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GNTM-Gewinnerin Céline: Furzen als Karriere-Katalysator

Supermodel? Instagram-Teeverkäuferin? "Taff"-Moderatorin? Totale Vergessenheit? Wohin führt der Weg von Céline Bethmann? Im Interview mit der "Cosmopolitan" verrät die GNTM-Siegerin jedenfalls schon mal, dass sie oft pupst.

Von Marie von den Benken

Céline Bethmann

Céline Bethmann, GNTM-Gewinnerin der zwölften Staffel

Hand aufs Herz: Kennen Sie Céline Bethmann? Nein, sie ist kein Kirchen-Testimonial, das junge Menschen verführen soll, mehr zu Gott zu sprechen. Auch wenn ihr Nachname das vermuten ließe. Eher das Gegenteil. Heidi Klum und ihre Co-Juroren Michalsky und Hayo haben sie vor zwei Wochen zum zwölften "Germany's Next Topmodel" ausgerufen. Ist ihr eine goldene Model-Zukunft also sicher? Oder wird sie über ein paar Auftritte auf Events wie Fashion Week oder Film-Premieren durchgereicht bis zum bitteren Ende als Diät-Tee-Protagonistin auf Instagram oder "Taff"-Moderatorin?

Der Exzess der Nichtigkeit

Der Erfolg bisheriger Gewinnerinnen ist überschaubar. GNTM selber jedoch ist erfolgreich. Während ein Format wie "Lanz kocht" vermutlich abgeschmiert wäre, wenn nicht Markus Lanz gekocht, sondern beispielsweise Jenny Elvers Gedichte von Hermann Hesse vorgelesen hätte, ist es bei GNTM offensichtlich egal, dass eher selten echte Topmodels auf die Laufstege der Prêt-à-porter-Shows von Paris oder New York gespült werden. Kritisch gesehen wird die lustige Model-Show mit Klassenfahrt-Feeling aber dennoch. Und das nicht erst seit dem legendären Kommentar von Roger Willemsen: "Eine unschöne Frau mit laubgesägtem Gouvernanten-Profil bringt kleine Mädchen zum Weinen, indem sie ihre orthodoxe, hochgerüstete Belanglosigkeit zum Maßstab humaner Seinserfüllung hochschwindelt, über 'Persönlichkeit' redet, sich aber kaum mehr erinnern kann, was das ist, und sollte diese je zum Vorschein kommen, sie mit Rauswurf bestraft. Der Exzess der Nichtigkeit aber erreicht seinen Höhepunkt, wo Heidi Nationale mit Knallchargen-Pathos und einer Pause, in der man die Leere ihres Kopfes wabern hört, ihre gestrenge 'Entscheidung' mitteilt und wertes von unwertem Leben scheidet. Da möchte man dann elegant und stilsicher, wie der Dichter sagt, sechs Sorten Scheiße aus ihr rausprügeln – wenn es bloß nicht so frauenfeindlich wäre."


Wirkliche Branchen-Kenner, Chefs großer Modelagenturen beispielsweise, halten sich mittlerweile allerdings zurück. hat 2017 mit fast 70 Millionen Euro einen Rekord bei Werbeeinnahmen hingelegt und blickt auf treue Kunden aus dem obersten Segment der Werbetreibenden zurück: Maybelline New York, Opel, L'Oréal, Garnier, About You, Dr. Oetker, Vodafone, Telekom, McDonald's und Samsung. Alle schon seit Jahren dabei. Da möchte man es sich als Agentur nicht verscherzen. Diese Unternehmen buchen ja nicht nur TV-Werbung, sondern auch Models.

Doppelmoralapostel

Während es in den Anfangszeiten von GNTM en vogue war, als seriöse Modelagentur bei jeder Gelegenheit zu versichern, dass die Szenerien aus dem TV-Format mit dem wirklichen Modelalltag etwa so viel zu tun haben, wie Donald Trump mit natürlicher Bräune, erledigen das heute eher Prominente. Darunter bisweilen sogar solche, die von GNTM selbst profitiert haben. Beispielswiese Beth Ditto, die dem Magazin "Spiegel" erklärte, GNTM zerstöre Träume. In der Frage, ob man selber mit einem in ihren Augen so zerstörerischen Format Geld verdienen darf, ist sie derweil weniger zimperlich. Sowohl dieses Jahr, wie auch bereits im Finale 2012 stand sie auf der Bühne. Manche würden das heuchlerisch nennen. Zumindest wirkt es ein wenig so, als würden sich die Wollnys darüber echauffieren, dass Reality-TV-Zuschauer verdummen.

Céline On Me, When You're Not Strong

Wie aber sind denn jetzt die Chancen von , dem Mädchen aus Koblenz, das mehr Sommersprossen hat als Justin Bieber Groupies? Dem Mädchen, das sich trotz vehementer Läster-Attacken und absurden Shooting-Herausforderungen ganz nach oben gecatwalkt hat? In der "Cosmopolitan", traditionell im Juni mit GNTM-Gewinnermädchen auf dem Titel, verrät sie jedenfalls schon mal, dass sie oft pupst. Furzen als Karriere-Katalysator. Spektakulär. Aber reicht das für mehr als Promi Big Brother? Ein guter Indikator dafür, was aus GNTM-Gewinnerinnen werden kann, ist der Blick auf ihre Vorgängerinnen. Da tummeln sich mittlerweile einige interessante Lebensläufe. Nur die realistische Bezeichnung Supermodel ist im Zusammenhang mit Absolventinnen der Günther Klum Modelakademie GNTM rarer als die Meisterchancen des HSV. Aber mal konkret.

