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GNTM: Ein Fiasko epischen Ausmaßes

Heidis Altkleidersammlung, kulinarische Expertinnen und die schlimmste Fehlentscheidung der GNTM-Historie. Das Halbfinale der 12. Staffel wird zu einem Fiasko epischen Ausmaßes. 

Von Marie von den Benken

GNTM-Halbfinale

Erst waren es noch sechs, doch nach dem Halbfinale bei GNTM mussten zwei von Heidis "Mädchen" ihre Hoffnung auf den Sieg beim Topmodel-Casting aufgeben

Halbfinale bei Heidis Modelsuche und die spannende Frage: Wer macht den FC Bayern und fliegt so kurz vor dem Finale raus? "Letittssia", Serlina, Lynn, Céline, Maja oder Romina? Für den Fall, dass irgendein Zuschauer in den letzten zehn Jahren im Koma lag, erinnert ProSieben aber erst noch mal daran, dass nur eine werden kann. Und dass es für diese Siegerin drei fette Preise und eine Drohung zu gewinnen gibt: einen Opel Adam, 100.000 Euro und das Cover der "Cosmopolitan". Plus: einen Vertrag bei OneEINS, der Agentur von Heidis Papa Günther Klum, dem Mario Barth der Modelmanager.

Ihm sind in den vergangenen Jahren unter anderem bereits Fata Hasanovic, Elena Carriére, , Ivana Teklic, Luisa Hartema, Larissa Marolt, Aminata Sanogo, Luise Will, Alisar Ailabouni, Hana Nitzsche und Jana Beller mit großem (Anwalts-)Getöse abtrünnig geworden. Letztere als Gewinnerin der 2011er Staffel sogar nur wenige Wochen nach ihrem Finalsieg. Und nachdem in den vergangenen Wochen bereits Wetten darauf liefen, welches Mädchen dieses Jahr die Erste sein wird, die sich mit Familie Klum überwirft, ist auch diese Frage mittlerweile beantwortet: Es ist die gerade erst als Zehnte ausgeschiedene Brenda Hübscher. Damit hat sich Brenda schneller von der eigentlichen GNTM-Mutteragentur emanzipiert, als Aki Watzke "Tuchel ist doof" sagen kann.

Zu viel Regen ist des Bauerfeind

Eine Woche vor dem Finale ist auch Zeit für ein erstes Resümee. Signifikant dieses Jahr: Die selbsternannte intellektuelle Vorhut Deutschlands, die sich sonst im Dunstkreis neuer Staffeln in den Feuilletons die Klinke mit bösen GNTM-Verrissen und Appellen an das Vermeiden von falschen Schönheitsidealen in die Hand gaben, bleibt erstaunlich ruhig. Oder wie Plusquamperfekt-Queen Heidi Klum es sagen würde: "Die negative Presse war weniger gewesen." Lediglich die Journalistin und Moderatorin Katrin Bauerfeind lässt sich zu einem brauchbaren Diss hinreißen: "Frauen sollten nicht mit den selben Parametern wie Mastschweine bewertet werden."

Apropos Mastschwein: Bauerfeind musste während ihrer Zeit bei der "Harald Schmidt Show" lange mit Oliver Pocher zusammenarbeiten. Sie wollte Schmidt und bekam Pocher. Übersetzt in die Modelsprache heißt das: Du bestellst Cara Delevingne und du bekommst Carmen Geiss. hatte es also auch nicht leicht. Ich liebe sie aber trotzdem. Vor allem für die Vokabel "Humorfeministin", die sie erfunden hat. Eine Humorfeministin ist ungefähr das Gegenteil einer Netzfeministin. Die Mission der Netzfeministin der Modelbranche, "Letittssia", ist übrigens noch nicht beendet. Sie hat zwar Sabine bereits aus der Staffel gelästert, aber trotzdem noch mehr Zicken-Munition im Köcher, als der HSV Relegationsspiele. Ihr heutiges Opfer: Céline. Mit einem beherzten "Die hat seit 15 Wochen noch kein einziges Mal Personality gezeigt" eröffnet sie den Endspurt um den Titel als GNLT (Germany's Next Lästertante). 

Gourmetdräscher

Vor dem ersten Highlight der Staffel, dem alljährlichen ""-Cover-Foto-Shooting, gibt es noch mal ein Gala-Dinner für die Kandidatinnen in der Modelvilla. Die Essgewohnheiten der Mädchen wurden bislang vermutlich eher von Pizzakartons und Pommesgabeln geprägt. Die meisten von einem extra angeheuerten Top-Koch zubereiteten Speisen benötigen jedenfalls Besteck, das sie eher bei einer Not-OP, als bei einem Abendessen verortet hätten. Und auch bei den Vorspeisen ist noch Luft nach oben. Lynn hofft jedenfalls offensichtlich euphorisiert auf den Bruder von David Guetta und schwärmt von "Brusch-Guetta". Sie wird enttäuscht. Statt geröstetem DJ-Brot gibt es nur salzigen Rogen vom Stör. Oder wie Lynn sagt: "Was ist denn Kaviar?". Man merkt sofort: Die Feinschmeckerin unter den Kandidatinnen fühlt sich in Gourmettempeln so zu Hause wie Helene Fischer auf der Weihnachtsfeier des AC/DC-Fanclubs. Auch "Letittssia" frohlockt. Da sie seit mehr als 120 Sekunden über nichts mehr genervt war, kommentiert sie mit einem lebensbejahenden "das Essen ist zwar teuer, aber ein Burger hätte es auch getan". 

