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Honey - Fremdschämen auf Knopfdruck

Niemand muss GNTM-Honey mögen. Aber man muss ihm lassen, dass er die Aufmerksamkeit gerade optimal nutzt - und sich so für mehr qualifiziert. Warum unsere Autorin ihm die Daumen drückt.

Von Marie von den Benken

Was für eine Woche. 22 Fußballprofis aus München und Dortmund schleppen sich die letzten Minuten eines Pokalendspiels durch das Berliner Olympiastadion, als hätten sie einen Marathon, einen Ironman und dann noch schnell 5.000 Sit-Ups hinter sich gebracht. Österreich entgeht knapp einem Bundespräsidenten-Desaster und Lena Gercke wird als "Traumfrau 2016" gekürt.

Überraschend nicht in die Top 10 und in die Gesellschaft von illustren Konkurrentinnen wie Nora Tschirner, Diane Krüger, Vanessa Mai oder Helene Fischer hat es Honey geschafft. Dabei hatte er in den vergangenen Wochen alles dafür getan, "Germany's Next Topmodel" zu werden.

Und während sich das supersuperanspruchsvolle Social-Media-Feuilleton noch über die Bedeutungslosigkeit von Honey auslässt, führt jeder Foren-Kommentar à la "Wer ist das? Wieso schreibt ihr über den Idioten? Interessiert keine Sau!" am Ende nur dazu, dass das Produkt Honey immer tiefer in alle Wahrnehmungsebenen der Konsumenten eindringt.

Schwiegerbachelor gesucht. Im Dschungelcamp.

Dabei hat er einfach nur seinen einzigen Trumpf ausgespielt: Er setzt alles auf die Karte "Ex von Kim" und reitet auf der GNTM-Welle mit. Lässt sich von Kandidatin Julia auf Instagram als #PrinzPeinlich für seine Unterwäsche-Werbung verspotten oder verstrickt sich in widersprüchliche Aussagen, ob er als neuer Bachelor angefragt wurde. Egal. Es funktioniert. Man öffnet eine Zeitschrift oder besucht eine Webseite  - und Honey ist schon da.

Natürlich kann man über seine recht hilflos wirkenden Versuche, in seiner Selbstverliebtheit wenigstens authentisch zu wirken, wunderbar herziehen. Honey wird keine gigantische Modelkarriere machen. Doch die Chancen stehen nicht schlecht, dass wir ihn mit all der Aufmerksamkeit (wie übrigens auch durch diese Kolumne) zu einem festen Bestandteil der Trash-TV-Ecke machen. Es gibt ja nicht nur "Der ". Wer weiß, welche Produktionsfirmen sich seine aktuelle Popularität zunutze machen wollen und ihn wirklich anfragen. Den Platz im Dschungelcamp hat er mindestens verdient. Und wäre er nicht auch hervorragend für "Let's Dance" oder die ProSieben-"Völkerball Meisterschaft"? 

Honeys aktuelle Berufsbezeichnung ist unter anderem Model. Als solches grinst er auch aus Prospekten für einen Sonderposten Boxershorts der Supermarkt-Kette Real. Kein Job, den man stolz auf seiner Sedcard verewigt. Kein Glamour. Keine Haute-Couture. Aber gut bezahlt.

Jan Delay feat. Kim

Und Honey, so viel Bauernschläue muss man ihm dann mindestens zugestehen, hat den Moment für seinen Auftritt erkannt. Er stellt sich Pfeifkonzerten beim GNTM-Finale und postet fleißig Bilder auf Instagram, die er mit selbstbeweihräuchernden Sprüchen garniert. Das führt dazu, dass man ihn wenigstens wahrnimmt. Während man von Kim schon nach 14 Tagen als "" hört, dass ihr der Trubel eigentlich zu viel ist. Sie versucht trotzdem, mit Instagram-Fotos Gerüchte über ihre Bisexualität zu schüren. Aber Jan Delays grandioser Song "Showgeschäft" könnte am Ende eher auf Kim zutreffen, als auf Honey:

 "Ja so bitter kann es gehen in diesem Game.

Gestern noch auf 1, heute schon auf Wiedersehen.

Noch gestern warst du die Award-Gewinner Sensation.

Heute bist du schon beim Promi-Dinner, Endstation!" 

#loveisintheair

Ein von ~ Kim Laura Hnizdo ~ ✌🏻 (@kim.topmodel.2016) gepostetes Foto am

Sind wir nicht alle ein bisschen Honey?

Für Popularitäts-Junkies wie Honey ist "Promi-Dinner" nämlich gar nicht Endstation, sondern Startschuss. Das kann man peinlich finden, langweilig, sinnlos oder unwichtig. Es ist dennoch eine Realität, die zur heutigen Unterhaltungsbranche genau so dazu gehört, wie Grimmepreis oder Oscar. Von daher sage ich: Vielleicht ist er gar nicht so minderbemittelt und peinlich, dass man sich unentwegt echauffieren müsste. Vielleicht hat er einfach die Mechanismen der Entertainment-Branche verstanden und ist dabei, aus seinen Möglichkeiten das Beste zu machen.

Denn eines ist sicher: Niemand muss Honey mögen. Man muss noch nicht mal Sendungen mit ihm anschauen oder Texte über ihn lesen. Nicht mal diesen. Aber es gibt offensichtlich genug, die es tun. Das sagt möglicherweise viel über unsere Gesellschaft aus und das mag dem einen oder anderen Sorgen bereiten, aber das ist nicht die Schuld von Honey. 

Also, Honey: Von mir bekommst du heute zwar kein Foto, aber ein "Hals und Schlüppibruch" auf deinem Weg ins TV-Paradies für talentfreie Selbstvermarktungs-Experten. Mach weiter so! Bleibt die Frage: Schafft Honey den Sprung von der medialen Eintagsfliege zum festen Bestandteil der D-Prominenz-Kartei für Baumarkt-Eröffnungen und Quizsendungen im Vormittagsprogramm tatsächlich?

 

Bis dahin: Alles Liebe, Eure Marie

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