamantstaub ein ultrasanftes Peeling", sagt Dr. George Cloca. Was Wunder: Wirkt der Doktor doch verantwortlich für Forschung und Entwicklung in den Max Huber Research Laboratories der Firma Estée Lauder in New York. Nach einem so genannten Diamant-Mikropeeling, behauptet er, sei die Hautstruktur verbessert, die Durchblutung werde angeregt, Pigmentflecken und feine Fältchen würden vermindert.

Kupfer fördert Wundheilung

Wissenschaftlich ernsthafter unter die Lupe genommen allerdings ist die Wirkung von Kupfer, der zum Beispiel auch in grünem Malachit steckt. Kupfer war als Therapeutikum bereits vor langer Zeit bekannt, und mit dem Wissen um seine reinigende Kraft setzten die Ägypter eine Mixtur aus Kupferspänen, Kuhfett und Honig zur Wundheilung ein. Im alten China war man gar so von der gesundheitserhaltenden Wirkung überzeugt, dass man als Zahlungsmittel statt Papier- Kupfergeld vorschrieb, um die Ausbreitung von Krankheiten zu verhindern.

Dass Kupfer bei zahlreichen Stoffwechselprozessen eine Rolle spielt, die wichtig für unser Aussehen sind, wird heute gern von der Kosmetikindustrie genutzt. "Die äußere Anwendung von Kupfer ist ein neuer Trend in der Dermakosmetik", sagt Professor Martina Kerscher, Dermatologin und Leiterin des Studiengangs Kosmetik und Körperpflege an der Universität Hamburg.

Mit fortschreitendem Alter baut sich der Kupfergehalt in den Zellen ab, das Gewebe verliert an Festigkeit, Fältchen entstehen. Zwar nimmt der Mensch Kupfer auch mit der Nahrung zu sich - jede Menge davon steckt in Nüssen, Hülsenfrüchten, und Getreide -, allerdings zu wenig, wie die amerikanische Gesundheitsbehörde Food and Drug Administration herausgefunden hat. Dermatologischen Studien zufolge sollen nun kupferhaltige Pflegeprodukte die Haut direkt mit dem wichtigen Spurenelement versorgen können.

Jüngeres güldenes Hautbild

Reinem Gold wiederum sagt man entzündungshemmende, beruhigende Eigenschaften nach. "In der Dermatologie ist bekannt, dass Gold seine Wirkung auf zweierlei Arten entfaltet: Die antibakterielle Wirkung beruhigt die irritierte Haut und stärkt deren Widerstandskraft. Außerdem erscheint das Hautbild jünger, weil Gold das Licht an der Oberfläche bricht", sagt der Münchner Dermatologe Dr. Gregor Wildi.

Julius Eulberg, Entwickler der Gesichtspflege Julisis, behauptet gar, dass Gold in wissenschaftlichen Experimenten kranke Zellen dazu gebracht haben soll, sich wieder zu ihrer ursprünglichen Form aufzubauen. Schließlich binde es das 300fache seines Eigengewichts an Feuchtigkeit in der Haut, stabilisiere die Hautfunktionen und stimuliere die Abwehrkräfte. Und Perlen? Die Juwelen des Meeres werden mittlerweile hauptsächlich gezüchtet - auf Tahiti, in Japan und Australien, wo man ihre Kraft auch in der Naturheilkunde schätzt.

Fältchen von innen aufpolstern

Die Kosmetikindustrie verspricht dazu, die Haut mit Extrakten aus Perlen jung halten zu können. Die entstehen, weil Perlmuscheln sich vor Eindringlingen schützen, indem sie sie Schicht um Schicht isolieren. Eine fertige Perle besteht dann aus bis zu 1000 Schichten, die verschiedene Wirkstoffe enthalten. Neben wichtigen Aminosäuren stecken Mineralstoffe in der Perle, die als wichtige Bausteine für die Haut gelten. Feiner Perlenstaub und die gewonnenen Aminosäuren würden dafür sorgen, die körpereigene Kollagenproduktion wieder anzukurbeln. Dadurch sollen Fältchen von innen her aufgepolstert werden.

Ob's stimmt? Pflegen Perlen, Gold und Diamanten in Cremes letztlich besser als Vitamine oder Pflanzenhormone? Vermutlich ist es doch nur ein Placeboeffekt, eine Wohlfühlkomponente, die mit Wissenschaft und Logik ganz wenig zu tun hat: Das Gefühl, sich mit Diamantstaub das Gesicht zu peelen, ist einfach ein anderes, als die Haut bloß mit Mandelkleie rein zu schrubben. Und dies schöne Gefühl darf dann ruhig auch etwas mehr kosten.

Marina Jagemann/print
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