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16. September 2004, 13:17 Uhr

Sie baden gerade ihre Hände darin

Friseur und Parfüm okay, aber in den Schönheitssalon? Die Herren der Schöpfung zieren sich noch immer, wenn es um Kosmetik geht. Dabei kann auch Mann der Natur nachhelfen. Von Jens Maier

Eine Kopfmassage gehört zur "Relax Break" dazu. Für 112 Euro wird Mann eine Stunde und 45 Minuten geriegelt und gestriegelt

Ich geb's ja zu. Vor Betreten des Clarins-Instituts im Münchner Schicki-Micki-Viertel habe ich ein paar verstohlene Blicke nach hinten geworfen und gedacht: "Hoffentlich sieht dich niemand!". Ein Mann der zum Schönheitssalon rennt - und das mit 30. Aber auf Firmenkosten zur Generalüberholung zu gehen - wer kann da Nein sagen.

Die Atmosphäre ist gediegen, wie man es von der vornehmen Adresse erwartet. Roter Teppich, weiße Wände - alles ähnelt einem noblen Hotel mit dem Unterschied, dass die Regale an den Wänden die Pflegeprodukte des Hauses anpreisen als wollten sie verkünden: "Wir verwirklichen den Traum von der ewigen Jugend."

Wo bleibt "Tilly"?

Da Männer ihre ganz eigene Vorstellung eines Schönheitssalons haben, rechne ich damit, dass jeden Moment "Tilly" um die Ecke biegt und ich anschließend meine Hände in Geschirrspülmittel baden darf. Doch weit gefehlt. Maria hat so rein gar nichts von "Tilly". Rote lange Haare zu einem Zopf nach hinten gebunden, lustige Sommersprossen und ein freundliches Lächeln. Wow! Wenn Maria einen Vergleich verdient hat, dann eher den mit Isabella Rossellini, die als "Lisle von Romanov" im Film "Der Tod steht ihr gut" einen Schönheitstrank verteilt.

Behandlungskabine im Clarins-Institut in München

Einen Trank gibt es im Clarins-Institut auch, allerdings "nur" einen Tee. Das mit der Schönheit soll offenbar anders geregelt werden. Eine sogenannte "Relax Break" soll mir zu Entspannung und Revitalsierung verhelfen.

Maria bittet mich in das Behandlungszimmer. Clarins hat in München einen eigenen Raum für Männer eingerichtet. In der Mitte steht eine Art überdimensionaler Zahnarztstuhl, der sich weich ausgepolstert jedoch als äußerst bequem erweist. Bevor Maria richtig loslegt, bekomme ich ein gepolstertes Wärmekissen für den Nacken. Zu japanischen Klängen, die aus den Lautsprechern tönen, beginnt Maria mit einer Gesichtsreinigung und macht sich daran, Herrin über meine Augenringe zu werden. Schon alleine der Geruch der Mittelchen sorgt dafür, dass ich mir jünger vorkomme. Nach Lavendel und Mandelöl oder nach Pfefferminz riecht es. Was so gut schmeckt, muss ja gut sein.

Nach der Reinigung folgt ein sanftes Peeling. "Das wird die leichten Unebenheiten in ihrer Haut beseitigen", sagt Maria. Unebenheiten? Ohje, wie wird das erst in zehn Jahren sein? Sanft massieren Marias Hände über meine Stirn, meine Wangen und meine Nase. Innerlich stelle ich mir schon vor, wie ich nachher vorm Spiegel stehe und fünf bis zehn Jahre jünger aussehe. Oh Gott, also wie Anfang 20! Ich sollte unbedingt Pläne für den Abend machen.

Die wundersame Verwandlung

Nach jeder "Runde" wischt Maria mein Gesicht mit einem feuchten Tuch sauber. Es ist fast wie eine Häutung. Unter jeder Schicht komme ich dem hübschen, jungen Gesicht ein Stück näher. Vom Nacken wandern Marias Hände bis hoch zum Kopf, eine Massage versetzt mich in einen traumhaften Dämmerzustand und ist der entspannende Abschluss der "Relax Break". Was mir vorkam wie 20 Minuten hat in Wahrheit eine Stunde und 45 Minuten gedauert. Noch ein letzter und erfrischender Balsam fürs Gesicht und Maria entlässt mich aus ihren Händen. Aus einer Schublade zieht Maria noch ein paar Mittelchen, die sie mir mitgibt. Dann heißt es Abschied nehmen.

Eigentlich möchte ich am liebsten sofort zum Spiegel rennen und das Ergebnis bewundern. Doch halt, ist man nicht immer so jung wie man sich fühlt? Ich jedenfalls fühle mich gerade verdammt jung. Wer braucht da noch einen Spiegel?

Adressen Institut Clarins, Promenadeplatz 9, Eingang Hartmannstraße, 80333 München, Telefon 089 / 29015354

Von Jens Maier
 
 
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