Altkleidersammlung vs. Jurytränen

Vor dem Final Walk und der Entscheidung, wer ins Finale kommen wird, erlebt GNTM eine weitere dramaturgische Neuerung. Heute dürfen auch die Co-Juroren Michalsky und Hayo zeigen, dass sie auf Knopfdruck heulen können. Heidi fordert sie auf, die Kandidatin aus ihrem Team zu nominieren, von der sie nicht glauben, dass sie ins Finale kommen wird. Eine undankbare Aufgabe. Man fragt ja auch Eltern nicht, welches ihrer Kinder sie am ehesten zur Adoption frei geben würden (Mama, wenn du das hier liest: Das Cabrio, das damals plötzlich kaputtgefahren war, das war nicht ich. Ich bitte das bei einer eventuellen Entscheidung zu berücksichtigen). Michael Michalsky wählt am Ende Romina, Thomas Hayo Lynn. Beide zeigen sich schockiert. Das ist fast noch gemeiner, als Kaviar anstatt Brusch-Guetta als Vorspeise zu bekommen.

Vor dem Final-Walk hat Heidi Klums eine letzte Überraschung parat. Sie zeigt sich als Fashion-Messi und schiebt einen Kleiderständer mit alten Abendkleidern in den Raum. Die Mädchen müssen beim entscheidenden letzten Walk vor dem Finale ihre alten Outfits auftragen. Kurz vermutet man, die Chefjurorin habe sich einen besonderen Gag ausgedacht. Hat sie ihre Originalkleider, die sie in den vergangenen Jahren auf Oscar-Verleihungen, Grammy-Partys und anderen Top-Events trug, heimlich fünf Nummern kleiner nähen lassen und erfreut sich nun daran, Sätze wie "auch Lynn ist das Kleid zu eng" sagen zu können? Lynn jedenfalls, die rothaarige Vorspeisen-Expertin, hätte mal weniger "Brusch-Guetta" essen sollen. Sie muss unumwunden zugeben: "Ich habe mich noch nie so fett gefühlt". Klum hingegen schreibt am Abend in ihr Tagebuch: "Ich habe mich noch nie so dünn gefühlt".


Du kannst nach Hause gehen

Dicke kann man in der Modelbranche aber nicht gebrauchen, findet Heidi, und schmeißt Lynn als Erste raus. Ungerecht? Lynn wurde zumindest übel mitgespielt. Ihren letzten Lauf als Kandidatin muss sie in einem Michalsky-Kleid absolvieren. Was bleibt, sind schöne Erinnerungen an Sätze wie "ich mache mir keine verfickte Kurzhaarfrisur" (beim Umstyling) und an den einzigen Boyfriend, der wenigstens einen zarten Hauch von Honey versprüht. Stichwort Honey: Der vergnügt sich mittlerweile statt mit Topmodels lieber mit "Let´s Dance"-Tänzerinnen wie Ekaterina Leonova. Das macht Sinn. Topmodel ist er ja selber, im Dschungelcamp sowie beim Promi-Dinner war er auch schon. Wenn seine Trash-TV-Karriere also weitergehen soll, bietet sich ein Anbiedern beim RTL-Tanzflur in Köln-Ossendorf natürlich an. 

Maja, mal nein

Nachdem dann Grumpy-"Letittssia" und Céline recht deutlich und Romina denkbar knapp die Qualifikation für das Finale schaffen, verbleiben noch Maja und Serlina. Trotz anhaltender Lobeshymnen auf sie trifft es letztendlich Maja. Wer Maja vor die Tür setzt, die herausragend läuft, eine gigantische Entwicklung genommen und jedes Mal ein perfektes Foto abgeliefert hat, und dafür "Letittssia" behält, wirft auch Mineralwasser aus dem Supermarkt-Sortiment, damit es weniger regnet. Diese Entscheidung ist natürlich Öl ins Feuer der GNTM-Verschwörungstheoretiker und ihrer Ethno-Spekulationen. Seit einigen Wochen hält sich nämlich das Gerücht, ProSieben ließe alle vier Jahre ein dunkelhäutiges Mädchen gewinnen. In Staffel vier Sara Nuru und in Staffel acht Lovelyn Enebechi. Um dieses Muster zu bestätigen, wäre dieses Jahr in Staffel 12 also "Letittssia" an der Reihe. Wenn es einen GNTM-Gott gibt und der nicht gerade damit beschäftigt ist, eine neue Carina für Staffel 13 zu suchen, wird das allerdings nicht passieren.

Majas Rauswurf ist in meinen Augen der elementarste Fehler in der Geschichte von GNTM. Sie wird ihren Weg im Modelbusiness machen und die verbliebenen Kandidatinnen vermutlich innerhalb weniger Monate so deutlich überflügeln, dass im Hause Klum der eine oder andere Gebissabdruck mehr seinen Weg in diverse Tischkanten findet. Wer wird es also machen im Finale in Oberhausen? Ich werde live aus der Hauptstadt der Fashionbranche berichten.

Bis dahin: Alles Liebe, Eure Marie

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