Vorjahresgewinnerin Kim Hnizdo hat sich, was die mediale Wahrnehmung angeht, mittlerweile sogar von ihrem Ex-Freund Honey den Rang ablaufen lassen. Obwohl der sympathische Ex-Mister-Hessen nur für zwei legendäre Folgen während ihrer 2016er Staffel Teil von GNTM war. Seine Selbstverliebtheit, gegen die selbst Kanye West wie ein von Selbstzweifeln geplagter Vollzeitloser wirkt, brachte ihm in der kurzen Zeit immerhin Auftritte in so ziemlich jedem Trash-TV-Format des Landes und einen Dauerplatz in Deutschlands Klatschspalten. Dschungelcamp eingeschlossen. Ich möchte nicht das alte Klischee bedienen, dass es bei Männern am Ende immer auf einen Schwanzvergleich hinausläuft, aber gegen alle GNTM-Kandidatinnen-Freunde vor und nach ihm ist Honey immer noch der König der Modelflüsterer. Apropos Schwanzvergleich: Honey kommt aus Rüsselsheim.

Kim Daur und Caro Hnizdo

Die Honeyisierung des Abendprogramms ist also nicht mehr aufzuhalten. Die Modelkarriere von Kim dagegen ist eher Regionalbahn als Porsche 911. Wie viele andere Mädchen, die einst mit der Ambition gestartet waren, die neue Claudia Schiffer zu werden, ist das letztendlich verbliebene Ziel eigentlich nur noch, wenigstens die neue Anna-Maria Damm zu werden. Von Modeling ist auf ihrem Instagram-Profil nur noch sehr rudimentär mal etwas zu erahnen. Es geht eigentlich nur noch um Produktplatzierungen und Aufmerksamkeit durch freizügige Bilder.

Day off 🌴 #badass

Ein Beitrag geteilt von Kim Laura Hnizdo 🦄 (@kimlaurahnizdo) am

Ein Jahr vor Kim siegte Vanessa Fuchs. Auch nicht gerade ein Name, bei dem Karl Lagerfeld und Anna Wintour vor Verzückung Purzelbäume schlagen. Dieses Jahr schaffte sie es aber immerhin auf den roten Teppich von Hermann Bühlbecker. Der charismatische Printen-König, der ungern mit Frisuren experimentiert und daher seit gefühlten 40 Jahren eine Art Helm aus Fieberglas auf dem Kopf trägt, gilt als eine Art Auffangbecken für Model-Abbrecherinnen. Sein Hobby ist, sich auf selbst erfundenen Events wie der "Lambertz Monday Night" mit Prominenten oder Ex-Models fotografieren zu lassen. Das ist nur logisch. Wikipedia beschreibt Printen nämlich so: "Der Name bezieht sich auf die Verwendung von kunstvoll geschnitzten und bedruckten Holzmodeln." Wer also mit Holzmodeln reich geworden ist, der schmückt sich zum Ausgleich gerne mir echten Models.

Jay Khan ist nicht der Sohn von Olli Kahn

Zu den erfolgreichsten Vorgängerinnen von Céline gehört immer noch GNTM-Debüt-Gewinnerin Lena Gercke, die sich immerhin schon zwölf Jahre im Business hält und zumindest hin und wieder brauchbare Model-Jobs vorzuweisen hat. Für ihre ungebrochene Bekanntheit verantwortlich ist in unserer klatschsüchtigen Gesellschaft allerdings eher ihr Liebesleben. Sie teilte schon das Bett mit abgehalfterten Popstars wie Jay Khan oder Weltmeistern wie Sami Khedira. Als Influencerin durchgestartet ist die Gewinnerin des Jahrgangs von 2014, Stefanie Giesinger. Ihr Durchmarsch auf drei Millionen Instagram-Follower ist kaum aufzuhalten. Das gibt zwar nicht viele Modeljobs, aber genügend Parfum-, Schmuck-, Sonnenbrillen- und Bikinihersteller, die sie für ein paar Schnappschüsse, auf denen sie zufällig die jeweiligen Produkte prominent in Szene setzt, fürstlich bezahlen. Kein Cara-Delevingne-Niveau, aber dafür extrem lukrativ.

Warnende Beispiele gibt es aber natürlich ebenfalls. Die Gewinnerin von 2008, Jennifer Hof, hat den Runway schon lange gegen eine Ausbildung zur Steuerfachangestellten getauscht. Jana Beller, 2011 ganz oben auf dem GNTM-Treppchen, betreibt Backstationen am Münchener Hauptbahnhof. Von Lovelyn Enebechi, 2013 gekürt, ist nicht viel mehr übrig, als ein mittelmäßiges Wortspiel ("Darf Lovelyn noch was trinken?" – "Aber Enebechi höchstens!").

Trotz allem: Ich traue Céline zu, nicht gleich in Vergessenheit zu geraten. Sie hat alle Voraussetzungen. Sie ist groß, sie hat – wie man im Business sagt – eine gute Bone-Structure, gute Haut, große Augen, volle Lippen, sie ist sehr schlank. Ein Paket, das die klassischen Modelkriterien erfüllt. Ihr Sommersprossen geben ihr einen leichten Touch Besonderheit. Entscheidend wird aber sein, wie gut sie vermarktet wird. Da hat sich die GNTM-Hausagentur ONEeins fab Management bislang nicht als Innovationsvorreiter vorgetan. Man wünscht ihr fast, dass dort die Lektionen des Geschäfts gelernt wurden und das erste Ziel nicht mehr ist, so viele TV-Auftritte wie möglich zu absolvieren, sondern echte Modeljobs zu ergattern. Ob das gelingt? Ich bleibe dran.

Bis dahin: Alles Liebe, Eure Marie

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