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Vom Laufstegflop zur Siegerin: Hanna aus Köln gewinnt das "Curvy Supermodel"-Finale

Ihr Sieg ist eine echte Überraschung: Hanna aus Köln gewinnt die zweite Staffel der RTL2-Castingshow "Curvy Supermodel". Die 24-Jährige will nun als Plus-Size-Model durchstarten - so wie Vorjahressiegerin Céline Denefleh.

Von Marie von den Benken

Curvy Supermodel Hanna

Hanna aus Köln ist die Gewinnerin der zweiten Staffel "Curvy Supermodel"

Was für Zeiten. Wir erleben die Tage der Finals. Erst am Freitag ging "Promi Big Brother" zu Ende, am Montag folgte dann direkt "Curvy ". Während in der Kasernierungs-Show für C-Promis am Ende Jens Hilbert als Sieger hervor ging, standen sich im Finale der Plus Size Casting Show Anastasiya, Endurance, Hanna, Julia und Rahma gegenüber. Die verbliebenen Kandidatinnen sind zwischen 18 und 33 Jahren alt. Das zeigt einen der signifikanten Unterschiede zu "Skinny Models", wie die etwa zehn Kleidergrößen schmaleren Kolleginnen während der Staffel bei Vergleichen immer wieder genannt wurden. Bei klassischen Models ist es bereits bei einem Start mit 22 Jahren kaum mehr realistisch, eine langfristige, weltweite Karriere aufbauen zu können – bei "Curvy Supermodel" schafft man es sogar mit 33 bis ins Finale. Plus Size Models haben, ähnlich wie Male Models übrigens, ihren schlanken Berufsgenossinnen also ein sehr angenehmes Detail voraus: Ihre Karriere ist nicht quasi schon vorbei, wenn sie in ein Alter kommen, in dem sie in New York alleine in Clubs gehen dürfen.

Fidel ist nicht der einzige Castro im Fernsehen

Während in der Container-Show für auf dem Boulevard langsam in Vergessenheit geratene Ex-Promis, bei der immerhin schon einige Curvy Models wie Hubert Kah oder Michael Ammer erfolgreich teilnahmen, mit dem Enthaarungs-Millionär Jens Hilbert der Sieger bereits gekürt wurde, müssen die fünf Finalistinnen erst mal am Entscheidungs-Komitee der Juroren vorbei: Angelina Kirsch, Jana Ina Zarrella, Peyman Amin und Carlo Castro. Mein Tipp: Mindestens einer aus diesem Quartett wird 2018 ebenfalls bei "Promi Big Brother" einziehen. Der am wenigsten bekannte Juror Carlo Castro, auf der nach oben offenen VIP-Skala etwa auf einer guten "Helena Fürst", verriet im Laufe der Staffel übrigens, dass er Backstage-Moderatorin Sarah Lombardi nicht kenne. Potzblitz, entfährt es da dem Freund der gepflegten Prime-Time-Unterhaltung. Castro, der stets so aussieht wie eine Latino-Version von Joachim Llambi, hat wohl noch nie "Let's Dance" geschaut. Anders ist das nicht zu erklären. De facto hatte ja sogar der linke Fuß von Sarahs Erstgeborenem Alessio mehr Medienpräsenz als der Choreograph aus New York.

Anastassiya! Ja? Ja!

Das scheint ihm auch bewusst geworden zu sein, und so eröffnet er die Motivations-Festspiele im "Curvy Supermodel"-Finale erst mal mit einem aufbauenden "Kein Fehler ist erlaubt" an die Kandidatinnen. Wie konsequent die "Kein Fehler erlaubt"-Politik durchgezogen wird, zeigt sich gleich wenige Minuten später. In der ersten Challenge, dem Team-Shooting, kommt es darauf an, dass alle an einem Strang ziehen, damit am Ende alle fünf möglichst perfekt aussehen. Bei vier von fünf Kandidatinnen klappt das ganz gut, lediglich Nesthäkchen Anastasiya zieht es immer wieder in den Vordergrund. Dadurch wird natürlich die angestrebte Harmonie, die das Bild transportieren sollte, ad absurdum geführt. Sie erinnern sich: Kein Fehler ist erlaubt! Also, außer der, dass man ein Shooting mit seiner Egozentrik vermasselt. Das geht dann doch noch so gerade durch. Damit am Ende aber nur noch ein Curvy Supermodel übrig ist, müssen ja noch vier von fünf aussortiert werden. Anschließend heißt es dann: "Rahmazählen leicht gemacht". Ergebnis: Null. Nach dem Teamwork-Shooting fliegt nämlich nicht Anastasiya, sondern Rahma.

Sarah Lombardi – die Anne Will der Curvy Models

Das erste Mal richtig lustig wird es dann, als Sarah Lombardi durch die Nebenräume der Location irrt und in ihrer Funktion als Backstage-Moderatorin Freunde und Familie der verbliebenen Kandidatinnen interviewt. Fragen wie "Na, alle Daumen am Drücken?" bringen einen Hauch von Investigativ-Journalismus in die bislang auch aus Quotensicht eher durchschnittlich erfolgreiche zweite Staffel. Was übrigens nicht an Lombardi lag. Ihr "Curvy Supermodel Magazin", das einige Male direkt im Anschluss an die Casting-Show lief, holte teilweise sogar höhere Marktanteile in der werberelevanten Zielgruppe. Was ein ziemlicher Schock für RTL2 sein dürfte. Stellen Sie sich mal vor, "Red" hätte nach einer Folge GNTM mit ein paar schnell nebenher produzierten Hintergrund-Beiträgen zu den Teilnehmerinnen die besseren Quoten als Heidi Klums "Ich habe heute leider kein Foto für Dich"-Kultshow. Da wäre aber ganz schnell Umstyling angesagt. Für das gesamte Format.


Irgendwann hat dieser ganze Wahnsinn angefangen

Models mit Kleidergröße 44 und mittelmäßige Quoten. Das provoziert natürlich qualifizierte Kommentare aus allen Richtungen. Sogar Ex-Moderator Oliver Pocher, mit einer Körpergröße von 1,70 Metern von Modelmaßen etwa so weit entfernt, wie Boris Becker von einem Millionenvermögen, sieht sich genötigt, eine seiner beliebten bei Twitter entliehenen Weisheiten an die Nation weiterzugeben. Via Fachmagazin "Promiflash" lässt er ausrichten: "Ich weiß ja immer nicht - ist das Curvy Supermodel oder Biggest Looser?" Während die meisten Prime-Time-Zuschauer "Biggest Looser" bislang größtenteils für eine Doku-Soap über die Karriere von Oliver Pocher hielten, versucht dieser, mit einigen gezielt gesetzten Provokationen zu vermeiden, dass ihn demnächst sogar Carlo Castro im Puncto Bekanntheitsgrad überrundet.

Im Chronologie-Desaster "Curvy Supermodel" geht es dann mit einem Werbespot für "Happy Size" in Amsterdam weiter. Alle fünf Finalistinnen sind dabei. Auch die gerade vor der letzten Werbepause mit rührseligen Worten raus geflogene Rahma. Inwiefern das dramaturgisch oder chronologisch Sinn macht, bleibt das Geheimnis von RTL2. Der TV-Clip-Werbepartner "Happy Size" verkauft "Kleidung in großen Größen für Damen, die Frauen mit Kurven modisch und bequem zugleich schmückt". Ob das im Umkehrschluss bedeutet, dass Kleidergröße 34 beispielsweise "Unhappy Size" heißen müsste, bleibt ungeklärt.

Aller guten Dinge sind dry

Nach den Einzeldrehs mit den Finalistinnen kürzt die Jury eine weitere Kandidatin aus der Verlosung zum "Curvy Supermodel“. Nach Rahma trifft es Anastasiya. Es geht also mit Hanna, Endurance und Julia in den Final-Walk der Top drei. Anastasiya, die laut Jury in den letzten Wochen gelernt hat "mit Kritik besser umzugehen", quält sich ein Lächeln von den Lippen, während ihre Blicke eher sagen "Ihr drei Luschen könnt mir eigentlich nicht das Wasser reichen. Was für Schwachköpfe in der Jury". Passend dazu kommentiert sie backstage: "Ich sehe mich eigentlich auch besser, als alle drei, die da jetzt im Finale stehen". Jetzt, wo sie nicht mehr die Nachfolgerin von Céline, dem Curvy Supermodel der Premierenstaffel 2016, werden kann, steht ihr aber wenigstens ein anderer Karriereweg noch offen: Nachfolgerin von Sandy Meyer-Wölden. An der Seite von Oliver Pocher ist bestimmt Platz für eine Frau mit einer ähnlich gesunden Selbsteinschätzung.

Der Final-Walk, bei dem die letzte Entscheidung der Staffel fällt, kommt mit einem kleinen Extra: Ein Quick-Change. Raus auf den Catwalk, performen, zurück, schneller Outfit-Wechsel und wieder raus. Alltag auf Fashion-Shows, aber gerade für Anfängerinnen natürlich auch eine große Herausforderung. Alles klappt gut, Jana Ina flippt sogar kurz aus: "Hammer, Hammer! Ihr habt alle bewiesen, dass ihr zu Recht in den Top 3 seid". Gewinnen kann aber trotzdem nur eine. Und so zieht sich die Jury noch mal dramaturgisch perfekt zur Beratung zurück, während die drei letzten Kandidatinnen backstage ihren Familien und Freunden heulend in den Armen liegen.

Curvy Supermodel

Julia, Endurance und Hanna sind die Top drei bei "Curvy Supermodel" 2017. Am Ende siegte die Kölnerin Hanna (r.)


Hanna ist die neue Céline

Um die Spannung hoch zu halten, fragt der RTL2-Off-Sprecher noch schnell zur Überbrückung: "Wer hat auf dem Laufsteg geglänzt?" Ich hoffe ja, keine. Denn sonst war das Make-up einfach ungeschickt gewählt. Glänzend oder nicht, am Ende entscheidet sich die Jury für Hanna.

Carlo Castro nennt sie "Natural Beauty". Jana Ina Zarrella bewundert ihre Entwicklung vom unsicheren Mädchen zur selbstbewussten Frau. "Ich bin stolz, dass sie es geschafft hat, ihre Blockade zu lösen", beschreibt es Angelina Kirsch. Und -Agent Peyman Amin, der Hanna nun mit seiner Agentur PARS vertreten wird, findet sie "facettenreich" – eines der wichtigsten Attribute eines Models. Hanna ist also das Curvy Supermodel 2017. Ob es 2018 eine dritte Gewinnerin geben wird, steht noch in den Sternen. Hier erfahrt ihr es aber sicher als erste. Denn ich bleibe dran!

Bis dahin: Alles Liebe, Eure Marie

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